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Das jüdische Echo · 1922-03-03 · 9 (3.3.1922) · p. Seite 117

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
9 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 17 Der Misrachi will nicht die Erreichung des Baseler Programms schlechthin; er will sie auf Grundlage und im Sinne dies überlieferten jüdischen Gesetzes. Und. die überwiegende Anhängerschaft des Misrachi besteht aus Männern, denen dieses Gesetz heilige Überlieferung und Gottesgesetz ist und ein Teil seiner Anhänger rekrutiert sich aus Männern anderer Kreiise, die aber nicht wünschen, daß die Juden als Assimilanten in die alte Heimat zurückkehren, sondern nach ihrem eigenen Gesetze dort leben. Wir haben es wahrhaftig nicht nötig, eine ausführliche Erörterung anzustellen über die Gründe, die zu diesem Programm geführt haben. Der Misrachi ist sich vollkommen, klar darüber, wie dieses Programm im Wirtschaftsleben, in der Gesetzgebung usw. durehzuführen sein wird und hat besonders am letzten Kongreß bewiesen, daß er die Kraft hat, die praktische Durchführung zu ermöglichen. Der Misrachi ist sich ferner völlig klar darüber, daß der schwerste Punkt die K u 1 turfrage sei. Sie soll aber nicht auf dem Wege des Zwanges gelöst werden. Wir lehnen das System der Staatsschulen ab, wir verlangen vielmehr den staatlichen Zwang zur Einrichtung von Schulgemeinden, die ein Netz von Schulen in ihrem Sinne errichten und diese Schulgemeinden erhalten das staatliche Steuerrecht für ihre Mitglieder. Also: Schulzwang — aber Freiheit dem Einzelnen, welcher Schulgemeinde er sein Kind anvertrauen will. Ein Minimalprogramm des Lehrstoffes fordert der Staat und wacht über dessen Durchführung, dazu gehört vor allem Kenntnis des jüdischen Schrifttums im weitesten Umfang. Damit ist jede Kulturdiktatur vermieden, aber auch die Hauptgrundlage von unjüdischer Kultur, Unkenntnis und Unwissenheit im Jüdischen wird erschüttert. Der unvermeidliche Kulturkampf wird von Parteien geführt werden, die alles Jüdische in sich auf genommen haben, so daß daraus ein Kampf mit reinen Waffen unter Brüdern werden wird. An uns und allen Gesetzestreuen liegt es, dafür zu sorgen, daß wir durch die Kraft unserer Persönlichkeit und Überzeugung, durch muster- - gültiges und gewinnendes Vorleben konsequenter Jüdischkeit im religiösen und profanen Leben des Alltags durch die Hingabe unseres Seins für den Aufbau des Landes und des Volkes als echte Zionisten den geistigen und damit den praktischen Sieg erringen. Die bisherigen Schöpfungen des Misrachi in Erez Israel, besonders unter der Leitung von Dr. Schönfeld, berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Wahrlich ein hohes Ziel, das des Schweißes der Edelsten wert ist — im schweren Kampf, den wir mit Zuversicht führen. Die Hoheit und Reinheit unserer Anschauung wird und muß sich durchsetzen, wir kämpfen für das Göttliche in unserem Ziele: Dem jüdischen Volk das jüdische Land im Geiste des überlieferten Judentums! Dr. Jsaak Bamberger. Hapoel Hazair Die zionistisch-volkssozialistische Partei Hapoel Haza’ir ist ein Teil der allweltlichen zionistischen Arbeiterbewegung. Wie beinahe alle Gruppen der sozialistischen Bewegung deir ganzen Welt betrachtet sie es als eine Aufgabe des Sozialismus, solche Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens herzustellen, die die dauernde Existenz verschiedenartiger Nationen gewährleisten. Ihr Nationalismus begründet sich auf dem Gedanken, daß nur durch das Dasein der verschiedenartigen Nationen eine Kulturproduktiom der Menschen ermöglicht wird. Eine jede Nation, ein jedes Volk ist charakterisiert durch eine bestimmte Gesetzmäßigkeit des Lebens, die sich auf allen Gebieten —- und auf dem der Kulturproduktion nicht zum wenigsten — deutlich ausdrückt. Diese bestimmte Gesetzmäßigkeit ist dadurch entstanden, daß die Uranlagen der heutigen nationalen Charaktere, die bereits als Erbgut einer unfaßbar langen Entwicklung eine verschiedenartige innere Struktur aufweisen, durch die Geschichte, die für jedes Volk einen anderen Verlauf nahm, für jedes Volk zu einem andersartigen Erlebnis wurde, weiter entwickelt und weiter differenziert wurden. So hat heute jedes Volk eine andere innere Struktur, andere innere Formen des Daseins, andere Möglichkeiten des Erlebens und andere Höhepunkte der Intensität. Und das alles äußert Sich in einer anderen Auffassung, in einer anderen Beeinflussung des geschichtlichen Ablaufs und einer anderen Auswertung auf jedem Gebiet des Lebens. Aber erst dadurch, daß diese bunte Mannigfaltigkeit in die gährende und sich entwickelnde und reifende allmenschliche Kultur hineingetragen wird, wird diese aus einem grauen Chaos, einer gleichmäßigen Monotonie, einer nivellierenden Langweiligkeit zu einem differenzierten Etwas gemacht, dessen Wert in seiner bunten Schönheit liegt, darin, daß es, von verschiedenen Nationen gemäß ihrer verschiedenen inneren Struktur geformt, von verschiedenen Standpunkten aus einen anderen Anblick bietet und eine andere Antwort auf alle Fragen des Lebens gibt. Und da nun dem Sozialismus nichts ferner liegt, als die Kulturproduktion der Menschheit zu hemmen, da er im Gegenteil eine Weltanschauung der freudigen Aktivität, der freudigen Lebensbejahung ist, so ist es nur natürlich, wenn es allmählich in seinem Lager immer klarer wurde, daß nicht die Verschmelzung und Vermischung der Völker, nicht die Herstellung einer chaotischen, ungegliederten und unorganischen Menschenmasse,

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