Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 3 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 35 Wir geben irn Folgenden den interessanten Artikel im Auszug wieder: „Diie Schaffung einer „nationalen Heimstätte“ für die Juden ist gleichbedeutend mit einer Neubelebung und einem Wiederaufbau Palästinas; das wußte England, als es sich zur Mandatarmacht des Landes bekannte. Nach den Worten des englischen Kolonialminiisters anläßlich seiner Palästinareise, die in ihrer politischen Wertung einer förmlichen Demonstration glich, soll die Politik der nationalen Heimstätte sowohl für die gesamte Judenheit wie auch für die Mandatarmacht und die ganze Welt den größten Segen bringen. Dabei verfehlte Churchill nicht, darauf hinzuweisen, daß die Juden für den Aufbau ihres Landes größere finanzielle Anstrengungen machen und eine Inanspruchnahme des britischen Staatssäckels vermeiden müßten. Das Haupterfordernis war zunächst, das seiner geographischen Struktur nach wenig erschlossene Land durch künstliche Mittel dem Verkehr zu öffnen. Mit rastloser Tätigkeit wurde das Eisenbahnwesen. das unter der ehemaligen türkischen Verwaltung völlig verkommen war. reorganisiert, das Liniennetz wiederhergestellt und teilweise vergrößert, der Wagenpark durch notwendig gewordene Neuanschaffungen ergänzt. So haben die palästinensischen Eisenbahnen jetzt eine Länge von etwa 1000 Kilometern erreicht, was für das kleine Land eine recht beträchtliche Leistung bedeutet; sie bestehen aus folgenden Strecken: Kantara—Haifa, Rafa—Berscheba, Jaffa—Jerusalem, Haifa—Akka, Haifa—El Hamme, Afuleh—Tulkaram, Medussisch—Nablus (Sichern). Der Bahnhof von Jerusalem ist dreimal so groß wie vor dem Kriege und mit elektrischer Beleuchtung versehen worden. Weiterhin wurden die Brücken auf der Jerusalemer Strecke tragfähiger gemacht, um auch schweren Lokomotiven den Verkehr zu ermöglichen, so daß sich der frühere umständliche Maschinen Wechsel in Artuff jetzt erübrigt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Mitteilung, daß die Bahnstrecke Haifa— Damaskus mehr und mehr den Personen- und Gütertransport von und nach Syrien aufsaugt, während dile durch ihre landschaftlichen Schönheiten berühmte alte Route von Beirut über den Libanon nach Damaskus langsam an Wichtigkeit verliert. Hand in Hand mit dem Eisenbahnprogramm ist seitens der neuen palästinensischen Regierung der Wege- und Straßenbau in Angriff genommen worden. Besonders im Ghor und an dien Ufern des Tiberias-Sees haben die zahlreichen jüdischen Einwanderer durch die Wiederherstellung und Neuanlage von Straßen im Laufe des letzten Jahres sehr Ersprießliches geleistet, und das Hinzuströmen immer neuer Einwanderer ermöglicht die Einstellung noch weiterer Arbeitskräfte, die an der fortschreitenden Erschließung des Landes mitwirken können. So wäre in richtiger Erkenntnis der Sachlage eine der Hauptbedingungen des neuen Kolonisationsprogramms durch die Landesregierung erfüllt worden; erst auf der Basis eines geordneten Verkehrs ist es möglich, die Erzeugnisse des einen Landesteils dem anderen zuzuführen, die Waren des Binnenlandes an die Meeresküste zu leiten, um sie weiter dem Weltmarkt zugänglich zu machen, Produktion und Konsum einander zu nähern und Angebot und Nachfrage einheitlich zu regeln. Unter dieser Voraussetzung kann die Praxis anfangen, zu arbeiten, und de'r wirtschaftliche Wiederaufbau eines bis dahin öden Landes und seine Umwandlung zu einem blühenden Kulturstaat ist eine Aufgabe, die keineswegs die Utopien der Menschheit um eine neue vermehren wird. Zuerst hat die Großmacht Geld ihr Augenmerk auf Palästina gerichtet. Das Weltkapital hat seine Beteiligung zugesagt, und Dollar, Gulden, Frank, Lire und Mark rollen nun um die Wette, um einander den Vorrang abzulaufen und sich die besten Gewinnchancen zu sichern. Es wird eine schwere Aufgabe der palästinensischen Regierung sein, hier Mittel und Wege zu finden, um die Interessen der internationalen Finanz mit den ihrigen nutzbringend zu vereinen. Und doch muß man schon jetzt anerkennen, daß die bis heute in Palästina erfolgten Investierungen in sehr geschickter Weise vorgenommen wurden. Umfangreiche Bodenankäufe wurden vollzogen, Pflanzungs- und Häuserbaugesellschaften begründet, Bank- und Hotelniederlassungen eröffnet und. dile geringen Ansätze einer heimischen Industrie zum Ausgangspunkt einer allmählichen Industrialisierung gemacht, obschon die noch fehlende Möglichkeit offizieller Konzessionserteilungen sich hiebei als ein stark hemmendes Moment erwiesen hat. Der wichtigste Lebensfaktor des Landes aber ist und bleibt seine Landwirtschaft, in enger Verbindung mit der Oasen- und Gartenkultur. Allerdings ist hiezu eine ausreichende systematische Bewässerung des Bodens Voraussetzung; und wenn erst einmal nach Jahren die Ruthenbergsehen Stauanlagen im Jordantal fertiggestellt sein werden, dann wird hier meilenweit ein blühender Fruchtgarten entstehen, in dem die herrlichsten Weintrauben, Orangen und Ananas gedeihen können. Die Trümmer der alten Bewässerungsanlagen können eben- Dentist H. ULLMANN München, Baaderplatz 1/1, Tel. 25S04 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntedmik DAS KRELL-UCKO HAU S UMfch W THEATINERSTR 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE P REIS VORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN