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Das jüdische Echo · 1922-05-05 · 18 (5.5.1922) · p. Seite 229

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
18 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 229 eröffnet wurde, betrug: der Beitrag der ZionistL schen Organisation Amerikas für Palästina nur X 63,578.9.3. Die zweite Katastrophe war der eingetretene Kursrückgang osteuropäischer Währungen. Das osteuropäische Judentum wurde dadurch unfähig, finanziell zur wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas beizutragen; das amerikanische Judentum war — aus Gründen, die zu erörtern mir nicht zukommt — moralisch nicht imstande, entsprechend beizutragen. Hierin liegt vielleicht der Hauptgrund für die traurigen Ereignisse des 1. Mai: 1921, sowie für die noch bedauerlichere 'Veränderung, die nach den Jaffaer Unruhen in Sir Herbert Samuels Stellungnahme eintrat. Ein unparteiischer Beurteiler unserer Nachkriegsarbeit in Palästina darf diese Dinge nicht außer acht lassen. Und was bleibt nun als konkretes Ergebnis unserer verschiedenen Tätigkeiten seit 1918 übrig? Die landläufige Antwort darauf ist: „nichts“. In Wahrheit jedoch lautet die Antwort anders. Ein zusammengefaßter Bericht der Leistungen seit dem Waffenstillstände würde folgende T atsachen angeben: einen Aufschwung der jüdischen Bevölkerungszahl um 25 Prozent, einen Aufschwung der jüdischen Kolonien um 20 Prozent, eine Erhöhung des jüdischen Bodenreals in Palästina um 20 Prozent, eine Erhöhung des jüdischen Bodenbesitzes in Jerusalem und Jaffa um 100 Prozent, zwei neue jüdische Banken, und einen bisher nie gekannten Aufschwung der Privatinitiative, Häuserbau, Schifffahrt, Handel und Industrie umfassend. Einem unvoreingenommenen Leser dürfen wir es getrost überlassen, zu entscheiden, ob all dies „nichts“ oder doch etwas bedeute. Man vergegenwärtige sich eine kleine europäische Provinz, in der die jüdische Bevölkerung im gleichen Zeitraum von vier Jahren in wirtschaftlicher Beziehung ähnliche Leistungen vollbracht hätte! Die Juden selbst hätten eine derartige Errungenschaft als einen ganz hervorragenden Fortschritt begrüßt, während die Antisemiten den Ruf erheben würden, die Juden hätten bereits, oder seien zumindest im Begriff, die Provinz zu erobern. Ich glaube, daß, wenn man den Umständen, unter welchen all dies in Palästina erreicht worden ist, Rechnung trägt und objektiv urteilt, die Überzeugung sich ergeben muß, daß wir unsere kolonisatorischen Fähigkeiten, unsere Ausdauer und unser Anpassungsvermögen bewiesen haben. Wenn uns etwas mit Stolz und und mit einem gewissen Selbstvertrauen erfüllen kann, so sind es diese Leistungen. Stellt man mir aber die Frage: „Sind Sie mit dem gemachten Fortschritt zufrieden“, so würde meine Antwort, wie die Antwort eines jeden Zionisten — ganz besonders wenn er ein Mitglied der Zionistischen Exekutive sein sollte — Nein lauten. Wäre der von uns erzielte Fortschritt zwanzigmal größer, so v/ären wir immer noch durchaus unzufrieden. Es wäre alles „nichts“ im Verhältnis zu dem, was wir erreichen möchten. Die ungarische Hölle Das öffentliche Leben Ungarns steht unter dem Zeichen und unter dem Druck einer ununterbrochenen Kette der schwersten gemeinen Verbrechen einer Mörderbande, die jeder kennt und die in einem so offenkundigen Gegenseitigkeitsverhältnis zur Regierung steht, daß der Gedanke,» dem Verbrechen ein Ende zu setzen und ihre Urheber zur Rechenschaft zu ziehen, unter den gegenwärtigen Machtverhältnissen nicht verwirklicht werden kann. D^s ungeheuerliche Bombenattentat, über das wir in unserer vorletzten Nummer berichteten, ist noch in frischer Erinnerung und soeben erreicht uns die Nachricht eines neuen Bombenattentas, über das uns noch die Details fehlen. Zu dem Schauderhaftesten, was unsere an Greuel zu überreiche Zeit kennt, gehört aber der von der Wiener Morgenpost veröffentlichte Bericht über „Die Folterkammer in Budapest“. Man steht schaudernd vor diesen Tatsachen und sagt sich, wie es möglich ist, daß überhaupt ein Kulturstaat mit der Regierung diese Schandtaten duldet und dadurch mitverschuldet Beziehungen unterhalten kann und wie es möglich ist, daß die Vertreter dieser Regierung in den zivilisierten Ländern geduldet werden. Diese Tatsachen kennzeichnen deutlicher und stärker als alles übrige den Tiefstand der heutigen menschlichen Kultur und des sogenannten europäischen Gewissens. Es bleibt leider nichts anderes übrig, als diese Tatsachen so oft zu wiederholen, bis sie einmal von den Verantwortlichen gehört werden. Die Folterkammer in der Hadik-Kaserne Noch ist die gesamte öffentliche Meinung in Erregung über die Erlebnisse des tschechoslowakischen Staatsangehörigen Katz, über welchen wir wiederholt berichteten, und schon obliegt uns die Pflicht, von dem furchtbaren Schicksal eines anderen jüdischen Opfers des Horthymagy arischen Folter Systems zu berichten. Der Fall, der hier erzählt wird, überbietet an Einzelheiten womöglich alle bisher bekannt gewordenen Schilderungen aus den Vorgängen in den Foltera/ijsu vren-Jtoden u./awtejjfafrji/weidae^ <^ierur€fftra/xe

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