Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 18 (5.5.1922)
- Date
- 1922-05-05
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 30 Das Jüdische Echo Nr. 18 kammern des Reiches derer von Pronay und Hejjas. Der Mechaniker Max Weiß, 25 Jahre alt, befand sich am 28. Juli 1921 auf dem Wege von Agram nach Budapest. In Kaposvar wurde er unter der Beschuldigung, daß er verbotene Druckschriften ins Land schmuggeln wolle, festgenommen. Die verhaftenden Offiziere brachten ihn in die T- Abteilung, in welcher bekanntlich die Spionage- Angelegenheiten behandelt werden. Diese T- Abteiilung befindet sich in der Hadik-Kaserne. Dort wurde er vom Major Baron Okolicsanyf einem Verhör unterzogen. Das Verhör begaim damit, daß der Baron den Weiß wütend anschrie: „Stinkender Jude, nun gehörst du uns, wir werden mit dir fertig werden.“ Da Weiß nichts zu gestehen hatte, wurde er in den Keller der Kaserne gebracht und gefoltert. Daumenschrauben, Nadelstecher, Kopf- und Rumpfpressen wurden in Anwendung gebracht, so daß der unglückliche Mensch wiederholt in Ohnmacht fiel. Nach einigen Tagen wurde er in eine Zelle gebracht, wo bereits zwei mit Tüchern bedeckte Leichen auf dem Boden lagen. Zwei Offiziere verkündeten in Anwesenheit eines dritten, der in der Tracht eines jüdischen Rabbiners mit Talar und Kappe dastand, das Todesurteil über Weiß. Der angebliche Rabbiner sprach auf Weiß ein, er möge in der letzten Minute seines Lebens in sich gehen, die Wahrheit sprechen, ein Geständnis ablegen und auch seine Mitschuldigen nennen. Unter den größten Qualen erklärte Weiß, daß bei Juden die Beichte nicht eingeführt sei und daß er überdies kein Verbrechen zu gestehen habe. Nun stürzte sich der als Rabbiner verkleidete Offizier auf Weiß, versetzte ihm heftige Faustschläge ins Gesicht und schon glaubte Weiß dem Tode verfallen zu sein, als einer der Offiziere sich besann und meinte, der Juden könne auch anders erledigt werden. Mit der Bemerkung: „Nun wirst du gekreuzigt!“ schnitt einer der Offiziere dem Weiß rniit einem Dolch ein Kreuz in den linken Arm ein, so daß er ganz blutüberströmt war. Fünf Wochen lang wurde Weiß in der Hadik-Kaserne gefoltert und dann in die Radetzky- Kaserngebracht. Dort befand sich seine Zelle gegenüber derjenigen des Klavierfabrikanten Reichmann, über dessen Folterungen und späteres Verschwinden wir seinerzeit berichteten. Damals hat Reichmann noch gelebt und den ganzen Tag jämmerlich geschrien. Weiß hat ihn auch einmal zu Gesicht bekommen und gesehen, daß er zum Skelett abgemagert und mit Wunden bedeckt war. Aus der Radetzky-Kaserne wurde Weiß in das Palatin-Ho+-l in der Vadasz-utca überführt, wo sich das Detachement des Ministeriums des Innern befand. Als Weiß hier wegen der großen Schmerzen, die ihm seine Wunden verursachten, jammerte, streuten ihm die Bestien Salz in die Wunden. Da man ihm trotz aller dieser Folterungen nichts nachweisen konnte, wurde er schließlich in das berüchtigte Sammelgefängnis überführt, von wo er in das Internierungslager von PiliScsaba hätte gebracht werden sollen. Hier fügte es der Zufall, daß man bei der Oberstadthauptmannschaft dringend einen Mechaniker benötigte, und Weiß wurde für diese Arbeit ausersehen. Während seiner Eskorte gelang es ihm, zu entkommen und dann nach langen Irrfahrten über die Tschecho-Slowakei nach Wien zu gelangen, wo er, zum Teile gelähmt und mit Wunden bedeckt, vor vier Tagen ankam und den Arzt Dr. Bernhard Sch. auf suchte. Nach der erstem Untersuchung stellte Dr. Sch. folgenden ärztlichen Befund fest: „Herr Max Weiß erscheint in meiner Ordination und gibt an, daß er aus dem Gefängnis in Budapest duchgegangen ist, woselbst er arg mißhandelt wurde. Objektiv konstatiere ich Narben nach Stichverletzungen, ferner Abszesse im Gesicht, an Kopf und Füßen. Die Sehkraft ist geschwächt. Die Abszesse rühren von Schlägern mit Peitschen und darauffolgendem Bestreuen der Wunden mit Salz. Subjektiv gibt Weiß an, daß er an Kopfschmerz und krampfartigen Schmerzen in den Füßen leidet.“ Wir legen die Geschichte dieses Opfers der ungarischen Zustände der Öffentlichkeit vor. Sich gegen die ungarischen Bluthunde zu entrüsten, iiat sich im Laufe der letzten drei Jahre als müßige, unfruchtbare Arbeit erwiesen. Wir können in diesem Falle wie in allen früheren Fällen nur immer wieder an das Gewissen der europäischen Mächte appellieren und sie fragen: Wie lange noch wollen sie es dulden, daß mitten in Europa eine Horde von Banditen straflos ihr Unwesen treibt, wie lange noch wollen sie verhindern, daß die Konsolidierung der Verhältnisse in Mitteleuropa ihren normalen Weg nehme? Die Wahlbewegung in Ungarn und die Juden Budapest. (J.C.B.) In der liberalen Opposition vollzog sich vor einigen Tagen eine Spaltung, die in dem Auseinandergehen der Legitimisten und des radikalen Flügels ihren Ausdruck fand. Der neu gewählte Vorstand der Budapester Kultusgemeinde scheint bei dieser Spaltung mitgewirkt zu haben, da die neugewählten Repräsentanten Dr. Gliickstal und Gustav Ehrlich die liberale Richtung Rassays, Ugroms und Barozys unterstützen. Vazsonyi und Dr. Ernst Brody kandidieren als jüdische Legitimisten auf einer eigenen Liste. Die jüdische Kultusgemeinde hat sich somit sowohl vom regierungsfreundlichen Dr. Szekelyi, als auch von den Legitimisten unter der Führung Vazsonyis losgesagt. DAS HAUS KRiLL-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 37831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGM&DCH EN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN