Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 7 (17.2.1922)
- Date
- 1922-02-17
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 89 und verkündeten durch ihre berufenen Vertreter drohend ihre Friedens- oder vielmehr ihre Kriegsziiele. Ein Ziel, nur eins, hatten sie gemeinsam: Palästina soll Judenland werden. — Die Entente blieb Siegerin. England erfüllte sein Versprechen. Die Balfour-Deklaration und San Rerno wurden wichtige Friedensetappen. Palästina als Judenland fand die Anerkennung der Welt — Palästina sucht jetzt die Anerkennung der Juden. Keren Hajessod ist die Einzeichnungsliste für diese Anerkennung. Durch Zeichnung für den Palästina- Gründungsfonds bekennt sich der Jude zum Aufbau des jüdischen Landes. „Die Welt wird durch Liebe und Güte aufgebaut.“ In aller Unruhe des geistig leider immer noch nicht ganz beendeten Kriegszustandes wird doch dem aufmerksamen Beobachter klar, daß die Einigung der Welt auf dem Marsch ist. Die letzten Monate haben schwere Konflikte, deren Ausbruch zu erwarten war, beseitigt. Diie Klärung der Geister, die fortschreitende Beruhigung der Welt, der Weltfriede, ist das Wahr- und Vorzeichen eines jüdischen Palästina. Manche Anzeichen der Völkerpolitik scheinen dem Propheten wort: „Man wird umwandeln die Schwerter zu Sicheln“ eine späte Bestätigung zu geben.— Die Völker haben sich für das jüdische Palästina ausgesprochen — jetzt haben die Juden das Wort. Palästina ist nicht mehr Zankapfel der Völker; es soll auch nicht mehr Parteisache der Juden sein. Palästina ist Judensache: Sache aller Juden. Palästina ist Weltsache in seinem politischen Bestand, Palästina ist Judensache in seiner inneren Entfaltung. „Durch Liebe wird die Welt erbaut.“ Nicht Waffengewalt, nicht politischer Streit und Rachewünsche — die Eintracht der Völker, die Erkenntnis des Wertes friedlicher Arbeit im politischen und wirtschaftlichen Geschehen sichern das historische Eigentum der Juden an ihrem Stammland, öffnen die Tore Palästinas. Das Wort des Gebetes vom „Lande der Väter“ fand Erhörung bei Gott. Es ist jubelnde Wahrheit und Wirklichkeit: Das Land der Väter ist wieder das Land unserer Kinder. Wir Kinder ziehen in das Land der Träume unserer Väter und über dem Eingangstor prangt das Wort: „Eine Welt durch Liebe errichtet.“ Was wir am Neumond, an allen freudigen und ernsten Festtagen mit besonderer Andacht im Mussafgebet gesprochen: „Die Liebe der Welt führet zu den Liedern Davids, des Gottesdiieners. Den Bund der Väter erhalte den Kindern, bringe uns, o Gott, nach Zion, nach Jerusalem unter der Freude der Welt“ — mit Ehrfurcht und Zittern sehen wir die Erfüllung dieses tausendjährigen Wunsches. Laßt uns freudig sein unter den Freudigen. Erkennen wir mit der Stärke des Gebetes di^e von Gott gegebene Erfüllung. Gern bekräftigen wir unser Bekenntnis zu Palästina durch freudige Leistung für den Keren Hajessod. — „Wer Liebe säet, wird Liebe ernten.“ Was die Völker uns Juden übertrugen, den Aufbau und die Entfaltung des heiligen Landes, es soll die Aussaat bei uns in Liebe und Freude gehegt werden. Es wird sich, wenn wir Juden in Liebe und Freude, in Eintracht und gutem Willen uns zusammenfinden, zum Wiederaufbau unseres zerstörten Landes, es wird sich erfüllen ein anderes Wort des königlichen Sängers David: „Er kommt heim in Jauchzen, heimtragend seine Garben.“ Hirsch Oppenheimer. Vor den Fürther Gemeindewahlen Man schreibt uns: Nun hat sich die Israelitische Kultusgemeinde Fürth tatsächlich den Ruhm gesichert, das reaktionärste und unjüdischste Wahlrecht in Bayern zu haben, ein Wahlrecht, wie es auch sonst kaum irgendwo vorhanden sein dürfte. Der Verband bayerischer Israelitischer Gemeinden, die Nachbargemeinde Nürnberg billigen den Ostjuden wenigstens ein beschränktes Wahlrecht zu. In Fürth sollen sie entrechtet bleiben bis über 120 Jahr! Unsere Fürther Stammesgenossen wollen schön unter sich Ämter und Würden verteilen! — Wer Fürther Verhältnisse kennt, wird sich darüber nicht wundern; die Fähigkeit, über die Synagogenkuppeln der eigenen Gemeinde hinauszusehen, die Bereitwilligkeit, igesamtjüdische Interessen zu berücksichtigen, ist dort nicht gerade sehr hoch entwickelt. — Man könnte sich dabei beruhigen und die Leute ihrer Mitgliedschaft in „Treu—Fürth“ oder sonstwo überlassen, wenn nicht.... Wenn nicht da die Vertretung der Fürther Gemeindeorthodoxie, der Verein Schaumre Hadaß wäre, dessen Verhalten denn doch über die Hutschnur geht, Schaumre Hadaß, dem es anscheinend stets nur darauf ankommt, möglichst viele seiner Hauptmitglieder auf den Amtssesseln des bayerischen und des Fürther Judentums zu sehen, hatte schon bei den Landeswahlen mit den Liberalen kompromisselt und für das orthodoxe Judentum nichts, dafür aber einigen Kowed für seine Angehörigen erreicht. Das war für ihn Grund genug, bei den Gemeindewahlen dasselbe Spiel zu treiben. Man verzichtete also auf ein paar Grundsätze und demgemäß auch auf einen Wahlkampf und einigte sich mit den Liberalen leicht dahin, daß Schaumre Hadaß vier^ seiner Mitglieder in die Verwaltung entsenden sollte. Um nun den vierten Vertreter sicher zu erhalten, berief man sich dara/usu ”rre/i-Jü>dcn u./anfteJ/aiKJc/meü/ete^ C?}erufXtfSrafse