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Das jüdische Echo · 1922-03-31 · 13 (31.3.1922) · p. Seite 168

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
13 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 Das Jüdische Echo Nr. 13 Die Versammlung: gröhlte, brüllte, jauchzte Beifall. — Sie war sehr einverstanden damit, daß jüdische Redner nicht zur Diskussion zugelassen wurden, sich nicht verteidigen durften, daß ich, der es verlangte, auf die roheste Weise, mißhandelt und aus dem Saal gezerrt wurde. Der Redner freilich, der erklärt hatte, er werde den Saal verlassen, wenn ein Jude spräche, hatte mit Empörung darauf hingewiesen, daß man Antisemiten häufig in der Diskussion nicht sprechen ließe und solches Verhalten als Feigheit bezeichnet und den Juden zur Last gelegt. Als er jetzt den widerwärtigen Vorgang der Mißhandlung eines Einzelnen durch Viele beobachtete, erklärte er triumphierend: „So soll es allen Juden gehen,“ und die Versammlung johlte wiederum vor Freude. Die. Neustädter Juden aber sind tief gekränkt und völlig ratlos. Sie haben in Wahrheit ihre Heimat, ihre Freunde, diese ganze ihnen vertraute Umgebung verloren. Wie, diese Menschen, die ihnen lieb und vertraut waren, glauben den plumpesten, verlogensten Verleumdungen irgend eines hergelaufenen Hetzers, oder tun doch so, als ob sie ihnen glaubten? In dieser Stadt, in der man den Juden nichts vorzuwerfen hat, wo man Juden von Jugend auf als rechtliche Menschen kennen lernte, genügen so offenkundige Lügen und Verleumdungen, um die niedrigsten Instinkte zu wecken und gegen die Juden zu richten? Man wende nicht ein, daß es unter den 600 Versammlungsbesuchern eine Anzahl gab, die Lügen als Lügen erkannten und über die Übertreibung lachten. Die Mehrzahl reagierte ganz anders, und eine weitere eifrige Bearbeitung, wie sie der Redner ankündigte, wird das ihrige tun. Dagegen werden keine jüdischen Erklärungen und Beteuerungen schützen, dagegen wird nicht einmal die Erkenntnis von der menschlichen Minderwertigkeit des Streicher helfen, die, hoffen wirs, mit der Zeit vielleicht doch manchem dämmern könnte. Immerhin wäre es lohnend, nachzuprüfen, im Dienste welcher Interessenten der Mann und seine Auftraggeber stehen und von wem sie Geld erhalten. Scheint doch der Inhalt seiner Rede, die Hetze gegen „Berlin“, das alte Regime, die Hohenzollern, die deutsche Republik, die versöhnliche Haltung Frankreich gegenüber — den Franzosenhaß bezeichnete er als Judenmache —, darauf hinzudeuten, daß die vermutete Verbindung zwischen gewissen bayerischantisemitischen Gruppen und Frankreich und Ungarn tatsächlich vorhanden ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Hetze weitschauenden reichsfeindlichen Plänen im Solde des Auslandes dient. A/e uh ci us ers/r. 15, gegenüber der alten Ukcdemie Selbst wenn solche Entlarvung glücken würde, wäre für die Neustädter und die Bauern der Umgegend nichts bewiesen, „Gut, der Streicher ist ein Schuft,“ würde man denken, „aber die Juden sind es auch.“ Den Juden in den kleinen Städten, die antisemitischen Angriffen gegenüber exponierter sind, als die jüdische Bevölkerung der Großstadt, bleibt in dieser Lage nichts übrig, als der Versuch zur Erkenntnis der eigenen Situation, als die innerliche, geistige, seelische Wappnung gegen die Anwürfe des Antisemitismus. Wenn sie den Zusammenhang mit der jüdischen Welt suchen und finden, wenn sie teilnehmen an den Arbeiten und großen Leistungen der jüdischen Gegenwart, wenn sie sich einstellen in die jüdische Gemeinschaft, die zu neuem Leben erwacht, dann werden sie die Angriffe des Antisemitismus vielleicht ärgern, vielleicht hier und da schädigen, aber nie im Innersten treffen können. An Stelle zerstörter Verbundenheiten werden sie neue, größere, schönere und vielleicht für ihr Menschentum wertvollere finden. Karl Glaser. Pogromhetze in München M ü n c h e n . 23. März. Bei einer Münchener deutschnationalen Versammlung wurde eine sehr wilde antisemitische Hetze getrieben, wie sie selbst bisher in Bayern noch nicht dagewesen ist. Mit dem Rufe „Ratlienau“ wurden die Versammlungsteilnehmer aufgepeitscht. Fortgesetzt wurden Rufe zu Gewalttaten gegen die Juden in München laut. Sogar zum Totschlägen des bayerischen Ministerpräsidenten wurde aufgefordert, weil er nach der Ansicht dieser Leute nichts gegen die Juden unternehme. Eine Anzahl der Versammlungsteilnehmer drohte, wenn der Nationalsozialistenführer H i 111 e r, ein Deutschösterreicher, dessen Ausweisung verfügt ist, wirklich ausgewiesen wird, mit einem Pogrom einzusetzen. Darin sieht die Münchner Polizeidirektion wohl keine „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“, die sie sonst von weitester Ferne ahnt?! Nimmt die antisemitische Agitation auch in den Städten wieder an Stärke zu? Man möchte es fast glauben, und in Zusammenhang bringen mit der wachsenden Teuerung, die allen Hetzversuchen einen guten Boden bereitet. Auch in Nürnberg fand neulich nach langer Pause wieder eine deutsch-völkische Versammlung statt. Die Sitzung des H.»C. in Berlin Zu Beginn der zweiten Sitzung, Donnerstag, den 16. März, 10 Uhr vorm., erstattete das Mitglied der Exekutive, Herr Lichtheim, das Referat über Immigration und Organisation. Herr Lichtheim berichtet über die Verlegung der Immigrations-Zentrale nach Palästina. Es ist eine Konferenz der Palästinaämter in Wien geplant, doch ist es schwer, im gegenwärtigen ungeklärten Stadium die praktischen Fragen definitiv zu regeln. Lichtheim erörtert die Haltung der palästinensischen Behörden, die sehr rigoros ist und berichtet über die Bemühungen der Exekutive, die Kontrolle der Zionististischen Organisation über die Einwanderung wieder herzustellen. Die Verhandlungen mit der englischen Regierung schweben noch, da die Regierung die Einwanderungsfrage nicht ohne Zusammenhang mit der Frage der Konstitution behandeln will. Redner schildert die Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung für die Chaluzim in Palästina, besonders wenn ungeeignete Einwanderer kommen, was nicht verhindert werden kann, solange das Zertifikatssystem nicht wieder eingeführt ist. Redner geht dann zur Besprechung organisatorischer Fragen über und erklärt die Notwendigkeit einer

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