Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 17 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- Seite 220 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Das Jüdische Echo Nr. 17 Juden und Äraber Reise ei ndrücke aus Palästina von J. Ramsay Macdonald Die nachstehende Korrespondenz aus Jerusalem entnehmen wiir der liberalen „Westminster Gazette“. Der Verfasser, eines der angesehensten Mitglieder der Britischen Arbeiterpartei und Herausgeber der „Socialist Review“, ist soeben von einer längeren Studienreise durch Palästina zurückgekehrt. Seine Meinung ist umso wichtiger, als sie in krassem Gegensatz zu den kürzlich verbreiteten. Sensationsberichten Lord Northcliffes steht, der es, nach den Worten des englischen Gesundheitsministers, unternahm, das jüdisch-arabische Problem in 48 Stunden zu „erforschen“. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß Ramsay Macdonald im nächsten britischen Parlament die Führung des linken Flügels der Arbeiterpartei (Independent Labour Party) übernehmen und zweifellos die größte Rolle unter den Parlamentariern der Linken spielen wird. Nirgendwo kann man den ewigen Konflikt zwischen Alter und Jugend, dem neuen Wein und den alten Flaschen besser studieren denn in diesen Regionen. In Ägypten wird er in der alten Form sichtbar, daß die Bevormundeten vom Vormund die Freiheit verlangen; in Palästina rührt er von den Streitigkeiten zwischen zwei Zivilisationen her, die durch die Einwanderung aneinandergeraten. Über dem Knochengerüst des Judaismus ist der Zionismus erblüht, und wieder einmal haben sich viele Juden Zion zugewandt. Mit solchen Leuten habe ich im hiesigen Einwanderungslager (an der sandigen Küste von Jaffa und angesichts des Meeres) gesprochen; in Jerusalem, wo sie auf Beschäftigung warten, oder in irgend einem der vielen anderen Siedlungskomitees; in Zelten auf den Höhen Gilboas, wo sie Landstraßen anlegen und Brücken über den Jordan schlagen. Eines Nachmittags, als ich die Ebene Esdraelon durchstreifte, traf ich unweit der Stelle, wo Saul seinen letzten Kampf ausfocht und den Philistern unterlag, einen Landwagen und fuhr auf holpriger Straße ein oder zwei Meilen zu einem jener neuen jüdischen Lager in Nuris, auf den nördlichen Abhängen des Gilboa-Gebirges. Ich fand ihre Zelte gerade bei der Quelle, an der, wie es heißt, Gideon sein Heer aus den dreihundert Mann bildete, die „mit ihren Zungen von dem Wasser leckten, so wie der Hund leckt“. Obwohl fast alle auf dem Felde beschäftigt waren, hörte man doch in der Schmiede den Amboß klingen. In der Werkstatt des Zimmermanns waren Sägen und Hobel in Betrieb, und während ich durch eine offene Tür einen Zahntechniker bei der Arbeit beobachtete, vernahm ich aus der Küche das Klappern der Pfannen und Töpfe. Die Kommune besteht aus 150 Personen, die, als Mitglieder des palästinensischen, Arbeitskorps, 12 Monate lang beim Wegebau beschäftigt waren. Auf einer großen, teilweise sumpfigen und noch ganz unkultivierten Fläche zwischen der Eisenbahn und dem Berghang haben sie sich angesiedelt. Dort pflanzen sie 14 000 Eukalyptusbäume in 60 verschiedenen Arten an, 4000 Pinien, 500 Zypressen, 10 000 Ölbäume; außerdem legen sie Obstbäume, Weingärten, Tabakplantagen und Orangengärten an. Sie errichten Schonungen für Pflanzenzucht, besonders Baumschulen, graben den Boden um und bereiten ihn zum Anbau vor. Sie glauben, daß sie die Grundlagen für ein neues Zion schaffen. Die Ländereien gehören dem Jüdischen Nationalfonds und dürfen niemals in Privatbesitz übergehen. Verschiedene Körperschaften strecken die erforderlichen Kapitalien vor, während die Kommune die Arbeit leistet. Ihre meisten Mitglieder sind in diesem oder jenem Lande Sozialisten gewesen, und dann und wann sind sie der leeren Redereien über den „Klassenkampf“ und ähnliche Dinge müde geworden (das ist in Palästina keinesfalls eine Streitfrage). Den Bolschewismus lehnen sie ab; sie wollen etwas zustande bringen. Mit anderen Worten, hier findet man das dritte Buch Mosis und die Lehren der Propheten in Verbindung mit dem westlichen Sozialismus an der Arbeit, die jedoch nicht von Politikern und Revolutionären, sondern von Bekennern vollbracht wird. Manche haben gelächelt als ich sie fragte, ob sie zuerst eine Synagoge und dann eine Schule errichten wollen; aber als ich an der Quelle saß, wo Christus mit der Samariterin sprach, mußte ich an sie denken. Selbstverständlich entstehen da- T?auThallmaier München %ßatinev&rAÖ. T&in&^jlasGr Oxyr^ollanß.