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Das jüdische Echo · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · p. Seite 129

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 129 sehen. Wir glauben aber, daß sehr bald alle Juden guten Willens eine einheitlich positive Grundstimmung beseelen wird, daß sie sich in freudiger Bejahung der Lebensnotwendigkeiten unseres Volkes finden werden. Wir glauben, daß dann unnötige Kämpfe und verletzende Schärfen ganz von selbst aufhören werden. — Es ist bezeichnend, daß sich ein Kampf bei den Gemeindewahlen in letzter Zeit gerade in solchen Gemeinden vermeiden ließ, in denen der Keren Hajessod die Zustimmung und Hilfe weitester Kreise gefunden hat und wir freuen uns, daß z. B. in Nürnberg leicht alle befriedigende Vereinbarungen getroffen werden konnten. Wir begrüßen das: wir sind gewiß die Letzten, die an überflüssigen Zänkereien ihre Freude haben, oder den Streit um des Streites willen wollen. Wir verhehlen uns freilich nicht, daß Kampf um die großen Gegenstände des Judentums oft genug jüdisches Interesse und jüdisches Leben sehr gefördert haben. — Immerhin ist die Lage der Juden in Zentraleuropa nicht so, daß sie ein festes Zusammenstehen der Judenheit wenigstens nach außen als überflüssig erscheinen ließe. Auch mit aus diesen Gründen ist das Verhalten der deutschnationalen Juden und der Agudisten so besonders verabscheuenswert. —. In Deutschland scheint zwar die antisemitische Welle im Abebben zu sein; vielleicht ist den Drahtziehern das Geld ausgegangen, vielleicht ist ihre Walze als vorläufig abgespielt von den Maßgebenden eine Zeitlang etwas beiseite gelegt worden. Immerhin sind noch starke Kräfte am Werk, um das Judentum in den Augen des Volkes zu diskreditieren und den Unwillen der Massen jeweils auf die Juden abzulenken. Wir ersparen es uns, die vielen Rohheiten aufzuzählen, die von den Reptilien der deutsche völkischen Presse und Organisationen begangen werden. Wir müssen aber mit Bedauern feststellen, daß die deutsche Justiz in solchen Fällen ziemlich regelmäßig versagt, und daß es keine noch so offenkundige Verleumdung, keine noch so widerwärtige Beschimpfung, keine noch so brutale Drohung gibt, die nicht fast immer milde Richter gefunden hätte. — Der „Deutschvölkische Beobachter“ und der „Miesbacher Anzeiger“ haben allen Grund, mit freundlicher Dankbarkeit der gemütlichen Stunden in Münchener Gerichtssälen zu gedenken, während derer die von ihnen besoldeten offenkundigen Lügner — heißt Redakteure — im hellen Licht „ihres guten Glaubens“ erstrahlten — was ihnen wahrscheinlich sonst nicht so oft vorzukommen pflegt. Von München und vom „Völkischen Beobachter“ und seinen Gesinnungsgenossen führt ein direkter Weg nach Ungarn, den die Mörder Erzbergers mit dem ihnen eigenen Glück gegangen sind um sich der Verfolgung zu entziehen. Sie haben sich längere Zeit mit Wissen der ungarischen Behörden in Budapester Cafes herumtreiben und dort ihr blutbeflecktes Geld verprassen können. Nachdem sie vor deutschen Geheimpolizisten — übrigens ohne Eile —- flüchten mußten, werden sie jetzt wohl in irgendeinem Schlupfwinkel der „Erwachenden Ungarn“ in aller Sicherheit ihr Luderleben weiterführen. Sie wissen, daß man ihnen in Ungarn kein Härchen krümmen darf. — Wie sollte es denn auch anders sein in einem Staate, in dem die Stützen der „Ordnung“ sich um Horthy und Hejas gruppieren, um Hejas. den Massenmörder, den Schuldigen an zahllosen Pogromen und um Horthy, den Reichsverweser, der bei diesen blutigen Taten Schmiere stand, und dafür sorgte, daß sie ungehindert geschehen konnten. — Augenblicklich befindet sich Ungarn in einer schweren inneren Krise, die zur Auflösung des Parlaments geführt hat und wahrscheinlich zur Oktroyierung einer wenig demokratischen Verfassung führen wird. Es ist klar, daß diese inneren Wirren zu ausgiebiger Judenhetze ausgenutzt werden und daß der kommende Pogromm auf dem gesegneten „ungarischen Globus“ wieder einmal Tagesgespräch' ist Alles in allem: Die Lage der Judenheit ist weiter aufs äußerste gefährdet. Nur eine gewaltige Kraftanstrengung der Juden selbst kann sie dauernd bessern: Wieder wie immer muß gemahnt werden zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins, zur Erhaltung jüdischer Werte, zur moralischen Festigung unseres Volkes, zur Arbeit an seiner körperlichen und geistigen Gesundung. Die Aufgabe der Judenheit nach außen aber besteht in der Zusammenfassung ihrer Kräfte für den Aufbau Palästinas, in der Gewinnung von Menschen und Geld für dieses Ziel, dessen Erreichung nicht die Judenfrage lösen, aber eine jüdische Zukunft verbürgen wird. Darüber hinaus wird es jüdische Sache sein, unbekümmert um die schwankende Weltmeinung, um Angriffe und um die Veränderung im Weltgeschehen Zeugnis abzulegen für die ewigen jüdischen Menschheitsideale, für Gerechtigkeit von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk. Denn das sind die großen Menschheitsnationen, die ihre Sache auf die Kraft der Idee stellen. Keines der für die Geschichte der Erde wahrhaft bedeutsamen Völker hat je anders denken und wirken können. Der Glaube an die Gerechtigkeit, der in allen Irrungen unbeirrte Wille der jüdischen Gemeinschaft, sie zu verwirklichen, durch sie die Brutalität der Umwelt zu überwinden, ist unsere Schwäche und unsere Stärke durch die Jahrhunderte gewesen. Heut tritt der Glaube an die Not-

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