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Das jüdische Echo · 1922-04-14 · 15 (14.4.1922) · p. Seite 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
15 (14.4.1922)
Date
1922-04-14
Page
Seite 195 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische.Echo 195 Der Beginn ist zumeist beim Straßenbau, bei der Entwässerung und Trockenlegung von Sümpfen, beim Hausbau, vielen Formen der Bauarbeit, die mit einer Gesamtbezeichnung „Schwarzarbeit“, „tschornaja robota“ genannt wird — aus guten Gründen. Die schwere Arbeit des Steinklopfens, des Mauerns und Bauens im Sonnenbrand, des bis an die Knie im Sumpf-Stehenmüssens entspricht nicht den Wünschen, aber auchnicht den physischen Bedingungen der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen. Es sind Notstandsarbeiten — sie fallen, soweit es sich um den Straßenbau handelt, nicht dem Säckel der zionistischen Kommission zur Last; die englische Regierung teilt sie aus. Man drapiert wohl diese Not mit der Formel: alle Arbeiten im Lande, die letzte, schwerste, schwärzeste, so gut wie die hellste, freudigste, müsse von den Unseren geleistet werden. Keine dürfe abgelehnt werden. Nur so könne das Land restlos erobert werden. Aber es ist immerhin die bare Not, die auf den heißen Straßen die Jungen und Mädchen ihren Hammer führen läßt. (In Tel-Awiw sah ich einen Studenten der Chemie, der drei mit Sandsäcken beladene Kamele trieb; fröhlich pfiff der Chaluz hinter seinen Kamelen drein; es war weiße Arbeit.) In mancher dieser Schwarzarbeitergruppen verbrachte ich denkwürdige Stunden. An der Straße Haifa—Jemma liegt eine, nach ihrem bulgarischen Führer benannte, im ganzen Land bekannte Gruppe. In ihr — etwa vierzig junge Männer, drei, vier junge Frauen arbeiten da beisammen, — sind viele Nationen Europas, alle Parteien der palästinensischen Arbeiterschaft vertreten. Die Gruppe zieht seit Jahren herum, baut einmal in Galiläa, dann irgendwo im Süden Straßen und Häuser — die Leute scheinen an dieser Art Arbeit, an der freien Ungebundenheit des Umherziehens Gefallen gefunden zu haben. So wollten einige, mit denen ich eingehend sprach, von der sonst so innig begehrten Seßhaftigkeit auf Grund und Boden nichts wissen. Lieber von Kwisch zu Kwisch! Sie verdienten an die vierzig Piaster täglich, eine große Summe, auch für palästinensische Begriffe. Für Nahrung und Unterkunft, sowie für sonstige Sporteln mußten sie allerdings täglich etwa 20 Piaster an die Organisation abführen; aber es ließ sich leben in der Gruppe. Manche hatten bandagierte Hände, andere litten unter der Malaria, aber — es war Samstag — man aß gut, hatte sogar den süßen Wein Rischon le-Zions auf den Tischen stehen, unterhielt sich und sang, ehe man zum Fußballspiel hinunter an den Strand ging. Ich traf da auf Genossen, die mir manches Wissenswerte über die Struktur der Arbeit und des Zusammenlebens der Gruppe zu erzählen wußten. (Auf meiner ganzen Reise durch Palästina wurde ich durch meine vorjährige Reise nach Sowjetrußland arg beeinträchtigt; ich mußte mehr berichten, als mir berichtet wurde.) Ende des Jahres sollte die Kwischarbeit aufhören, daun hoffte die Gruppe bei dem Häuserbau in Tiberias oder Jerusalem Verwendung zu finden. Wenn die Kommission bis dahin Geld für diese Bauten haben wird- Auch eine andere, nicht minder mutige und frische Gruppe besuchte ich, an einem Sabbath- Vorabend, am anderen Ende Palästinas, in Bersheba. Sie baute dort die Friedhofsmauer um die Gräber englischer Soldaten. (Bei Bersheba hat Allenby die entscheidende Schlacht gewonnen.) Auch diese jungen Leute schienen mit ihrem Leben einverstanden zu sein und ihre Arbeit zu neben. Zwar war die Mauer bald beendet und man wußte nicht, wohin die nächste Arbeit die ganze Gruppe mitsamt ihren Zelten verschlagen werde, ob man beisammen bleiben oder jeder nach einer anderen Richtung gehen werde, aber der Vorä'bend war gekommen, man aß, trank (Tee diesmal), rauchte und ließ sich einen Vortrag über Sowjetrußland halten. Einer von den Fröhlichsten saß plötzlich neben mir und sagte: „Können Sie uns sagen, was aus uns werden soll? Wir wissen es nicht. Werden wir Arbeit bekommen oder wird man uns verhungern lassen?“ Drüben sang man. Es klang schön im Zelt beim Friedhof. „Eines nur wissen wir, jeder von uns — wir bleiben im Land. Keiner denkt daran, zurückzugehen. Mag kommen, was will.“ Es war in Bersheba. Der Indian Von David R o t h b 1 u m. Es war ungefähr zwei, drei Tage nach Purim, als Schmul Blitz, seines Zeichens ein Schneider, mit dem Begleitessen zu Ehren der Prinzessin Sabbat beschäftigt war. Neben Schmul zur Rechten saß seine Frau und zur Linken seine beiden Sprößlinge, ein fünfzehnjähriger Sohn, der schon tüchtig im Schneidern mithalf und ein siebenjähriger, der noch das Cheder besuchte. Schmul richtete Barchesschnitten, legte auf jedes Stück eine Portion Hering und verteilte so die Gaben an seine Beisitzer. Als die Reihe an den kleinen Jossl kam, schnitt er ein Gesicht, als Zeichen eines Protestes, daß seine Portion umso viel kleiner sei, als die seines Bruders. Als ihm der Vater aber einen zornigen Blick zuschleuderte, glättete der Sohn seine Gesichtszüge, nahm mit Resignation den ihm zugedachten Teil, schwieg und aß. Hierauf leckte Schmul das Fett des Herings von seinen Fingern, nahm das Gebetbuch zur Hand und begann unter dem Gesehnalze seiner beiden Söhne, das der Vorzüglichkeit des Herings gewidmet war, das „Eliahu“-Gebet mit all seinen Variationen und Kombinationen laut zu rezitieren. Er war noch gar nicht weit in seinem Gebete, als er durch eine merkwürdige Frage seines Sohnes, die ihm auf Gott weiß was für einem Wege eingefallen war, unterbrochen wurde. DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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