Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 5 (3.2.1922)
- Date
- 1922-02-03
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103027-9145370--04774-9077442- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Das Jüdische Echo 65 öffentliche Klär uns: der innerjüdischen Fragen erzielt wurde, wurde dank der Erfolge der jüdischen Volkspartei, die alle positiven jüdischen Kräfte zusammenfaßte, die unbeschränkte Herrschaft der liberalen Vertreter erschüttert. Eine allgemeine Annäherung aller jüdischen Kreise zu aufbauender, gemeinsamer Arbeit trat ein. Auf diese Weise war der Boden geschaffen, auf welchem neue Verhandlungen zu einem anderen erfreulichen Ergebnis führen mußten. Nach langen Bemühungen wurden die letzten Hindernisse beseitigt und die Einheit der Gemeinde von Grund auf in gerechtester Form befestigt. Die „Adaß-Jisroel“ steht in voller Selbständigkeit als gleichberechtigter Partner der Kultusgeineinde gegenüber, ist in ihren eigenen religiösen Angelegenheiten unabhängig, und nur in Fragen, die sie mit der Kultusgemeinde teilt, erfolgt gemeinsames Vorgehen. Um Einzelheiten zu nennen, die besonderen Schwierigkeiten begegnet waren, sei auf die Schächtform der Gesamtgemeinde hingewiesen, indem diese in ihren religiösen Fragen ausschließlich der „Adaß-Jisroel“ unterstellt ist. Det orthodoxe Rabbiner ist befugt, Trauungen auch auswärtiger Orthodoxer auf Antrag ohne weiteres vorzunehmen. Die Gemeindesteuern, welche Mitglieder des „Adaß-Jisroel“ entrichten, werden zu 90% an letztere zurückerstattet, die restlichen 10% finden Verwendung bei der gemeinsamen Schechitah und dem gemeinsamen Friedhof. Auf diesem hat die Adaß-Jisroel freie Hand für ihre Mitglieder, ihr Rabbinat und ihre Chewrah. Die Mikweh der Adaß-Jisroel steht jedem Israeliten Nürnbergs zur Verfügung. Bedeutungsvoll an diesem Statut das als geradezu vorbildlich betrachtet werden darf, ist die Tatsache der politischen Geschlossenheit der Gemeinde, die hierdurch gewährleistet wird. Wir begrüßen es daher, daß der Abschluß des Kampfes um die Trennung in dieser Weise herbeigeführt wurde und wir glauben, daß hiermit ein wesentlicher Schritt für die Lösung des Gemeindeproblems getan ist. (Jiid. Presse.) Rabbiner Dr. Ä. N. Nobel sei. Hnd. Im Alter von 50 Jahren ist Rabbiner Dr. Nobel in Frankfurt a. M. am 24. Januar am. Herzschlag verschieden. Noch am vorhergehenden Samstag hatte er des Morgens in der Synagoge und1 am Abend im Freien Jüdischen Lehr haus gesprochen, beide Male vor einer großen Zuhörerschaft. Mit dem Verewigten ist ein Mann dahingegangen, wie das jüdische Volk nur wenige zu verlieren hat; ein Denker und Dichter, ein Meister der Sprache. Talmudisches Wissen vereinigte sich in ihm mit hervorragender Beherrschung der Philosophie und einer nicht alltäglichen Allgemeinbildung. Seine Predigten im Gotteshaus wie seine Vorträge im Lehrsaal fanden stets zahlreiche Hörer; wer ihn einmal gehört hatte, war sich sofort bewußt, welch Geistesheroen er vor sich hatte. Was ihn aber noch besonders auszeichnete, war seine Liebe zu unserem Volke. Er war einer der wenigen, vielleicht der einzige orthodoxe Rabbiner Deutschlands, der von Anfang an dem Zionismus nahestand und zu den Begründern des Misrachi gehörte. Dem letzten Kongreß in Karlsbad wohnte er noch bei und wie sehr er Erez Israel liebte, beweist, daß seine letzten Worte „Erez Israel“ waren. Seine große Bescheidenheit zeigte sein letzter Wille, daß seine irdische Hülle nicht in die Synagoge gebracht werden sollte und daß Reden an seinem Grabe nicht gehalten werden durften. Kurz vor seinem Tode wurde der Verlebte noch zum Dozent für jüdische Philosophie an der Frankfurter Universität ernannt. rDXJn Die Hrbeit für den Keren Ha jessod Neue Fortschritte in Bayern. Dem Keren Hajessodkomitee sind u. a. beigetreten; Herr Albert Josef, Landau (Pfalz), Vorsitzender des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz, Herr Alfred Braunschweiger, Würzburg, Herr Kommerzienrat Sigmund Fränkel, München. In Nürnberg wurde ein Lokalkomitee gegründet, dem außer den schon genannten Herren eine große Anzahl prominenter Persönlichkeiten beitraten. Am Donnerstag, den 26. Januar, sprach in einer großen, gut besuchten öffentlichen Versammlung in Nürnberg Herr Nahum Goldmann über „Palästina, das Werk der Juden“. Der Eindruck seiner Ausführungen war ungewöhnlich groß und trug dazu bei, die bestehende Stimmung für den Keren Hajessod zu stärken. Weitere Erfolge im Reich. Keren Hajessod in Deutschland. In Cöthen und Dessau haben die Repräsentantenkollegien Keren Hajessod- Komitees gewählt.