Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 5 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Das Jüdische Echo Nr. 5 Den Keren Hajessod-Aufruf Unterzeichneten ferner: Coblenz: Prediger Huhn; Stadtverordneter Moser (Gemeindevarstand); Direktor Louis Schloß i. Fa. Leonli. Tietz. — Cöthen: I. Schönfeld (Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde). Hannover; Kommerzienrat Jos. Berliner; Königsberg i. Pr.: Gemeinderabbiner Dr. Reinhold Lewin. Infolge eines Versehens sind folgende Ungenauigkeiten unterlaufen. Es muß heißen: Allenstein: R.-A. Wistinetzki; Bamberg: Rabbiner Dr. Eckstein, Bankier Julius Wassermann; Coburg: Prediger Hirsch; Plauen: Prediger Emanuel Heuinann. Die Keren Hajessod-Arbeit unter den russischukrainischen Juden in Deutschland. Am 19. Januar hat unter dem Vorsitz von Herrn Staatsrat J. Teitel die zweite Sitzung des Komitees „Keren Hajessod“ für Arbeit unter den russisch-ukrainischen Juden stattgefunden. Im Laufe der Sitzung hat Dr. Jacobson, der Vorsitzende des russischen zionistischen Merkas, eine Mitteilung über die soeben aus Amerika eingetroffene Nachricht gemacht, derzufolge das amerikanische Komitee „Keren Hajessod“ für das laufende Jahr den Betrag von 520 000 £ als teilweise Deckung des palästinensischen Budgets sichergestellt hat. Es wurde dabei auch die letzte Rede von Balfour erwähnt, die er am 11. Januar beim Empfang der zionistischen Delegation in der Britischen Gesandtschaft zu Washington gehalten hat. Nachdem der Bevollmächtigte des Direktoriums des „Keren Hajessod“, Dir. Trivus, über den Plan und die Richtlinien der bevorstehenden Arbeit gesprochen hatte, schritt man zu den Wahlen des Präsidiums. Als Vorsitzender des Komitees wurde einstimmig der Senator O. 0. Grusenberg gewählt; als Vizevorsitzende J. Paenson, Dr. B. Schirmann, Dr. S. Tiomkin; als Quästor S. S. Schabt, als Sekretäre Dr. E. Altschul und E. Selikman. Dem Präsidium gehört Dr. Trivus ex officio an. Aus der lüdischen Weit Die amerikanische Handelsgesellschaft für Palästina New Y o r k. Der „American Palestine Co.“ veranstaltete zu Ehren des aus Palästina zurückgekehrten Dr. Benderli ein großes Bankett, zu welchem 600 überaus angesehene amerikanische Geschäftsleute erschienen waren. Der Vorsitzende, Mr. Samuel Lampart, zollte den Bemühungen Dr. Benderhs um die Untersuchung der Handelsmöglichkeit in Palästina besonderes Lob und wies auf die Ziele der Gesellschaft hin, die Judenheit der Vereinigten Staaten für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu interessieren. Richter Rosalski' ermunterte die jüdischen Geschäftsleute zur Investierung von Privatkapital in Palästina. Nach einem Bericht Dr. Benderlis über die wirtschaftliche Lage Palästinas sowie über die Leiden der Chaluzim, wurde eine vom Rabbiner Dr. Silverinan vorgeschlagene Resolution eingebracht, in welcher der englischen Regierung der Dank für I Dentist I I H.ULLMANN I I München, Baaderplatz 1/1, Tel. 25904 I I Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik I die Balfour-Deklaration ausgedrückt und die Anwesenden aufgefordert werden, an der Durchführung des Aufbaues von Palästina mitzuwirken. Viele Anwesenden zeichneten' und bezahlten sofort zahlreiche Anteile, wodurch sich die Zahl der Aktionäre auf 300 erhöhte und das von, ihnen eingezahlte Kapital die Höhe von 100 000 Dollar erreichte. Die Arbeit in Emek Jesreel J e r u s a 1 e m. Auf dem neugekauften Nationalfondsboden geht die Arbeit gut vonstatten. In' der Arbeitssiedlung „NahaluI“ bei Nazareth werden Ameliorationsarbeiten vorgenommen. Frauen und Kinder wohnen des Fiebers wegen vorläufig in Nazareth. Die Kinder erhalten dort in einem Kindergarten Unterricht. In Nuris wurden zur Entsumpfung 55 000 Eukalyptusbäume gepflanzt. Mit Hilfe zweier amerikanischer Ingenieure werden in dem von den bisherigen arabischen Bewohnern verlassenen Dorf Nuris Vorbereitungen zur Einrichtung einer großzügigen Tiischlerwerkstätte getroffen, damit im Frühjahr mit dem Häuserbau begonnen werden kann. Frankreich und der Zionismus Erklärungen Brian di s „Sundajf Times“ veröffentlichten seinerzeit Nachrichten über die Absicht Frankreichs, das Mandat über Palästina für sich zu verlangen. Wie „Temps“ meldet, erklärte Briand während seines Aufenthaltes in London auf eine diesbezügliche Anfrage, daß diese Gerüchte aus der Luft gegriffen seien. Frankreich respektiere das Übereinkommen von San Remo über das englische Mandat zwecks Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina, und er bezeichnete alle Gerüchte, die das Gegenteil behaupten, als böswillige Erfindungen. Briand beteuerte ferner Frankreichs Sympathie für den Zionismus, für diie es einen Beweis in der syrischen Grenzfrage zugunsten der wirtschaftlichen Zukunft Palästinas geliefert habe. Er gab auch seiner Befriedigung über die zwischen Sir Herbert Samuel und dem General Gouraud bestehenden vortrefflichen Beziehungen Ausdruck. Bei der bevorstehenden Erörterung der Mandatsfrage vor dem Völkerbund werde Frankreich Englands palästinensisches Mandat unterstützen und für die jüdische nationale Heimstätte eintreten. Dann kam Briand auf die Juden im allgemeinen zu sprechen und hob dabei die wichtige Rolle hervor, die Frankreich in den Verhandlungen über die nationalen Minderheitsrechte gespielt habe. Frankreich habe dabei die Notwendigkeiten der jüdischen Minderheiten in Polen, Rumänien usw. stets vor Augen gehabt; ein Gesetz, das ihnen die volle Ausübung ihrer Bürgerrechte sichert. Die Hungerkatastrophe in Rußland und die Notlage der jüdischen Kolonien. Das Berliner Büro der Gesellschaft „Ort“ schreibt uns: Die Chersoner und Jekaterinoslawer Kolonien, aus 38 Siedlungen bestehend, zählen im gegenwärtigen Augenblicke ungefähr 100 000 einheimische und zugewanderte Personen und ungefähr 70000 Dessiatinen Anbaufläche. Diese Kolonien, von denen viele einen fast jahrhundertelangen Bestand hinter sich haben, machten im Verlaufe ihrer Entwicklung verschiedenartige Krisen durch, die teilweise wirtschaftlicher Natur, teilweise von den Lebensbedingungen der Kolonien selbst hervorgerufen waren. Die Ursachen der Krisen lagen einerseits in den feindseligen Maßnahmen der zaristischen Regierung, andererseits in den vielen