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Das jüdische Echo · 1922-02-17 · 7 (17.2.1922) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
7 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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90 Das Jüdische Echo Nr. 7 auf, daß die Ostjuden, deren Wahlrechtsanspruch man durch Eingehen auf das Kompromiß in praxi preisgegeben hatte, Schaumre Hadaß sozusagen als ihren Anwalt vor dem hohen Gemeindetribunal betrachteten und daß demgemäß eine stärkere Berücksichtigung des Vereins berechtigt wäre. Nun ist zwar die Mehrzahl der Ostjuden keineswegs orthodox und fühlt sich noch weniger durch Schaumre Hadaß vertreten. Immerhin war man gutmütig genug, sich darauf einzulassen, anstatt durch sofortigen Einspruch der ganzen Schacherei das verdiente Ende zu bereiten. Nur bat man in aller Bescheidenheit um das Zugeständnis, unter den Schaumre Hadaß-Mitgliedern wenigstens eine Persönlichkeit auswählen zu dürfen, zu der man Vertrauen habe und von der man wirklich ernsthafte Berücksichtigung ostjüdischer Interessen erwarten könne. Das war zuviel Diese Objekte der Gesetzgebung wollten in Fürth, in Fürth! den Mimd aufreißen? Und der prominente Herr, dem man bereits das Postchen zugesagt hatte? — Die Volksseele begann überzukochen. Schon bei der Landeswahl hatten Führer der Schaumre Hadaß das Verlangen der Ostjuden und ihres Vereins Tschuoh nach Gleichberechtigung als „Unerhörtheit“ abgetan. — Was jetzt erfolgte aber war mehr als unerhört. Man warf den Ostjuden öffentlich schwärzesten Undank vor: Man (heißt Schaumre Hadaß) habe sie den Behörden gegenüber in Schutz genommen, man habe so manchem von ihnen Armenunterstützung gewährt und gewähre sie noch. Und derartige Schnorrer besäßen die Frechheit, Forderungen an ihre Wohltäter zu stellen! Also weil die notleidende Minorität der Ostjuden unterstüzt wird oder irgendwann unterstützt wurde, betreibt man die völlige Entrechtung aller Nichtreichsangehörigen? Weil man der brutalen Ausweisungspraxis der Kahrregierung gegenüber seine jüdische Pflicht erfüllt hat, hält man sich für berechtigt, die allgemeine Rechtlosigkeit der Ostjuden durch eine jüdische zu ergänzen? Orthodoxe Juden werfen Juden empfangene Wohltaten vor? Entwerten so die eigenen Mizwoth? Seit wann ist es Sitte und Recht in Israel, seine Nächsten öffentlich zu beschämen? Schaumre Hadaß mag tun, was sie will. Die Ostjuden zu vertreten, hat sie kein Recht. — Das Fürther Wahlrecht aber verdient die weitgehende Beachtung, die man Monstrositäten aller Art zu schenken geneigt ist. Wie wär’s mit einer Schaustellung auf der nächsten „Färther Kärwe“? Jttdische Jugend und soziale Arbeit In der Timendorfer-Jubiläumsloge, Berlin, hielt Herr Kurt Neu, Nürnberg-Berlin, Mitglied des Hauptvorstandes des Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands, einen Vortrag, dessen Ausführungen auch dann Interesse verdienen, wenn man nicht überall mit ihnen einverstanden sein kann. Herr Kurt Neu führte etwa folgendes aus: „Man muß unterscheiden zwischen sozialer Arbeit, die nur augenblickliche Not lindern will und planmäßiger Sozialpolitik, die, auf die Zukunft eingestellt, zielbewußt der sozialen Probleme der Zeit Herr zu werden sucht. Die jüdische Jugend will keine Notmaßnahmen mehr, sondern verlangt Sozialpolitik. Es ist nun wichtig zu fragen: Aus welcher Gesinnung wird Sozialpolitik betrieben? Unter was für Verhältnissen wird sie durchgeführt? Die staatliche Sozialpolitik vor dem Krieg suchte verwaltungsmäßige Lösungen der damals brennendsten Frage, der proletarischen. Während des Krieges ging man andere Wege. Soziale Not trat an fast jeden heran. Maßnahmen der Verwaltung mußten daher versagen; statt dessen nahm die Gesamtbevölkerung an der Bekämpfung sozialer Schwierigkeiten Anteil. Die Revolution, die eine Änderung in dar Einstellung bringen sollte, war vorbereitet auf dem Gebiet der Beseitigung der sozialen Not durch die sozialistische Literatur und die Tätigkeit der Parteien. Von der Revolution erwartete .man die große Lösung; sie brachte aber keine Änderung der Gesinnung, sondern nur einen Wandet der Verwaltungsform. Daher hatte die Jugend auch weiterhin keine Möglichkeit, sich sozial-politisch auszuwirken, sie zog sich zurück; ein kleiner Rest nur blieb willig, ihn gilt es auszuwerten. Psychologisch wichtig für die Stellung der Jugend zur Sozialpolitik waren zwei Tatsachen: Die politische Ermüdung, die in dem steten Wechsel der Parteien, in dem Übermaß politischer Erregung ihren Grund hatte, und die starke religiöse Welle, die das Geistesleben nach dem Kriege und so auch die Jugendbewegung ergriff. Diese Welle ist nun verebbt; ein Bedürfnis nach Primitivität auch in der sozial-politischen Arbeit macht sich geltend. Auswirkung findet dies Streben nach schlichter Arbeitsbetätigung in der Umschichtung von akademischen und kaufmännischen Berufen zur Land- und Handarbeit. "ßiuThallmaier München ThßatinßvtarAÖ. tMjvzmarm r

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