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Das jüdische Echo · 1922-03-24 · 12 (24.3.1922) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
12 (24.3.1922)
Date
1922-03-24
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 12 Ferner nimmt der Präsident des Waad Leumi, Dr. J. Thon, als Gast an der Sitzung teil. Nachdem der Präsident des großen Aktions- Comites, Dr. Chajes, die Sitzung hebräisch eingeleitet hatte, wurde sofort in den ersten Punkt der Tagesordnung eingegangen, und zwar Bericht über die politische Lage. Das Referat Dr. Weizmanns, sowie die politische Debatte wurden für vertraulich erklärt. Dr. Weizmann berichtete zunächst über die Frage des Mandats und die Aussichten seiner baldigen Ratifizierung. Sodann erörterte er die Frage des Entwurfs einer Konstitution für Palästina und die Haltung, die die Exekutive dazu eingenommen hat. Er verbreitete sich hierbei auch über die Tätigkeit der arabischen Delegation in London und unsere Politik gegenüber den Arabern. Im weiteren Verlauf seines Berichtes ging Weizmann auf die Vorfälle ein, die in der letzten Zeit die zionistische Öffentlichkeit stark beschäftigt haben, insbesondere die Angriffe der Northcliffepresse, den Fall Stuart Samuel und die orthodoxe Delegation zu Lord Northcliffe in Palästina. Außer diesen Angriffen von außen mußte sich Dr. Weizmann auch mit den Angriffen von innen beschäftigen; er betonte, wie verderblich die zionistische Opposition, die von Paris und dem Haag ausging, auf die zionistische Atmosphäre gewirkt hat. Statt die Leitung in ihrer schwierigen Position zu stützen, sei von dieser Seite der Versuch gemacht worden, sie gerade im entscheidenden Augenblick zu schwächen. Trotz allen diesen Hindernissen, erklärt Dr. Weizmann, ist die politische Situation im allgemeinen als günstig zu bezeichnen, doch müßten Wege gefunden werden, um die Position des Zionismus zu stärken, gerade mit Rücksicht darauf, daß die Ratifizierung des Mandats bevorsteht, und sich dann besonders große Aufgaben für das jüdische Volk ergeben werden. Nach Weidmanns Referat hielt zunächst der Vorsitzende, Dr. Chajes, den kürzlich verstorbenen prominenten Persönlichkeiten der Bewegung, dem Arbeiterführer und Schriftsteller A. D. Gordon, dem Rabbiner Dr. Nobel und Rabbiner Dr. Margulies-Florenz einen Nachruf, den das Aktions-Comite stehend anhört. Sodann wird in die politische Debatte eingetreten. Als erste Redner spechen die Herren: Dr. Chajes, Dr. Reich, Twersky, Dr. Jacobson, Grünbaum. Ferner wird ein Brief des Herrn Adolf Böhm verlesen. Die Debatte dauert in den Abendstunden noch fort. Mg uhausers/r. 15, gegenüber der alten Mademie Jüdische Kulturprobleme in Palästina II. Kolonisation (Schluß.) Wir wollen wiederum von Tatsachen jüdischer Leistung in Palästina ausgehen. Man kann in Palästina drei Arten landwirtschaftlicher Kolonisierung unterscheiden: 1. Das System des Kolonisten, der hauptsächlich Pflanzer ist; 2. das des Getreide bauern; 3. das der genossenschaftlichen Arbeit, der K w u z a h. Uns interessiert hier nur, wie diese drei Gruppen national gewirkt haben und noch wirken, und wir werden hier zu überraschenden Ergebnissen kommen. Man hat den Kolonisten oft als landwirtschaftlichen Handelsmann bezeichnet, wobei das Hauptgewicht auf das Substantiv zu legen, sei. Er beschäftigt zum überwiegenden Teil arabische Arbeiter und gibt sich persönlich nur mit dem Vertrieb und dem Export der erzeugten Produkte ab. Die Wirtschaft ist für ihn halbwegs rentabel, wenn er arabische Arbeiter einstellt, da diese eine sehr geringe Entlohnung beanspruchen. Unrentabel aber wird sein Betrieb in dem Moment, wo er diese Arbeiter entläßt und jüdische Arbeiter beschäftigt. Denn diese verlangen einen bedeutend höheren Lohn, eine kürzere Arbeitszeit und außerdem hat man hier immer mit einem oft ziemlich hohen Prozentsatz von Kranken zu rechnen. — Nationale Arbeit wird aber von den Kolonisten nur in beschränktem Maße geleistet. An Stelle von nationalem Aufbau ist arabische Arbeit mit jüdischem Herrentum eingetreten. Hat sich jedoch erst einmal solch ein ,,Effendi“tum — gleichgültig, ob der Effendi Araber oder Jude ist — herausgebildet, so stellen sich die Folgen solchen Systems unausbleiblich ein. Das Verhältnis zu den Arabern wird dadurch bedingt und diktiert. Sie sinken zu Lohnsklaven herab, die oft auch vor dem Kriege — wie mir von durchaus glaubwürdiger Seite berichtet wird — mit der Peitsche angetrieben wurden. Daß dadurch das Aufbauwerk geschädigt und geschwächt wird, liegt klar auf der Hand; denn wir kommen nicht als Okkupatoren nach Togo, sondern als Siedler nach dem Heiligen Lande. Wir wollen selbst einen Teil dieses Landes bilden, mit ihm organisch verknüpft sein, müssen es also vor allen Dingen mit seiner — arabischen — Bevölkerung sein. Das Kolonistensystem entfernt uns, nationalkulturell gesehen, von diesem Ziel, da es Klüfte schafft und nicht Brücken baut. Auf der anderen Seite entfremdet aber auch dieses System den Juden dem Juden. Es drängt den jüdischen Arbeiter vom jüdischen Kolonisten weg, anstatt sie beide Seite an Seite zu stellen, sie einander zu verbinden; denn die jüdische Arbeit wird durch die arabische ersetzt. Wie kann also hier ein brüderlicher Aufbau erfolgen? Den zweiten Typ, den Getreidebauern, brauchen wir hier nur ganz kurz zu behandeln. Er bearbeitet zum größten Teil selbst eine Scholle, ist also nicht auf arabische Arbeit angewiesen und beschäftigt zudem oft noch jüdische Arbeiter, die der angeforderten Arbeit besser als die Fellachen entsprechen. In nationaler Beziehung ist der Getreidebauer also ein Plus. Auf einer national noch höheren Stufe steht die Kwuzah, die genossenschaftliche Arbeit und zwar vornehmlich aus einem Grunde. Sie führt ein intensives jüdisches Zusammenarbeiten zum gemeinsamen Aufbau herbei, ja bedient sich sogar als

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