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Das jüdische Echo · 1922-01-20 · 3 (20.1.1922) · p. Seite 34

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
3 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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34 Das Jüdische Echo Nr. 3 — die jüdischen Kapitäne des Wirtschaftslebens. Tartuffe ist wieder . einmal ungeschickt. Es sollte sich von seinem Ärger über Mißerfolge nicht so sehr leiten lassen, daß seine Machtgier, der die zionistische Position in Palästina und in der Welt ein Dorn im Auge ist, zu klar erkennbar wird. Er sollte seine Hoffnungen auf das politische Geschäft, das er sich nach dem Scheitern des Palästinawerkes in orthodoxen Kreisen erträumt, besser verbergen. So aber schließt der Rattenfänger seinen Weizmannaufsatz: „Wir neiden dem Misrach.i nicht die furchtbare Last der Verantwortung, mit der er sich um zcrflatternder Eintagserfolge willen. vor Gott und der jüdischen Geschichte beladen hat, statt an der Seite der „Agudas Jisroel“ das Gottesgesetz als die alleingültige ewige Verfassungsurkunde des jüdischen Volkes zu bekennen.“ Tartuffe mag hoffen, was er will; er sollte sich hüten, seine schlechte Sache mit der guten des gesetzestreuen Judentums zu identifizieren. Sicherlich wird er versuchen, unseren Kampf gegen ihn zu einem Angriff auf die Orthodoxie umzudeuten. Das aber müßten instinktlose Juden sein, die nicht zu unterscheiden wüßten zwischen Frömmigkeit und politischem Geschäft, zwischen heiliger Tradition und ausgeklügelter Konstruktion. Das müßten schlechte Juden sein, die Denunziation und Verrat für Mittel zu erneuter Heiligung unseres Volkes halten könnten. Seltsame Orthodoxe müßten das sein, die nicht alles an den Neuaufbau unseres alten Landes zu setzen, die nicht, in voller Wahrung ihrer religiösen Einstellung, noch im letzten Juden den jüdischen Bruder zu erkennen bereit wären! Tartuffe mag sich hüten; am meisten vor der echten. Palästina-begeisterten, die Judenhcit liebende Orthodoxie. An ihre Seite gehört der Misrachi. gehören all die großen Rabbonim, die mit heißem Herzen an der Auferstehung unseres Landes arbeiten. Tartuffe mag sich* hüten, das Palästinawerk zu sabotieren. Als Theodor Herzl wider Mauschel schrieb, warnte er ihn vor dem zweiten Pfeil in seinem Köcher. Der Pfeil ist noch nicht verschossen. Wir wüßten wiederum ein Ziel für ihn. Karl Glaser. * * * Der Verrat der Ägudas Jisroel Agudas .Israel liebäugelt mit General Storrs J e r u s a 1 e m. „Haarez“ meldet, daß Professor de Haan, Vizepräsident der Agudas Jsrael in Jerusalem, an den bekannten Antisemiten General Storrs ein Schreiben mit einer Erklärung gerichtet hat, worin er feststellt, daß er mit jenen, die Storrs’ Rücktritt verlangen, nicht einverstanden ist. Ein Vertreter der antizionistischen Trennungsorthodoxie als Denunziant. Kowno. In der Parlamentskommission für Schul- und Bildungsangelegenheiten, wird gegenwärtig das Projekt der Gründung eines jüdischen Lehrerseminars mit einer hebräischen und jüdischen Abteilung, welches vom Ministerium für jüdische Angelegenheiten dem Parlament vorgelegt wurde, behandelt. Um die Stellungsnahme der jüdischen Parteien zu diesem Projekt kennen zu lernen, wurden von der Kommission Experten aus dem Lager der Hebraisten, Jüdischisten und Orthodoxen zur Einvernahme vorgeladen. Während die Vertreter der Hebraisten und Jüdischisten ihren Standpunkt sachlich klarlegten, hielt es der Vertreter der Orthodoxen, N. P. Getz, für notwendig, in einer längeren Rede zu beweisen, daß die Hebraisten und Jüdischisten staatsgefährliche Elemente sind, deren Forderungen von Staatswegen abzulehnen sind. Er erklärte, daß die Jüdischisten den Kreisen deir Kulturliga, die stark bolschewikisch gesinnt ist, angehören. Die Hebraisten dagegen kümmern sich nur um Palästina und hätten für das Land, in diem sie gegenwärtig wohnen, gar kein Interesse. Zur Bekräftigung dieses Beweises führte er den Umstand an. daß der gegenwärtige jüdische Minister Dr. Solowejtschik, der ein Zionist ist, seinen Posten veirläßt, um nach London zu gehen und dort für den Zionismus zu arbeiten, da er für Litauen kein Interesse habe. Getz, der zur Zarenzeit beim Wilnaer Gouvernement als „uezonyi Jewrei“ („gelehrter Jude“, Referent für jüdische Angelegenheiten) angestellt war, zählt jetzt zu den Führern der Agudas-Jisroel in Litauen. Mit seiner Denunziation vor der Kommission hat er aber wenig Glück gehabt, da ihn der Vorsitzende jedesmal an seine Pflicht als Experte erinnert und aufgefordert hat, nur zum Thema zu sprechen. Die gesamte jüdische Bevölkerung Litauens ist über dieses unverantwortliche und denunziatorische Vorgehen empört. Besser Taufe als Zionismus» Der Israelit schreibt in seiner Nummer vom 12. Januar u. a.; „Denn die im Indifferentismus großgewordene Jugend fällt heute entweder der Taufe anheim, oder, wenn sie jüdisches Rassebewußtsein daran hindert, findet sie im religionslosen Zionismus ein willkommenes Surrogat für die geistigen Güter, um die die Schwäche oder die Überhebung ihrer Väter sie gebracht hat...... Die größere Gefahr für die gesetzestreue Gesamtheit des jüdischen Volkes bildet in unseren Tagen dennoch nicht der Liberalismus, sondern der Nationalismus.“ Kann man die Verantwortungslosigkeit noch weiter treiben? Hier wird die Taufe fast freudig begrüßt, wenn sie Juden aus Kreisen der Indifferenz verhindert, Zionisten zu werden! Das neue Palästina Was ist bisher in Palästina erreicht worden? Welche Möglichkeiten hat das Land? Kann ernsthaft mit der Begründung einer jüdischen Heimstätte gerechnet werden? Die Diskussion über 'dies Thema hat eine Ausdehnung angenommen, wie nie zuvor. Alle jüdischen Kreise, auch die früher ganz indifferenten, versuchen sich Klarheit darüber zu verschaffen. In dem Augenblick, in dem die deutsche Judenheit durch Beteiligung am Keren Hajessod ihren Willen zum Palästinaaufbau kundtut, erscheint nun in der „Deutschen Bergwerkszeitung“, einem in Kreisen der Großindustrie stark gelesenen, täglich erscheinenden Fachblatt, ein Aufsatz über „Das neue Palästina“, der schon wegen der Person seines Verfassers, Herrn Hans Ernst, von Interesse _ ist. Seine Ausführungen zeigen klar und deutlich, wie die bisherige Palästinaarbeit in dien Augen eines außenstehenden, aber gut orientierten Nichtjuden aussieht und was er sich von der Weiterarbeit verspricht. Die Stelle, an der sie erschienen, ist ein Beweis dafür, daß die deutsche Industrie ihre Aufmerksamkeit wiederum Orientfragen zuzuwenden beginnt und daß ihr Palästina von besonderer Wichtigkeit zu sein scheint.

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