Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 103 Damit ist eine große Aufgabe den Erziehern im Lande selbst und dem Sprachunterricht im Galuth gestellt. In einer der nächsten Nummern unseres Blattes werden wir uns damit eingehender zu beschäftigen haben. Wir werden schließlich) — die Dreisprachigkeit in Palästina zwingt dazu — über das hebräische Sprachproblem hinausgehen und auf das arabische eingehen müssen, soweit das im Rahmen einer Zeitschrift möglich ist. Marcel Lew. Scheintote Sprachen Es gibt Skeptiker, die an die Möglichkeit der Wiederauferstehung des Hebräischen nicht glauben wollen,. Hebräisch sei tot und begraben. Ihnen wird der folgende, dem „Fränkischen Kurier“- Nürnberg entnommene Aufsatz manch Überraschendes und Belehrendes bringen. Nachdem Irland wieder eine gewisse politische Selbständigkeit erlangt hat, will man jetzt energisch daran gehen, dem verkümmerten gälischen Sprachzweig des Keltischen durch Aufnahme in den Lehrplan der Schulen wieder zu neuer Blüte zu verhelfen. Das die Dialekte Irlands, des schottischen Hochlands und der Insel Man umfassende Gälische führte bisher auf der grünen Insel das Schattendasein eines Aschenbrödels, das nur am Herd der bäuerlichen Bevölkerung noch geduldet war. Das soll nun anders werden. Begreiflicherweise sieht man diesem Auflebem einer für tot gehaltenen Sprache in England mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn man hatte sich hier daran gewöhnt, das Gälische als in völligem Verschwinden begriffen zu betrachten, und wies zum Beweis des Absterbens dieses Sprachzweiges darauf hin, daß der gälische Dialekt in Irland nur noch von einer kleinen Zahl von Bewohnern gesprochen werde, deren Zahl von Jahr zu Jahr abnehme. Man hat sich nach dieser Richtung aber offenbar eines Trugschlusses schuldig gemacht. Absterbende Sprachen können nicht von der Allgemeinheit und den unteren Schichten, die sie noch sprechen, wieder lebendig gemacht werden, sondern nur von der „Intelligenz“ des Landes, die allein im Stande ist einer Sprache in der Welt Geltung zu verschaffen. Ehrliches Nationalgefühl und politische Machenschaften sind dabei in der Regel beide beteiligt, sodaß schwer zu entscheiden ist welcher Beweggrund bei' solchen Wiederbelebungsversuchen der maßgebende ist. In der letzten Zeit hat sich die irische Intelligenz der gälischen Sprachbewegung lebhaft angenommen. In Irland wie in Schottland sind in den letzten zehn Jahren mehr Bücher in gälischer Sprache erschienen', als ihrer seit der Erfindung der Buchdruckerkunst überhaupt das Licht der Bücherwelt erblickt haben. Das ist bedeutungsvoller für die Kraft der Bewegung als der Hinweis auf die abnehmende Zahl der gälisch sprechenden Bewohner. Das Englische braucht bei dieser Wiederbelebung des Gälischen nicht zu kurz zu kommen. Man wird hier, wie beispielsweise in Ungarn und Finnland, zu einer zweisprachigen Bevölkerung kommen, die den heimischen Dialekt und die fremde Brache gleich gut beherrscht und spricht Der Hinweis, dem man in England oft begegnet das Gälische sei eine unelastische Sprache, die sich den modernen Lebensverhältnissen nicht anzupassen vermöge, trifft nicht zu. Das könnte höchstens für eine tote Sprache gelten,, und das Gälische ist durchaus noch nicht tot Wie sich solche Zweisprachigkeit durchzusetzen vermag, und wie aussichtsvoll die Bemühungen zur Belebung von scheintoten Sprachen sein können, darüber hat man in Finnland, Böhmen, Ungarn, in Polen und den anderen russischen Randstaaten, in Belgien und in vielen gemischten Sprachgebieten zu verschiedenen Zeiten und unter den verschiedensten Bedingungen reiche Erfahrungen sammeln können. Macht man doch jetzt sogar den Versuch, eine für völlig tot gehaltene Sprache, das Hebräische, wieder ins Leben zurückzurufen. Von den erwähnten Ländern haben manche eine Sprachgeschichte, die der Irlands nicht unähnlich ist. Vor 200 Jahren glaubte man beispielsweise auch von der finnischen Sprache, sie sei im Aussterben begriffen. Das Schwedische hatte das alte „Suomi“ überwältigt. Die Finnen, die als gebildet gelten wollten, sprachen Schwedisch oder Deutsch, und als Literatursprache fristete das Suomi nur noch in einer Bibelübersetzung ein verstecktes Dasein. Später, unteT der russischen Herrschaft machte man wohl einen schwachen Versuch, die alte Sprache wieder zu beleben, aber diese Bestrebungen wurden von der Zarenregierung unterdrückt. Die Muttersprache des Landes wurde nur noch von den Bauern und den niedersten Volksklassen gesprochen, die unfähig waren, ihr zum Sieg zu verhelfen. Mit dem Erwachen des nationalen Selbstbewußtseins erst kamen für die alte Sprache bessere Zeiten, und heute hat sie sich neben dem Schwedischen wieder Geltungsrecht verschafft. Auch Ungarn schien) vor hundert Jahren die magyarische Muttersprache aufgegeben zu haben. Deutsch war die offizielle Sprache, und die gebildeten und Handelskreise behandelten das Magyarische mit ausgesprochener Mißachtung. Wie in Irland, waren es auch hier die Bauern, die die Tradition bewahrten. Allmählich aber wuchs in Ungarn im Zusammenhang mit der nationalen Bewegung die Begeisterung der Intellektuellen für die verachtete Sprache, und im Jahr 1844 wurde L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass L,. 1