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Das jüdische Echo · 1922-03-17 · 11 (17.3.1922) · p. Seite 145

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
11 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 145 Die Aufgabe des jüdischen Arbeiters in Palästina Die Ansprache des Sozialistenführers Ramsay Macdonald Jerusalem. (Bericht des J. C. B.) Am 25. Februar verließen Macdonald und. Morgan, die beiden Mitglieder des englischen Parlaments, welche zum Studium der politischen Lage mehrere Wochen im Lande verbracht hatten, Palästina. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Organisation der jüdischen Arbeiterschaft einen Abschiedsabend, bei welchem Macdonald in bedeutsamer Rede seine Eindrücke zusammenfaßte. Er führte aus: „Ich sah die jüdischen Arbeiter hinter dem Pfluge, ich sah sie Eisenbahnen und Straßen bauen. Die Erinnerungen an die Zeit Nehemias traten mir auf, aber diesmal gilt es nicht geborstene Mauern aufzubauen, sondern die Freiheit eines Volkes, und nicht nur das. Wenn euch euer Werk gelingt, bringt ihr ein Licht der ganzen Welt und so wie man einmal nach Palästina gegangen ist um geistiger Inspirationen willen, so wird man zu euch kommen, um ökonomische und politische Erleuchtung zu erhalten. Ich bin nicht sicher, ob ihr selbst die großen Möglichkeiten übersehet, die vor euch liegen. Ihr schreitet daran, Probleme zu lösen, welche die ganze Welt beschäftigen. Für eure Arbeit ist heute in der Presse kaum ein Winkelchen frei, Aber der Tag wird kommen, wo die Arbeiterschaft der ganzen Welt euch Dank sagen wird. Ich und mein Freund Morgan tragen nicht nur Erinnerungen von hier, sondern auch eine große Hoffnung. Es ist hier von dem Erfolg der Arbeiterpartei bei den Neuwahlen in Manchester gesprochen worden. Nicht so sehr der Erfolg dieser Wahl und der Wahl in London ist ermutigend, sondern die Umstände, unter denen diese Wahlsiege erfochten wurden. London hat die große, graue, gestaltlose Masse ohne öffentliche Meinung und die Arbeiterpartei konnte dort niemals festen Fuß fassen. Wenn nun London und Manchester mit der Arbeiterpartei gehen, dann bleibt im Lande bald nichts mehr übrig. Im nächsten Parlament wird die Arbeiterpartei eine starke Macht sein. Und dann wird sie auch in der großen internationalen Bewegung ihre Rolle spielen. Der englische Arbeiter ist ein Inselbewohner, dessen Gesichtskreis bisher beschränkt war. Eine starke britische Arbeiterpartei wird aber ihre Rolle in der Internationale erfüllen. Der gegenwärtigen Spaltung muß ein Ende gemacht werden. Wir sind mit der Zweiten Internationale assoziiert. Ich bin mit ihr nicht zufrieden, aber ich fühle, daß es meine Pflicht war, in der Internationale zu bleiben und von innen aus an ihr zu arbeiten. Wir müssen die Internationale wieder aufbauen. Nichts wird euch hier mehr Stärke geben, als wenn ihr einer Internationale angehört, die stark sein wird. Wir Sozialisten dürfen nicht unsere Zeit mit theoretischen Streitigkeiten und negativer Kritik verbrauchen. Wir müssen die sozialen Probleme durch die Tat lösen. Das ist der Weg, den ihr beschritten habt. Ich war zu kurz im Lande, als daß ich den Anspruch erheben könnte, eine wertvolle Meinung zu äußern. Das eine kann ich sagen: Ich sah unter den palästinensischen Arbeitern Männer und Frauen, die jedes Hindernis besteigen können. Angehörige einer Rasse, die durch Jahrhunderte verfolgt wurde und standgehalten hat. Ich sah Menschen, die mit ihrer Energie in Europa eine glänzende Karriere hätten machen können und die nun hier Steine brechen. Da sagte ich zum Oberkommissär und zu all den Beamten, die zu sehen ich Gelegenheit hatte, diese Menschen sind unbesiegbar. ihr Werk, ihre Idee, ihr Wille kann nicht gebrochen werden. Unterschätzen Sie nicht die arabische Schwierigkeit. Es sind mächtige Interessengruppen, die in der jüdischen Einwanderung nach Palästina eine Drohung für sich selbst sehen. Ihr könnt nicht nach Palästina kommen, eine neue soziale Ordnung schaffen und die arabischen Dörfer lassen, so wie sie sind. Selbst Gott könnte ein solches Wunder nicht schaffen. Deswegen opponieren so mächtige Interessengruppen der jüdischen Einwanderung nach Palästina, weil ihr euer Werk hier nicht leisten könnt, ohne daß es zu einem Werke der Menschheit wird. Es ist eure Aufgabe, die arabischen Arbeiter mit euch zu nehmen. Wenn ihr mit eurem Geiste und euren Muskeln dieses Land aufblühen lassen werdet, dann wird die arabische Bevölkerung mit euch gehen. Arbeit ist nicht jüdisch und nicht arabisch, Arbeit ist das allgemeine Menschliche, das uns allen gemeinsam ist. Wir werden an die jüdischen Arbeiter Palästinas denken an so manchem fernen Herde. Wir werden in vielen Versammlungen von euch sprechen und immer wieder wird unsere Erinnerung zurückstreifen zu der Straße von Tiberias nach Damaskus, die uns mit so vielen jüdischen Arbeitergruppen in Berührung brachte. Unsere Hände und eure Hände halten vereinigt die Flagge des internationalen Sozialismus.“

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