Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 15 (14.4.1922)
- Date
- 1922-04-14
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Das Jüdische Echo Nr. 15 Aus der jüdischen Welt Die Ratifizierung des Palästina~Mandats Die „Wiener Modenzeitung“ erfährt, daß in der jüngsten Zeit in Amerika eine Aktion einsetzte, um die amerikanische Regierung zu veranlassen, durch ihren Einfluß die Beschleunigung der Ratifizierung des Palästina-Mandats herbeizuführen. Über einen einhelligen Beschluß der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Massachusetts in dieser Richtung wurde kürzlich berichtet Zu den wichtigsten politischen Ereignissen in dieser Beziehung während der letzten Wochen gehört jedoch eine Erklärung, die der Führer der republikanischen Partei und derzeit Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten im Senat, Senator Lodge. abgegeben hat. Senator Lodge versicherte der zionistischen Delegation, daß er bereit sei, seinen ganzen Einfluß bei der amerikanischen Regierung aufzuwenden, um die endgültige Gestaltung Palästinas zum jüdischen Nationalheim so rasch als möglich herbeizuführen. Auch andere einflußreiche Männer des öffentlichen politischen Lebens der Vereinigten Staaten haben ihrer Sympathie für die zionistischen Ziele Ausdruck gegeben. Der Vizepräsident der amerikanischen Republik Coolidge sprach seine völlige Wertschätzung der zionistischen Aspirationen aus, während der Herausgeber des „Independent“ und Präsident des Wilson-Fonds, Hamilton Holt, sich dahin äußerte, daß die Ratifizierung der Balfour-Deklaration und die unverzügliche Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Heiligen Lande nicht nur für das jüdische Volk, sondern für jeden, dem Ordnung und Gesetzmäßigkeit am Herzen liegt, von allerhöchster Wichtigkeit sei. In ähnlichem Sinne haben sich andere politische Persönlichkeiten ausgesprochen und die führenden amerikanischen Blätter in Leitaufsätzen geschrieben. Nicht unerwähnt sei, daß selbst einer der Führer des amerikanischen Reformjudentums, Rabbi Josef Silverman, der vor noch nicht allzulanger Zeit ein heftiger Antizionist war, nunmehr öffentlich und auch in seinen Kanzelreden warme Worte für die Erledigung des Palästina- Mandats findet. Dieser allgemeinen amerilkanL sehen Stimmung wird die in einer der letzten Konferenzen gefaßte Resolution der zionistischen Organisation von Amerika gerecht, in welcher die rascheste Ratifizierung des Mandats gefordert wird. gegenüber der alten JJkademie Die Frage eines österreichischen Konsuls für Palästina Wien. (J. C. B.) Vor kurzem meldeten wir, die österreichische Regierung habe die Ernennung eines Juden zum österreichischen Konsul in Palästina beschlossen. Wie wir nachträglich erfahren, ist dieser Beschluß vorläufig nicht zur Ausführung gekommen. Im letzten Moment wurde die österreichische zionistische Organisation um ihre Zustimmung für den vorgeschlagenen Kandidaten ersucht. Die Organisation erwiderte hierauf, der Kandidat sei, ihr nicht genügend bekannt, um ihn empfehlen zu können. Daraufhin hat die österreichische Regierung die Ernennung eines Konsuls für Palästina verschoben. In eingeweihten Kreisen wird jedoch angenommen, die zionistische Organisation Österreichs werde von der Regierung direkt ersucht werden, von sich aus einen Kandidaten namhaft zu machen. Eine Millionen-Stiftung für Palästina-Zwecke Lon dio n. (J. C. B.) Der jüngst verstorbene jüdische Großkaufmann in Hongkong (China), Sir Ellis Kadoorie, hinterliieß ein Barvermögen von 1 117 352 Dollar, außerdem verschiedenen Grundbesitz in anderen Weltteilen. Nach seinem Testament soll sein Vermögen gleichmäßig in drei Teile geteilt werden. Den einen Teil vermachte er der englischen Regierung mit der Bestimmung, daß aus ihm ein Fonds geschaffen werden soll zwecks Schulbau in Palästina. Den zweiten Teil erbt sein Bruder in Shanghai. Den dritten Teil soll die Anglo-Jewish-Association für ihre Zwecke überwiesen erhalten. Die Ausgrabungen zu Beisar in Palästina. Die Ausgrabungstätigkeit zu Beisar (Betshar) in Zentral-Palästina, welche die Pennsylvania- Universität seit Sommer 1921 ins Werk genommen hat, schreitet rüstig vorwärts, hat schon bedeutende Resultate erzielt und läßt noch bedeutendere erhoffen. Die Reste von mindestens elf aufeinanderfolgenden Städteschichten sollen freigelegt werden; die Bibelforscher hoffen, daß Reste aus der Zeit Josuas und Sauls gefunden werden. Betshar ist wahrscheinlich eine der ältesten Städtegründungen der Welt, und keine existiert wohl, um die mehr Schlachten geschlagen wurden. Die Stätte war eine von der Natur best befestigte und zugleich von großer strategischer Wichtigkeit. Kein Herrscher Palästinas fühlte sich ohne den Besitz von Betshar gesichert. Heutzutage kann Betshar mit der Eisenbahn erreicht werden: es liegt gerade südlich von der Spur, wo die von Haifa ostsüdlich kommende Linie scharf nach Norden gegen den See Genezaret biegt. Der Burghügel, der unter dem Namen Tell-el-Husa bekannt ist, liegt fast hundert Meter unter der Meereshöhe und ungefähr ebensoviel über dem wenig entfernten Jordantal. Über 60 m hoch erheben sich steil die Schuttmassen, die von Türken, Kreuzfahrern, Arabern, Römern, Griechen, Babyloniern, Assyrern, Israeliten, Ägyptern, Amonitern und vorgeschichtlicher Bevölkerung herrühren. Man nimmt an, daß Nomaden aus dem Zweiströmeland 6000 bis 8000 Jahre v. Chr. zuerst die Stätte besiedelt haben. Seit dieser Zeit hat ein Eroberer dem anderen die Stadt weggenommen, und jeder eine neue Stadt auf der zerstörten vorhergehenden erbaut. Die jetzige Ausgrabung der Universität von Philadelphia unter Leitung des bekannten amerikanischen Archäologen Dr. Clarence S. Fischer, legt, wie wir dem „Manchester Guardian“ entnehmen, horizontal die Schichten bloß, so daß immer eine Stadt ans Licht tritt. Zuerst wurden die Türken- und Kreuzfahrer-