Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 8 10* das Magyarische als obligatorischer Lehrgegenstand in den- Lehrplan der Schulen aufgenommen und zum Prüfungsfach für jeden Anwärter auf ein öffentliches Amt erklärt. Heute sind die Ungarn stolz auf ihre Sprache wie kaum ein anderes Volk, und ihr einziger Kummer besteht darin, daß das Magyarische über die Grenzen der engeren Heimat nicht h in auszu drin gen vermag. Ähnlich lagen die Verhältnisse bei den Tschechen. Seit dem 17. Jahrhundert breitete sich die deutsche Sprache in Böhmen mehr und mehr aus. Was von tschechischen Büchern vorhanden war, wurde als ketzerisch verdächtigt und neue in den kriegerischen, unruhigen Zeiten nicht geschrieben. So kam es, daß die tschechische Sprache langsam dem Scheintod verfiel und fast nur noch Eigentum der unteren Schichten des Volkes blieb. Eine Änderung erfolgte erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich gelehrte Patrioten des fast vergessenen Idioms annahmen. Mit der Wiederbelebung der tschechischen Literatur im Anfang des 19. Jahrhunderts kam auch für die tschechische Sprache die Zeit des Wiedererwachens, und seit fünfzig Jahren hat sich das Tschechische, das so tot wie das GäliSche war, neben dem Deutschen ein selbständiges Sprachrecht erworben. So erleben im Hin- und Herwogen des Völkerdaseins auch die Sprachen Tod, Scheintod und Auferstehung. Sprachen, die kraft ihres kulturellen Gewichts die Fähigkeit zeigten, die Grenzen ihres Volkstums zu überschreiten, werden in Zeiten, in denen sich das Nationalbewußtsein lebendiger zu regen und stärker zu differenzieren beginnt, wieder zurückgedrängt. Zusammen mit der Verschiebung der Machtverteilung geschieht dies jetzt besonders auch dem Deutschen, eine Entwicklung, die aber, wie auch die angeführten Beispiele zeigen, schon lange vorher eingesetzt hat. Da ist es immerhin ein Trost, zu sehen, daß solche Tendenzen der Zeit auch vor dem kulturellen Einflußgebiet der Völker, die sich gegenwärtig auf der Höhe ihrer Macht befinden, noch nicht Halt machen. Dentist HL ULLMANN München, Baaderplatz 1/1, Te!. 25904 Spezialität: Laboratorium fiir feine Zahntechnik Aus der Jüdischen Weit Freispruch der verurteilten jüdischen Polizisten. Jerusalem. (J. C. B.) Das Appellationsgericht hat nach mehrtägigen Verhandlungen des Revisionsverfahrens gegen die dreii jüdischen Polizisten Jakob Jeschua, Aron Mekawe und David Ganon, die vor kurzem wegen Bombenwurfs während der arabischen Exzesse vom 2. November vorigen Jahres zu elf, zehn und sechs Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurden, sich den Ausführungen des Verteidigers Harry Sacher angeschlossen und erkannt, daß die jüdischen Polizisten in Notwehr gehandelt haben, indem sie auf den früher erfolgten Bombenwurf der Araber reagiert haben. Das Gericht hob das frühere Urteil auf und fällte den Freispruch, worauf die Verhafteten sofort auf freien Fuß gesetzt wurden. Die Entscheidung des Appellationsgerichts wurde von der jüdischen Bevölkerung mit großer Befriedigung aufgeruammen. Jüdische Kolonien als Stadtgemeinden. Die palästinensische Zivilverwaltung hat mitgeteilt, daß sie bereit sei, größere jüdische Siedlungen als Stadtgemeinden anzuerkennen. Diese Erklärung kann als Beginn einer neuen Periode kolonisatorischer Entwicklung betrachtet werden. Bis jetzt hatten sich die jüdischem Kolonien in Judäa an Jaffa, in Galiläa an Haifa zu wenden, wenn sie irgendwelcher Konzessiome bedürfen. Diese Abhängigkeit von Städten, die noch arabische Majorität aufweisen, hat vor allem die Kreditaktionen der Kolonien stark behindert. Künftighin werden die als Stadtgemeinden anerkannten Kolonien ihre Konzessionen unmittelbar bei der Regierung einholen und so über größere Selbständigkeit verfügen dürfen. Dabei wird man aus organisatorischen Gründen kleine Siedlungen einer benachbarten großen unterstellen, wodurch gleichzeitig die wirtschaftliche Zusammenarbeit der jüdischen Kolonien in Palästina gefördert werden soll. Die Lage in Haifa. Die klerikale „Kölnische Volkszeitung“ veröffentlicht eine Korrespondenz aus Haifa, in welcher auch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Stadt geschildert wird. Über die wirtschaftliche Entwicklung liest man dort: In Jerusalem und Haifa entwickelt sich die Zigarettenindustrie, obwohl der in Palästina selbst gewonnene Tabak noch nicht alle wünschenswerten Eigenschaften besitzt, da es sich um ganz neue Unternehmungen handelt. In Jerusalem werden täglich bis zu 250 000 Zigaretten ohne Maschinenbetrieb angefertigt. Heute liegen acht Handelsdampfer hier im Hafen. POI135EI, & AN-NEEHEEE A«E MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 33 gegenüber der Feldherrnhalle AUSWAHL IK 6JE JB JR AUC H Ä POK X JE I. JL AH TÄTLICHE &A03ER Eia&Äir ZUIUG