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Das jüdische Echo · 1922-02-24 · 8 (24.2.1922) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
8 (24.2.1922)
Date
1922-02-24
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 107 zwischen ihnen hindurchschreitet, und von den Jungen begehrt mancher nach einem Blick aus den schwarzen Augen, die von der sehr breiten Krempe des Hutes überschattet sind. Mirjam aber, wenn ein Männerblick sie streift, senkt in unbewußter Strenge ihr feines Köpfchen. Denn sie ist sehr sorglich behütet und erzogen in den Gesetzen und der Lehre jenes Gottes, der vor Tausenden von Jahren dem Volk, dessen Tochter sie ist, unter Feuer und Donner, in Strenge und Zorn, seine Gebote gab — und dessen Befehle von Jüngern und Eiferern ausgelegt und gewendet und geschüttelt und durchsiebt wurden, bis die Saat aufging und aus ihr mächtige Bäume erwuchsen, deren jeder eine Fülle von Gesetzeszweigen trägt und die nun ineinander verstrickt ein unentwirrbares Gestrüpp bilden, durch das sich nur mehr die ganz Gescheiten hindurchfinden können — — und selbst diese sehen nun den Wald vor Bäumen nicht mehr.... Aber sie verlangen, daß die anderen ihnen glauben^ und weil sie sehr strenge gebieten und mit Tod und Teufel drohen, so glauben die anderen eben. Und also glaubt auch Mirjam, was man sie gelehrt hat: nicht nur, daß der Gott Israels der einige und einzige Gott ist und daß man nach dem Gute des Nächsten nicht begehren und den Feiertag heiligen soll, sondern auch, daß es Sünde ist, sich zu Bewußtsein kommen zu lassen, daß manchmal das Blut heißer in einem pocht und das junge Herz” nach irgend etwas begehrt — nach irgend etwas — man weiß nicht recht, was. — — Und sie schließt dieses Verlangen fest in sich ein und begräbt es mit Beten und Arbeiten, bis es scheintot ist. Niemals zieht es sie wie manches andere der jungen Mädchen, die in der Glockengasse und den übrigen Gäßchen wohnen, dahin, wo in breiten, lichtdurchfluteten Straßen heitere Menschen sind» wo Theater und Gemäldegalerien und Blumengärten und Tanzpaläste locken — unter jene Menschen, die sich den Teufel darum kümmern, wer von den vielen Wahrheitwissern die Wahrheit wirklich weiß — die einfach Menschen sein und als Menschen frei leben und freudig arbeiten und fröhlich genießen wollen. Bis zu ihnen ist es nur ein Weg von wenigen Minuten: aus der Glockengasse heraus — und durch die Stephaniestraße — und dann über die Brücke, die den Donaukanal überspannt. Aber niemals geht Mirjam über diese Brücke. Überhaupt ist sie meistens daheim, hilft der Mutter im Haushalt und näht und liest die Bücher, welche der Vater ihr in sorgfältiger Auswahl in die Hände gibt und wartet, bis man ihr einen Ehemann auswählen und sie ihm antrauen wird. Dann wird sie für ihn sorgen und wird ihm Kinder gebären und diese Kinder wird sie erziehen nach denselben Vorschriften, in denen sie erzogen wurde — und dann wird sie in Frieden sterben. So hat man sie gelehrt zu denken — und weil sie so denkt, heißt sie eine rechtgläubige Jüdin — und dafür hat man ihr ja das Himmelreich versprochen. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo Am 19. Februar fand in der Israel. ReligionsgeSellschaft „Obel Jakob“ eine Mitgliederversammlung statt, welche sich zahlreicher Teilnahme erfreute. Die auf der Tagesordnung stehenden Regularien gaben wenig Stoff zur Diskussion; nur das zukünftige Verhältnis zur Großgemeinde wurde eingehend berührt und die Diskussion zeigte, daß man allseits ein friedliches Zusammenarbeiten als wünschenswert erachtet. Die Neuwahl der Vorstandschaft ergab die Wiederwahl der meisten Herren, an der Spitze wieder Herr Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, der langjährige 1. Schriftführer Herr Bankier A. Jos. Maier hatte eine Wahl abgelehnt und wurde ihm der Dank für seine ersprießliche Tätigkeit zum Ausdruck gebracht. Der Verband jüdischer Jugendorganisationen Münchens gibt bekannt: Vom 10. März ab findet der Freitag-Abendgottesdienst im Betsaal erst um 6.45 Uhr statt. Vom Verband aus finden im, Gemeindehaus (Kommissionszimmer) für Führer und Ältere der einzelnen Gruppen folgende Aussprache- Abende statt: Dienstag, den 28. Februar: Die jüd. Volksschule, Referent Herr Lehrer Dingfelder; Dienstag, den 7. März: Ostjudenfrage in München» Referent Mitglied des Gesamtausschusses der Ostjuden. Die Gemeindevertretung ist hierzu herzlich ein geladen. Blau-Weiß München. Sonntag (Treffahrt l.und 3. Zug) Treffpunkt 6.30 Uhr Ostfriedhof (Grünwald). l.Zug Samstag 2.30 Uhr Singen im Heim (alle kommen!), 4.30 Uhr Megiilah-Besprechung bei Carl Cohen, Tattenbachstraße 8. Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes. Montag, den 27. Februar, abends 8 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde Vortrag von Frl. Anni Fränkel: Bericht über den XI. Zionistenkongreß. Chaluzim-Fürsorge. Am 15. Februar passierten 32 Palästinawanderer, darunter eine Gruppe Chaluzim aus Kowno, auf der Durchreise nach Triest unsere Stadt. Dank der sorglichen Vorbereitungen des Fauen- und Mädchen-Komitees unter der Leitung von Frau Engelhard und der Mitwirkung zahlreicher freiwilliger Helfer konnten die Durchreisenden in gewohnter Weise erfrischt werden und fuhren im Sonderwagen, dankbar über die Aufnahme in München, mit dem Zug 11.45 Uhr nach Salzburg weiter. Für geleistete Mitarbeit- und für die im folgenden ausgewiesenen Gaben KRELLUCKO DAS HAU S Illlfebh'W THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND jUNGMADCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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