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Das jüdische Echo · 1922-02-03 · 5 (3.2.1922) · p. Seite 64

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
5 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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<54 Das Jüdische Echo Nr. 5 ihre Eheschliießungsziffer zugenommen; ihre Geburtenzahl aber habe sich absolut um 20% vermindert. — Aber auch auf dem Land sei die Fruchtbarkeit mehr, als es der Eheschließungsziffer entspräche, zurückgegangen. So sei im Jahre 1905 die Geburtenhäufigkeit bei Kleinstadt- und Landjuden zwar immer nochi um 33% größer als bei den Großstadtjuden gewesen, gleichwohl aber um 100% geringer als bei den Christen. Der geringe Nachwuchs des Landes komme also nicht mehr als Ausgleich für städtische Verluste in Betracht. — Zum Schluß sei. auf folgende Tabelle hingewiesen, die in umfassender Weise die Bevölkerungsbewegung der bayerischen Juden darlegt: Es kamen auf den Durchschnitt: der Jahre Geburten Sterbefälle Austritte und Taufen Bevölkerungbilanz (ungefähr) 1876 1740 939 30 - 770 1880 1680 992 40 - 648 1890 1147 875 50 - 222 1900 932 740 60 - 132 1905—09 868 712 75 - 81 1910 793 644 - 79 1911 773 745 , 70 - 42 1912 740 713 - 43 1913 695 686 - 69 1917 325 878 - 553 Diesen Ziffern ist wenig hdnzuzufügen; sie sind unbedingt überzeugend. Der Rat des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden möge sie prüfen und Mittel zur Abhilfe erwägen. Er wird keine finden, wenn er sich nicht entschließt, die starken Impulse der jüdischen Nationalbewegung wirksam werden zu lassen. Nichts als erhalten wollen ist der erste Schritt zum Untergang. Die Katastrophe des deutschen — und im Rahmen seiner Entwicklung des bayerischen Judentums ist ein Teil der großen jüdischen Tragödie unserer Zeit. In Solidarität mit dem Weltjudentum, in gewissenhafter Mitarbeit am Aufbau unserer Gemeinschaft, in sorgfältiger Pflege jüdischer Werte und Empfindungen, in unerschütterlichem Willen zur jüdischen Zukunft läßt sich allein ein Problem meistern, dem man mit den üblichen Organisations- und Gemeindestubenrezepten nicht beikommen wird. Ae u h aus ers/r. /5, gegenüber der alten Medern ie Die Krankheit des bayerischen Judentums ist erkannt und jedem klarblickenden Laien, ja sogar den berufenen Ärzten sichtbar. Der Ärzte sind genug; viele von ihnen kennen sogar die Mittel zur Rettung; aber es scheibt, daß manche sich fürchten, sie anzuwenden und mit oder ohne Bedauern der Agonie zuschauen, die mit dem Tode enden wird, weil sie das Leben nicht zu wollen wagen. Das Buch Dr. Theilhabers sei jedem guten Juden zu nachdenklicher Lektüre empfohlen. G. Ein Trennungskampf und sein Ende Von Bernhard Bam berge r. Ln der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg spielen sich seit etwa 2 Jahren Kämpfe um die eigene Verfassung und innere Organisation ab, die mehr als lokale Bedeutung genießen und daher die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit verdienen, insbesondere aber unter den Anhängern des jüdischen Einheitsgedankens vollstes Interesse beanspruchen. Der orthodoxen Minderheit, die sich als „Adaß- Jisroel“ in Nürnberg zusammenschloß und die heute über eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern verfügt, war es in unausgesetzten Bemühungen gelungen, sich innerhalb der vorwiegend liberalen Gesamtgemeinde die wesentlichsten Bedingungen zu einer Selbständigkeit in ihren religiösen Handlungen und Einrichtungen zu schaffen. Der OpfeTfreudigkeit ihrer Mitglieder und der Weitsicht ihrer Führer verdankt sie ihren stattlichen Synagogenbau, die Errichtung einer anerkannten Religionsschule, eines eigenen Rabbinats, eine Jeschiwah und in jüngster Zeit die Eröffnung einer gut besuchten und ausbaufähigen öffentlichen jüdischen Volksschule. Zu dieser glänzenden Entwicklung aus kleinen Anfängen zu einer mustergültigen Kehillah im wahren Sinne des Wortes trug neben dem vor Jahresfrist verstorbenen Abraham Grünbaum der derzeitige Vereinsrabbiner Dr. Klein in hervorragendem Maße bei. Diese Erstarkung der „Adaß-Jisroel“ löste jedoch bei einer Reihe von Verfechtern des Trennungsprinzips das Bestreben aus, jede Verbindung mit der Gesamtgemeinde abschneiden zu wollen und so in unserer Zeit, in welcher die Einheit des Judentums notwendiger als je geboten ist, dauernd eine Spaltung in die Nürnberger Judenheit hineinzutragen. Ihre Agitation schien um so leichter Widerhall in den Kreisen der „Adaß-Jisroel“ finden zu sollen, als es tatsächlich eine Reihe von Punkten gab, in denen das Verhältnis zur Kultusgemeinde noch nicht geklärt war. Insbesondere mangelte es in mancherlei Hinsicht an der unbedingten Selbständigkeit in religiösen Angelegenheiten. So kam es denn, nachdem die ersten Verhandlungen ein ungewisses Ergebnis zeitigten, zu schweren und langwierigen Beratungen und Kämpfen innerhalb der Gemeinde und der Orthodoxie; es schien im allgemeinen, als ob durch Unnachgiebigkeit und Verständnislosdlgkeit auf beiden Seiten der Trennungsgedanke einen Sieg davontragen sollte. Da erfolgte durch die Wahlen zur Tagung des jüdischen Gemeindeverbandes in Bayern eine wesentliche Änderung der Sachlage. Abgesehen davon, daß durch den Wahlkampf eine

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