Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 15 (14.4.1922)
- Date
- 1922-04-14
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 193 Schichten aufgedeckt Die türkischen Häuser waren von unsolidem Charakter, aber darunter fand man Ruinen von Kirchen mit prachtvoll gezeichneten Mosaiken und schönen Bronzen, so auch das Prachtstück eines byzantinischen Kirchenleuchters, Töpfereien und andere Gegenstände. Diese Kirchen sind aus der Zeit der Kreuzfahrer, wie auch der gewaltige byzantinische Torbau, 800 Jahre alt, und mehr. Gerade jetzt ist die arabische Schicht angegriffen worden, und dann folgt die des römischen und griechischen Zeitalters. Bei, den Griechen hieß Betshar Skythopolis (wegen einer skythischen Niederlassung zur Zeit des Königs Josias 639 bis 609 v. Chr.); Skythopolis blühte in der Zeit Alexander des Großen > es besaß Theater und Arena für Pferderennen, interessante Viadukte und viele Kunstbauten. Aus der Bibelzeit Betshares hofft man in der israelitischen und vorhergehenden Schicht Spuren der Josua so gefährlichen antiken Tanks (Streitwagen) zu finden und den Tempel der Ashtaroth, wohin die Philister den kopflosen Körper des Königs Saul gebracht und dann auf der Stadtmauer ausgestellt hatten. Salomo eroberte Betshar und verwandelte die Tempel des Baal und der Ashtaroth in jüdische Gotteshäuser. Vorher war Betshar unter der ägyptischen Herrschaft gewesen. Bereits haben die Ausgräber einen gewaltigen Granitblock mit Kartusche eines Pharao gefunden, auf den man gerade da stieß, wo die griechische Schicht begann. Ein alter Theaterbau, El Akud genannt, steht in der Nähe des genannten byzantinischen Festungstores, zahlreiche Trümmer von Säulen usw. sind in umliegenden Dörfern eingebaut. Die Ausgrabungen sollen noch zwei Jahre dauern. W. M. Ritualmord-Psychose in Polen Warschau. (J. C. B.-Dienst.) Obwohl verschiedene in der letzten Zeit in mehreren Städten Polens aufgetauchte Ritualmordgerüchte sofort entlarvt wurden, hat sich die Ritualmordpsychose in den breiten Bevölkerungskreisen Polens angesichts der bevorstehenden Passahtage nicht vermindert. Täglich hört man von neuen Ritualmordgerüchten in den verschiedensten Orten. Der kleinste Vorfall genügt, die aufgeregten Massen gegen die jüdische Bevölkerung aufzuhetzen. Nur dank dem ruhigen Gleichgewicht innerhalb der jüdischen Bevölkerung ist die Hetzpropaganda bis jetzt ohne Opfer verlaufen. Schreckliche Lage der jüdischen Kolonien in Rußland Moskau. (J. C. B.) Der „Emes“ veröffentlicht haarsträubende Tatsachen über die Lage der jüdischen Kolonien in Südrußland. Infolge Mangels an Leuten für die Bestattung der Toten werden spezielle Begräbni'stage veranstaltet, an denen die gesamte noch überlebende Bevölkerung zur Bestattung der Toten verhalten wird. Die nahe Zukunft erfülle jeden mit Schrecken. Ein neuer FLüchtlingsstrom Lemberg. (J. C. B.) Aus dem Grenzgebiete f treffen Meldungen ein, daß sich neue Ströme jüdi-' scher Heimatloser aus dem tiefen Rußland und aus der Ukraine der polnischen Grenze nähern. Die Lage der Heimatlosen ist eine verzweifelte. Sie leiden furchtbar an Hunger und Epidemien. Die polnische Regierung hat strenge Maß rege'n getroffen, die verhindern sollen, daß die Flüchtlinge die polnische Grenze überschreiten. Der ermordete Nabokow In einer der letzten Nummern des Berliner russischen Organs „Rul“ teilt der jüdische Advokat Oskar Grusenberg einige Erinnerungen an den während des Vortrages Miljukows ermordeten Redakteur Nabokow und seine Rolle während des Beilis-Prozesses mit. Wie bekannt, gehörte Nabokow zu den größten Vorkämpfern für die Unschuld Beilis. Während des Prozesses war Nabokow stets bemüht, dem Hauptverteidiger des Beilis, Advokaten Grusenberg, Mut einzuflößen und einen guten Ausgang des Prozesses vorauszusagen. Der Prozeß machte auf Nabokow einen geradezu erschütternden Eindruck, den er in seinen glänzenden Berichten über den Prozeß in der „Rjetsch“ zum Ausdruck brachte. Die deutschen Chaluzim Der „Rund zionistischer Praktikanten“ übermittelt uns Hegende Daten, die einen Überblick darüber geben, in welcher Anzahl junge deutsche Zionisten heute sich in Deutschland landwirtschaftlich auf Palästina vorbereiten und wie die bereits nach Palästina gegangenen deutschen Chaluzim dort beschäftigt sind. Der Bericht lautet: Wir haben im ganzen 229 Praktikanten, davon in Deutschland 165, in Palästina 64. Dentist ANTON KOBLER München, Baaderstr. 23/1