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Das jüdische Echo · 1922-04-07 · 14 (7.4.1922) · p. Seite 182

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
14 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 Das Jüdische Echo Nr. 14 tung gegenüber dein jüdischen Nationalheim einnehme. Er wünsehte Erklärungen über die Haltung der Zionisten gegenüber den heiligen Stätten. Dr. Weizmann gab die feierliche Erklärung ab, daß die Zionisten keinen anderen Wunsch hätten, als die Frage der Entscheidung der Mächte zu überlassen. Die Zionisten würden glücklich sein., zu einer Erledigung dieser Frage nach ihren Kräften beitragen zu können. Millerand erklärte, daß er eine Teilnahme der französischen Judenschaft am Aufbau Palästinas begünstigen werde.“ Diese neueste Erklärung der französischen Regierung, die ausdrücklich das Einverständnis Frankreichs mit der von England betriebenen Palästinapolitik feststellt, erscheint uns sehr bemerkenswert, da hierdurch eine grundsätzliche Übereinstimmung der beiden am Orient stärkstinteressierten europäischen Großmächte für die nächste Zeit zu erwarten ist. Es ist bekannt, daß in Frankreich, auch in Regierungskreisen, Kräfte am Werk waren, die gegenüber den zionistischen Siedelungsbestrebungen in Palästina eine recht ablehnende Stellung einnahmen und daß es eine zeitlang schien, als ob diese Auffassung sich bei den maßgebenden offiziellen Regierungsstellen durchsetzen würde; daß es nunmehr gelungen ist, eine eindeutige günstige Haltung der französischen Regierung herbeizuführen, ist ein Verdienst Sokolows und Weizmanns. Die Träger der antijüdischen Tendenzen Frankreichs rekrutierten sich vornehmlich aus dem Klerus, der vor allem die öffentliche Meinung mit einer angeblichen Bedrohung der heiligen Stätten Palästinas durch den Zionismus zu erregen versucht hat. Es ist schon oft in der jüdischen Presse betont worden* daß das jüdische Volk in Palästina selbstverständlich die religiösen Gefühle Andersgläubiger nicht zu verletzen beabsichtigt, und auch in dieser Richtung scheint Herr Professor Weizmann eine befriedigende Erklärung abgegeben zu haben. ln diesem Zusammenhang möchten wir erwähnen, daß Dr. Weizmann anläßlich seines letzten Aufenthaltes in Berlin, wo er an der Sitzung des Aktionskomitees teilnahm, im Hause von Prof. Einstein Gelegenheit hatte, sich mit dem deutschen Außenminister Dr. Walter Rathenau über die wirtschaftlichen Probleme des Palästina- Aufbaues zu unterhalten. Jewish Chronicle meldet unter dem 22. März aus Jerusalem, daß der Oberkommissar Sir Herbert Samuel nach längerer Krankheit seine amtliche Tätigkeit wieder aufgenommen hat. Versöhnung zwischen Ärabern und Juden In Petach-Tikwah, im Hause des jüdischen Kolonisten Shapira, fand eine Versöhnungszeremonie zwischen den jüdischen Kolonisten und den Bewohnern des Nachbardorfes Villago Yahidiya statt. Letztere hatten in den Maiunruhen 1920 einen bewaffneten Überfall gegen die Kolonie unternommen, bei dessen Abwehr vier Kolonistensöhne umkamen. Der arabische Scheich wurde später zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nunmehr ist es gelungen;, zwischen den beiden Dörfern wieder ein friedliches Verhältnis herzustellen, das in der erwähnten Feier von beiden Seiten ausdrücklich bekräftigt wurde. Die Regierung sandte aus diesem Anlaß ein Glückwunschtelegramm nach Petach-Tikwah. Jüdische Presse in Deutschland Das Hamburger Israelitische Familienblatt bringt von dieser Woche ab eine Beilage: Mitteilungen des Keren Haiessod, der Palästina- Aufbau. Da diese Zeitung zu den verbreitesten jüdischen Blättern in Deutschland gehört, so ist damit ein wesentlicher Schritt zur Gewinnung des deutschen Judentums für den Palästina-Aufbau getan. Der Zentralverein wandelt seine Zeitschrift im Deutschen Reich zu einer Wochenschrift um. Außerdem beabsichtigt er eine „Revue großen Stils mit wissenschaftlichem Charakter“ herattszugeben- Nochmals Herr Hittier Nürnberg, 1. 4. 1922. Der „Fränkische Kurier“ läßt sich aus München melden: „Bekanntlich hat der Minister des Innern Dr. Schweyer in einem Ausschuß des Landtages vor einiger Zeit mitgeteilt, daß die Ausweisung des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler aus München erwogen wurde. Hitler ist kürzlich wegen Landfriedensbruch (Störung einer Versammlung) zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nunmehr verlautet, daß Hitler nicht ausgewiesen werden soll, was damit begründet wird, daß auch Kommunisten, die wegen ähnlicher Reate verurteilt wurden, nicht ausgewiesen würden.“ Die Weisheit der bayerischen Regierung hat es also wieder einmal gewollt, daß in der süddeutschen „Ordnungszelle“ berufsmäßigen Hetzern, die in aller Öffentlichkeit zu Gewalttaten aufgereizt haben, mit größtmöglichster Schonung entgegengekommen wird. Kommunisten, die wegen „ähnlichen Reate“ dabei der bayerischen Justiz in die Arme fielen, wurden schon mit härteren Strafen als Herr Hitler, Führer der bayerischen Nationalsozialen, bedacht. Schon aus diesem Grunde hinkt der Vergleich zwischen diesem Herrn und den Linksumstürzlern; Auch in anderer Beziehung, vor allem der Ausweisungsfrage, hätte nicht an die Kommunisten erinnert werden dürfen; denn bei der Einnahme Münchens in der Rätezeit und auch noch in späteren Tagen verstanden die Organe der bayerischen Regierung sich der gefährlichsten Revolutionäre auf noch viel nachdrücklichere Weise zu entledigen, als mit Ausweisung. Dieses letztere Schicksal hätte also Herrn Hitler ruhig widerfahren dürfen, ohne daß er damit mit Kommunisten auf die gleiche Stufe gestellt worden wäre. Herbert Samuel kommt nach London Konferenzen mit der Regierung London. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Es wird gemeldet, daß sich Sir Herbert Samuel, der britische Oberkommissär für Palästina, im Laufe des nächsten Monats nach London begeben wird, um mit der britischen Regierung über die schwebenden Fragen der Politik in Palästina zu beraten. Seine Rückkehr wird für den Juni erwartet. Die Ratifizierung des Palästina-Mandats abermals verschoben London. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Da die Session des Völkerbundrates mit Rücksicht auf die bevorstehende Konferenz von Genua bereits in der ersten Hälfte des Monats April stattfinden soll, wird die Frage der Mandate aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf die Tagesordnung der Verhandlungen gesetzt werden. Die Unmöglichkeit der Erörterung der Mandatsfragen ergibt sich schon aus dem Umstande, daß eine Zustimmung der Vereinigten Staaten zu einer gesonderten Behandlung des englischen Palästina-Mandats, um welche man sich in letzter Zeit von zionistischer Seite bemüht hat, in so kurzer Zeit nicht zu erlangen sein wird.

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