Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 14 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 181 Erfolge möglich als. mit einer fremden Macht. Es ist natürlich, daß das Bewußtsein der jüdischen Einheit in jenen Kreisen bei der Palästinafrage zuerst wach zu werden beginnt; unter dem allgemeinen Drucke der jüdischen Öffentlichkeit wie vielleicht auch einer nicht unbeträchtlichen inneren Opposition haben die Theoretiker der Aguda einen allmählichen Rückzug antreten müssen. Der erste Schritt dazu geschah, als der Israelit ausdrücklich darauf verzichtete, seine Minierarbeit unter den nicht orthodoxen Assimilanten fortzusetzen, soweit diese bereit waren, für den Keren Hajessod auch ihrerseits die notwendigen Mittel aufzubringen. Nunmehr scheint der Israelit es für angängig zu halten, einen Teil der bisher mit besonderem Nachdruck verfochtenen, allgemein als spezifisch der Aguda entstammenden Grundsätze preisgeben zu können, ln Nummer 13 dieses Blattes ist zu lesen: Die „Jüdische Presse“ unternimmt.... den Versuch, aus der Forderung der Aguda nach gleichberechtigter Mitwirkung an der Jewish Agency Kapital für die misrachistische Theorie zu schlagen. Wir fühlen uns demgegenüber verpflichtet, in aller Offenheit zu erklären, daß die Bereitschaft zu einer eventuellen Teilnahme an einer von der Mandatarmacht geschaffenen Gutachterbehörde für Agudas Isroel in der Tat ein in schweren inneren Kämpfen abgerungenes Zugeständnis (nicht von uns gesperrt gedruckt) bedeutet, zu dem die Leitung sich ohne die halachische Entscheidung des obersten rabbinischen Rates niemals für berechtigt gehalten haben würde. Diese religiöse Entscheidung ist.nach gründlichen Erörterungen vorigen Jahres in aller Form und mit allem heute nicht zur Erörterung stehenden Einzelheiten erfolgt. Sie trägt unter anderem die Unterschriften von R. Sonnfeld und R. Diskin und wird, wenn einmal die Zeit zu ihrer Veröffentlichung kommen sollte, Zeugnis ablegen für die Zionsliebe der Männer. Wenn der Israelit sich auch im weiteren Verlauf des gleichen Artikels bemüht, seine alte antizionistische Stellung aufrecht zu erhalten, wobei er sich besonders gegen den Misrachi wendet, so ergibt sich doch aus den angeführten Zeilen, daß auch in dieser Hochburg des Trennungsgedankens sich gewisse Konzessionen an die Klasidee nicht mehr umgehen lassen und zwar in einer Weise, wie sie eigentlich dort nicht zu vermuten war. Die Halacha scheint uns unveränderlich zu sein und die Agudas Isroel trifft der schwere Vorwurf, warum sie diese Frage nicht schon früher den ihr maßgebenden rabbinischen Autoritäten vorgelegt haben. Sie hätte doch schon lange ihre positive Antwort erhalten können, noch zu einer Zeit, da sie den Plan einer jüdischen Heimstätte lebhaft bekämpfte. Dies spielt heute neben anderen gewichtigen Gründen noch insofern eine Rolle, als die nunmehrige Bereitschaft zur Teilnahme ihr schwerlich die Möglichkeit dazu verschaffen wird. Durch das Geständnis aber, daß ein Zusammengehen in der I. A. als ein Zugeständnis betrachtet wird, dürfte vielen Anhängern der Aguda die Augen darüber aufgehen, welcher falschen. Führung sie sich bis jetzt anvertraut haben, denn wenn bisher jener Trennungsstandpunkt als eine religiöse Pflicht bezeichnet wird, so können wir nicht verstehen, daß auch gerade auf einem solchen Gebiete Konzessionen möglich sind. Zu mindestens hat die jüdische Öffentlichkeit ein Recht zu erfahren, in welcher Form jene halachische Entscheidung vor sich gegangen ist. Die Dokumente darüber zu publizieren und nicht zurückzuhalten, wäre an und für sich schon eine Pflicht, wenn der „Israelit“ sich von dem fatalen Beigeschmack befreien will, der mit einem Zugeständnis auf religiösem Gebiete verbunden ist. Jedenfalls beginnt es auch in diesen Reihen zu dämmern und wenn sich auch nicht die aufgetauchten Spaltungsgerüchte bestätigen würden, so sind sie doch ein Zeichen dafür, daß auch in der Aguda das Gefühl besonderer Verantwortung für die Gesamtheit stärker in den Vordergrund tritt als bisher. Zweifellos bereitet sich innerhalb dieser Organisation eine umfassende Klärung vor; ob sie zu einer Neuorientierung führen wird, hängt davon ab, wie weit sich die einer absoluten Trennung wenig geneigte Opposition durchsetzt. Das Ergebnis muß abgewartet werden und es bleibt zu hoffen, daß dann sich vielleicht doch Wege finden werden, die jüdische Einheitsfrage auf alle Glieder auszudehnen. Heute, mitten in der Wandlung, ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen. Jeder Freund der jüdischen- Einheit wünscht ihn nahe heran. Die Aguda hat wiederdas Wort. —-m—. Aus der jüdischen Welt Empfang Weizmanns bei Millerand Die „Jüdische Rundschau“ meldet aus London: „Das Zentralbureau der Zionistischen Organisation meldet, daß der Präsident der französischen Republik, Millerand, am Dienstag, den 21. März, Dr. Weizmann empfangen hat. An der Audienz nahm der Vertreter der französischen Zionisten, Dr. Bernard, teil. Millerand bestätigte von neuem, daß die französische Regierung eine günstige Hai-