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Das jüdische Echo · 1922-04-28 · 17 (28.4.1922) · p. Seite 221

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
17 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
Seite 221 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 221 durch manche Schwierigkeiten. Der alte Hebräer und der arabische Reiche machen sich nichts aus diesem Zuge friedlichen Windes. Im Judentum gibt es noch das Synhedrion und die Pharisäer, während der arabische Magnat natürlich betrübt ist. Der begüterte Araber träumt von einem eigenen Königreich, und ich fürchte, daß der Jude in seiner Begeisterung nicht immer allzu taktvoll gewesen ist. Im Grund ist die Lage delikat, da sich allerhand Zündstoff angehäuft hat. Der arabische Bauer und der arabische Arbeiter würden, wenn man sie gewähren ließe, wenig Anlaß zur Beunruhigung geben. Dem arabischen Landmann wird bald in hundert Dingen von den neuen Ansiedlern geholfen werden; die Stadtbewohner von Nablus verlangen einen jüdischen Frauenarzt, dem die Stadtältesten die Niederlassung verweigern. Die Arbeiter erhalten, sobald sie mit jüdischer Arbeit in Verbindung kommen, höhere Löhne. Denn der Jude, der für ein neues Erez Israel (Land Israel) arbeitet, das doch die Prophezeiung erfüllen und den langen Klagen seines Volkes ein Ende bereiten wird, — dieser Jude weiß auch, daß die arabische Lebenshaltung ungenügend ist. Die Konkurrenz der niedrig bezahlten arabischen Arbeit ist beim Wege-, Eisenbahn- und Häuserbau so entscheidend, daß die Fonds der Zionistischen Organisation zwecks Ergänzung der jüdischen Arbeiterlöhne erhöht werden müssen, ln anderen Fällen müssen Verluste aus jüdischen Kontrakten, deren Bedingungen der Lebenshaltung des Juden nicht entsprechen, ersetzt werden. Glücklicherweise ist das versöhnliche Element ebenso am Werk wie sein Gegenteil. In Ortschaften wie Tiberias bestehen Komitees, in denen Mohammedaner, Christen und Juden friedlich Zusammenarbeiten, Schulen und andere Gemeinschaften die Annäherung der verschiedenen Bevölkerungsteile zu fördern suchen. Man legt eine leise Sympathie für die arabischen Nationalisten, denen es, wenn, auch nur vorübergehend, gestattet war, ein großes Königreich unter Einschluß von Palästinas zu erträumen. Man hat dem Araber schlecht mitgespielt, und jetzt kommen wir schwer um das Verhandeln mit ihm herum. Aber in diesem Lande gibt es etwas, das größer ist als unsere Pläne. Ich bin von Dan bis Berseba gegangen, und mit jedem Tag ist es in mir gewachsen. Man mag in jüdischer oder christlicher Tradition erzogen sein: es ist nun einmal das Heilige Land, das sich wie ein Idol im matten Licht eines Heiligtums offenbart und einem als Heimat seit vielen Generationen erscheint. Keine Macht der Erde kann diesem Lande die magische Anziehungskraft nehmen, die es auf sein Volk ausübt Ich habe seine (des Volkes) Überreste gesehen, wie sie an der Klagemauer ihre Gebete summten, zerstörtes Gestein küßten und flackernde Kerzen der Hoffnung und des Glaubens entzündeten. Ich habe die zahllosen Gräber im Tale von Josaphat gesehen, wo die Scharen dieses auserwählten Volkes ruhen, die aus allen Ländern dorthin gezogen sind, um auf das (nach der Lehre dort stattfindende) Jüngste Gericht zu warten. Ich habe die Lebenden, die Jungen, die Bekenner .gesehen, die die öden Strecken bepflanzen und das Land schmücken, wie eine Braut mit den Gaben des Geliebten geschmückt wird. Diese Dinge beweisen, daß im Herzen des Judentums eine Liebe besteht und daß im Gemüt des Juden eine Sehnsucht wirkt, die er über alle Hindernisse und durch unendlich lange Generationen verfolgen wird, bis die Prophezeiungen seiner alten Lehrer und seines eigenen Herzens erfüllt worden sind. Pessach in Jerusalem zur Römerzeit So wie Marcus, römischer Konsul, Richter der Juden, der zur Zeit des zweiten Tempels in Jerusalem weilte, es selbst gesehen und beschrieben hat. Folgendes ist die Ordnung des Pessachopfers, wie ich es zum Teil selbst gesehen, im übrigen aber genau gehört habe: Zu Beginn des Monates, der bei ihnen Nissan heißt, gehen Boten und Gesandte im Aufträge des Königs und der Richter nach allen Gegenden um Jerusalem an alle Besitzer von Schafen oder Rindern mit dem Befehl, ihr Vieh schleunigst nach der Stadt zu bringen, damit die Pessachpilger ausreichend Opfertiere und auch Speise finden; denn des Volkes ist sehr viel. Wer aber nicht zur rechten Zeit kommt, dessen gesamter Besitz wird zugunsten des Tempels eingezogen. So ziehen denn alle Besitzer von Herden eiligst heran und lassen ihr Vieh durch den Bach nahe der Stadt gehen, um es zu baden und von allem Schmutz zu säubern. Denn sie wenden hierauf ein Wort Salomos an: „Von der Schwemme kamen sie.“ Wenn sie an die Berge rings um Jerusalem kommen, sind ihrer so viele, daß man das Gras nicht mehr sieht: alles ist weiß von dem Schimmer der Vließe. Und wenn der zehnte Tag kommt — am vierzehnten bringt man das Opfer dar —, gehen alle hinaus, um das Opfertier einzuhandeln (sie nennen es Pessach). Wenn sie aber zur Vollbringung des Dienstes hinausgehen, sagt nie einer zum andern: „Trolle dich fort!“ oder „Mach Platz, daß ich vor dir an die Reihe komme!“ Und wäre selbst einer ihrer Könige, Salomo oder David, der letzte daran. Als ich ihre Priester darauf hinweis, daß das doch ungehörig sei, sagten sie mir: „Das soll andeuten, daß vor Gott kein Stolz und Rang gilt weder während der Vorbereitung zum Dienst noch — erst recht — beim Dienste selbst. Da sind alle vor ihm gleich zum Guten.“ Wenn nun der vierzehnte Tag des Monats anbricht, steigen sie auf einen hohen Turm im Tempel ((die Hebräer nennen ihn Lul), der erbaut ist wie bei uns die Glockentürme. In den Händen tragen sie drei silberne Trompeten, auf denen sie blasen; dann verkünden sie laut rufend: „Volk Gottes, höre, die Zeit ist gekommen, das Pessachopfer zu schlachten zu Ehren dessen, der seinen Namen im Heiligtum© ruhen ließ!“ Und wenn das Volk diese Ankündigung hört, zieht es Fesitgewänder an; denn von Mittag an ist für alle Juden Feiertag. An einem Eingang der großen Halle im Tempel stehen von außen zwölf Leviten mit silbernen Stäben und zwölf vom innen mit goldenen Stäben. Die von außen haben die Kommenden zu beruhigen und zu dirigieren, damit niemand durch zu große Hast zu Schaden komme und nicht alle auf einmal herzudrängen und in Streit geraten. Es ist nämlich einmal vorgekommen, daß am Peßach ein alter Mann mitsamt seinem Opfer in dem großen Gedränge erdrückt wurde. Die Leviten aber, die innen stehen, haben die Hinausgehenden zu beaufsichtigen, damit sie nicht stoßen. Auch schließen sie die Tore der Halle, wenn sie sehen, daß mehr Leute hinein kommen, als zugleich Platz haben. An der Schlachtstelle aber stehen viele Reihen von Priestern mit silbernen und goldenen Schalen in Händen. Wenn eine Reihe mit Silber beginnt, ist sie durchaus mit Silber, wenn mit Gold, ist sie durchaus mit Gold: so ist es um der Pracht und der Schönheit willen. Jeder einzelne von den

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