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Das jüdische Echo · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 Das Jüdische Echo Nr. 10 wendigkeit jüdischer Arbeit hinzu und an unsere Fähigkeit, sie zu leisten. Den jüdischen Menschen in aller Welt dazu zu erziehen, wäre der erste Anfang aktiver jüdischer Politik. G—. Die Arbeit für den Keren Hajessod Konstituierung des Deutschen Keren Haiessod. Unter starker Beteiligung hat am 21. Febr. im Hotel Kaiserhof in Berlin die konstituierende Sitzung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. stattgefunden. Nach einer Begrüßungsansprache des Generalkonsuls Landau berichtete Dr. Hantke über die Lage der Keren Hajessod-Aktion in der Welt, wobei er besonders auf die deutschen Erfolge und Pläne einging. Hierauf wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten, in dessen Händen die Leitung des Keren Hajessod liegt. Unter starkem Beifall wurde Herr Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank, zum Vorsitzenden des Präsidiums gewählt. Die Wahl der stellvertretenden Vorsitzenden fiel auf die Herren Generalkonsul Landau und Dr. Hantke. Bei der Übernahme seines Amtes betonte Direktor Wassermann, daß seine Tätigkeit innerhalb des Keren Hajessod den deutschen Juden eine Gewähr tfür den unparteilichen Charakter des Palästinawerkes bieten könne, da er außerhalb jeder Partei stehe und lediglich dem Aufbaugedanken diene. Wir glauben hinzufügen zu können, daß das deutsche Judentum in der Tatsache, daß Wassermann die Leitung der deutschen Keren Hajessod- Aktion übernommen hat, nicht nur eine politische Garantie, sondern noch mehr einen Beweis dafür sehen wird, daß der Aufbau des Landes Israel auch erfolgreichen Wirtschaftsführern aussichtsreich erscheint. Es erfolgten weitere Wahlen in das Präsidium und das Zentralkomitee, über deren Ergebnis wir noch berichten werden. Ein Rekord des Keren Haiessod in Amerika. New York. (J.C.B.) Der Monat Januar stellt einen Rekord an Eingängen für den Keren Hajessod in den Vereinigten Staaten dar, da in diesem Monate 302 000 Dollar in bar eingeflossen sind. Dieser Betrag stellt das Doppelte des Monats Dezember und das Achtfache des Monats Oktober 1921 dar. Auch an schriftlichen Verpflichtungen bedeutet der Monat Januar einen Rekord von 90 Prozent gegenüber den früheren Monaten, da in diesem Monat die sogenannten „plledges“ (Verpflichtungen) mehr als 700 000 Dollar ausmachen. Großer Erfolg des Keren Haiessod in Los Angelos. Aus New York wird gemeldet: Sokolow, Prof. Warburg und Colonel Paterson besuchten auf ihrer Tournee durch Kalifornien die Stadt Los Angelos, wo sie am Bahnhof von den Kindern aller jüdischen Schulen erwartet wurden. Bei einem zu Ehren der zionistischen Gäste stattgefundenen Bankett, bei dem sich der britische Konsul und die führenden Stadtfunktionäre einfanden, erklärte der Bürgermeister, die zionistische Dele- £3tion könne auf die Erfüllung der Pflichten durch die jüdische Bevölkerung von Los Angelos rechnen, indem diese zumindest eine Viertelmillion Dollar für den Keren Hajessod hergeben würde. Beim Bankett wurden 36 000 Dollar in bar gesammelt und bei der darauf folgenden Massenversammlung weitere 351000 Dollär. Insgesamt brachte die jüdische Bevölkerung von Los Angelos innerhalb drei Tagen den ersten Beitrag von rund 100000 Dollar in bar auf. (J.C.B.) Der Nationalfonds und seine Hufgaben Als man vor 25 Jahren die Arbeiten für ein jüdisches Palästina aufnahm, glaubten selbst die Wenigen, die mithalfen, nicht an so schnelle Erfolge. Nachdem die ersten politischen Aktionen als gescheitert angesehen werden konnten, ging man daran, ein finanzielles Instrument zu schaffen, ein Werkzeug, das in schwieriger und zäher Arbeit das jüdische Land dem jüdischen Volk erobern sollte. Zwanzig Jahre sind seitdem verflossen, zwanzig Jahre der Verbitterung und Enttäuschung, zuletzt aber auch der Erfolge. Klein waren zuerst die Einnahmen des Nationalfonds, und nur der unerschütterliche Optimismus weniger ließ sie nicht am Gelingen verzweifeln. Aber allmählich mehrten sich die Einnahmen, und es wird stets ein Ruhmesblatt in der Geschichte des jüdischen Volkes sein, daß es ihm im Jahre 1921 gelungen war, damals als d'ie Länder, in den 75% aller Juden wohnen, finanziell! zusammengebrochen waren, große Landstrecken Palästinas zu erwerben. Aber wir dürfen nicht auf diesen Erfolgen ausruhen, wir müssen weiter all unsere Kraft anspannen. Noch viel ist zu tun, noch viel jüdisches Land gehört nicht uns. Da wenden wir uns an diesem Fest der Freude an alle diejenigen, die das zum Leben Notwendige besitzen, mit der Bitte: „Denkt an die, die es nicht haben, gedenkt an dem diesjährigen Purimfest der Hundert tausende Hungernder und Frierender im nahen Osten, deren einzige Hoffnung, deren letzter Rettungsanker Palästina ist Gebt dem Nationalfonds, soweit es in Euren Kräften steht, besteuert Euch zu Gunsten unseres Volksschatzes, denn nur wir können uns retten, nur wir in unserer Gesamtheit. Einigung der jüdischen Jugend? „Einigkeit macht stark!“ und nichts bedarf das jüdische Volk in Deutschland mehr als Einigkeit Diese zu schaffen ist niemand mehr berufen als die Jugend. Die Jugend im weitesten Sinne des Wortes? Nein! Nur die in den Wanderbünden vereinigte Jugend ist infolge ihres steten Beisammenseins in Gruppen fähig, wirklich Arbeit zu leisten. Wir müssen also die heutige Entwicklung des neutralen Jungjüdischen Wanderbunds, der deutschjüdischen Kameraden und der jüdischnationalen Blauweißen betrachten. Für letztere Gruppe gilt zwar als wichtigste Aufgabe, brauchbare Menschen für den Palästina-Aufbau zu erziehen, doch sieht man auch die unmittelbare Notwendigkeit ein, im Galuth allerorts jüdisches nationales Leben zu erwecken. Denn nur so kann dem Untergang des deutschen Judentums eine Schranke gesetzt werden. Der jungjüdische Wanderbund nimmt offiziell zu den politischen Parteiungen innerhalb des Judentums keine Steilung. Doch kann getrost die Mehrheit seiner Wanderer, ob sie sich dessen bewußt oder unbewußt sind, als jüdisch-national betrachtet werden. Die Konsequenz jedoch aus ihrer nationalen Einstellung zu ziehen, im Palästina¬ oder Galuthaufbau aktiv mitzuarbeiten, dazu raffen sich nur einzelne auf. Die Mehrzahl der Jungjüdischen Wanderer gefällt sich in einem mehr oder weniger konsequenten Wandervogeldasein. — Wohl das eigenartigste Bild bieten die Kameraden. Sie bemühen sich redlich, Deutschtum und Judentum, zwei Seelen in einer Brust zu vereinigen. Freilich findet man fast nirgends bei den Kameraden Menschen, die ein Ebenmaß zwischen diesen beiden Polen zu halten, imstande sind. Burschen, die als deutsche Wandervögel (auch

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