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Das jüdische Echo · 1922-01-20 · 3 (20.1.1922) · p. Seite 36

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
3 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 3 36 falls ‘wieder für Irrigationszwecke Verwendung finden und das Ghor, das heute im großen und ganzen noch öde und unbelebt daliegt, einer neuen Zukunft entgegenfiibren. Es ist kein Märchen, daß beispielsweise Herodes bei seiner prachtvollen Winterresidenz Jericho Zuckerrohr hatte anbauen lassen; und moderne Forscher wie Palmer, Schumacher und Fischer haben die günstigen klimatischen Verhältnisse der Jordansenke bestätigt. Zusammenfassend kann jedenfalls gesagt werden, daß das Land seinen größten Reichtum in sich birgt, indem bei * richtiger Bewirtschaftung des Wassers (Quellen, Zisternen, Wasserfälle, Flüsse usw.) unendliche Energien gewonnen und in Form von elektrischem Strom oder als fruchtbare Irrigationswässer nutzbringend verwertet werden können. Ganze Haine von Dattelpalmen, Öl-, Feigen- und Maulbeerbäumen werden dem Landschaftsbild ein gartenähnliches Gepräge verleihen; Pfirsiche, Aprikosen, Apfelsinen und Melonen wird Palästina künftig auf die europäischen Märkte bringen, ganz abgesehen von Sesam, Eukalyptus und Tabak, die als Handelsgewächs noch eine besondere Bedeutung haben. Obwohl England zum größeren Teil den Einfuhrmarkt von Palästina beherrscht, machen in letzter Zeit Amerika, Holland und Italien angestrengte Versuche, den englischen Kaufleuten den Rang abzulaufen, während Deutschland zunächst noch zögernd abwartet. Der wirtschaftliche Aufschwung Palästinas ist aber gerade für den deutschen Export bemerkenswert, weil in der letzten Zeit der Antidumping- und Schutzzollbewegung dort keinerlei Sonderbestimmungen und Beschränkungen für die deutsche Einfuhr bestehen. Gesucht sind insbesondere Eisenwaren, Werkzeuge, Baumaterial und Haushaltungsgegenstände, also Waren, die Deutschland in großen Mengen liefern kann; verboten ist lediglich der Import von Munition, Opium, Salz und einigen Medikamenten. An Zoll werden 11 Prozent des Wertes erhoben, auf Baumaterialien 3 Prozent, während Reisegut zollfrei ist. So liegen also die Verhältnisse in dem bisher wenig beachteten Palästina relativ günstig, und es kann als ein erfreuliches Zeichen begrüßt werden, daß führende deutsche Konzerngesellschaften wie Siemens, Deutsche Werke A.-G., Hirsch Kupfer- und Messingwerke, Hecht, Pfeiffer & Co. kürzlich besondere Interessenvertretungen für Palästina errichtet haben. Zudem ist bemerkenswert, daß die Dampfer der Deutschen Levante- Linie und der Deutschen Orient-Linie regelmäßig die Häfen von Jaffa und Haifa anlaufen. Prof. Weizmanns Rückkehr nach London Ehrenabend im Hause des Generalkonsuls Eugen Landau. Der Präsident der Zionist. Weltorganisation, Prof. Weizmann, hat Berlin verlassen, um nach London, seinem ständigen Wohnsitz, zurückzukehren. In den letzten Tagen seines hiesigen Aufenthaltes wurden dem Repräsentanten der zionistischen Bewegung noch mannigfache Ehrungen von zionistischer und nichtzionistischer Seite dafgebracht. Bemerkenswert ist vor allem ein Ehrenabend, den Generalkonsul Eugen Landau in seiner Wohnung für Prof. Weizmann veranstaltete, und zu dem hervorragende Persönlichkeiten des deutschen öffentlichen Lebens — Minister, Staatssekretäre, Abteilungsdirektoren des Reichsministeriums des Auswärtigen, Vertreter der Wirtschaftswelt und Publizisten — geladen waren. Unter den Gästen befanden sich neben anderen; Reichsjustizminister Professor Radbruch, Reichsminister a. D Exzellenz Deirnburg, der neue deutsche Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, Staatssekretär Prof. Becker vom preußischen Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, Ministerialdirektor Gneist, Gesandter von M u t i us , Ministerialdirektor Koepke, der Referent für die Türkei u. Palästina, Geh, Legationsrat Padel, Wirkl. Legationsrat v. Kuhlmann, Legationsrat Söhring, Referent für diie deutschen Schulen im Auslände, Legationsrat Prüfer, Prof. Sobernheim und Konsul Hoff mann. Die Finanz- und Industriewelt war durch Geheimrat Dr. C a r o, Direktor E 1 s t ä 11 e r. Siegm. Hirsch. Kommerzienrat Gerson Simon, Direktor Kurt S o b e r rill e im und Konsul Walter Sobernheim vertreten, die deutsche Publizistik durch Dr. Guttinann, den Berliner Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung“. Von zionistischer Seite waren außer Prof. Weizmann erschienen: Dr. Feiwel. der Direktor des Keren Hajessod, Rechtsanwalt R o s e n b 1 ü t h , der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie die des Berliner Bureaus der Zionistischen Exekutive, Dr. Jacobson, Dr. H a n t k e und Julius Berger. Die Reihe der Reden eröffnete Prof. Sobernheim, indem er in prägnanter Weise diie Entwicklung der Palästina-Kolonisation bis zum Ausbruch dies Weltkrieges darlegte. Seine Ausführungen, die eine gründliche Kenntnis der gesamten jüdischen Politik und eine objektive Bewertung der einzelnen politischen Richtungen innerhalb des Judentums verrieten, waren für die Anwesenden eine instruktive Einleitung zu dem darauffolgenden Vortrag von Professor Weizmann. Von den Einwirkungen des Krieges auf die Zionistische Organisation ausgehend, schilderte Weizmann die einzelnen Phasen der neuen Kolonisation, ihre bisherigen Erfolge und ihre Ziele. Der Redner charakterisierte, die bestehenden Schwierigkeiten und erläuterte, wie die tätige Solidarität des Judentums sie überwinden könne. Der starke Eindruck, den Weizmanns Ansprache auf die Anwesenden machte, wird am ehesten i'Iustriert, wenn man den wesentlichen Inhalt der Rede wiedergibt, die Reichsfinanzminister a. I). I) e‘r n b u r g im weiteren Verlauf des Abends hielt. Dernburg, der bekanntlich diie deutsche Koloniaipolitik in ihrer wichtigsten Periode leitete, legte in großen Zügen seine kolonisatorischen Erfahrungen dar, verglich die früheren Kolonisationsmethoden mit den gegenwärtigen und schloß, indem er mit Nachdruck betonte, daß jeder gebildete Deutsche mit der Tätigkeit und dem Ziel der Zionistischen Bewegung sympathisiere. Nachdem Dr. J. S t r a u ß kurz erwidert hatte, vervollständigte Dr. Feiwel in seiner Eigenschaft als Mitglied des Zionistischen Finanz- und Wirtschaftsrates Dr. Weizmanns Mitteilungen, wobei er vornehmlich auf diie Methoden der Geldaufbringung für das Kolonisationswerk und auf das wachsende Interesse der Juden in allen T eilen der Welt am Aufbau des neuen, Palästina einging. Der politische Teil des wohlgelungenen Abends hatte damit seinen Abschluß gefunden. (Ziko) .1 Feuilleton Der bösartige Vogel Von Moror. Der Vogel war weitaus der Beste von der ganzen Klasse, obwohl er bloß ein unscheinbares, kränklich aussehendes Kerlchen war und am

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