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Das jüdische Echo · 1922-01-20 · 3 (20.1.1922) · p. Seite 33

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
3 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
Seite 33 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 33 nie sichiern könnten, und der die Maasserforderunjg des Keren Hajessod, die Beteiligung: aller Juden braucht, um Wirklichkeit zu werden. Die Spitzen des Reiches, Reichspräsident, Reichskanzler, Auswärtiges Amt erkannten die politische und menschliche Bedeutung dieses großen Juden und handelten danach. Das liberale Judentum ließ sich von der historischen Wucht des Augenblicks, der zwei Jahrtausende lang vergeblich Ersehntes möglich macht, ergreifen, verzichtete auf Bedenken und Parteiinteressen und will die Mittel aufbringen helfen, die Palästina braucht. Der „Israelit“ aber schreibt: „Daß die Herren Ebert und Wirth in der Lage, in der sich Deutschland heute befindet, von jeder Freundschaft gerne Gebrauch machen und eine immerhin über internationale Beziehungen von einigem Gewicht verfügende Organisation durch kostenlose Liebenswürdigkeiten bereitwillig erfreuen, läßt sich begreifen und ist vom Standpunkt der deutschen Außenpolitik zu billigen. Erstaunlich scheint uns nur, daß die Rückwirkung nach innen, die Wirkung auf die Stellung der deutschen Judenheit innerhalb Deutschlands, offenbar in keiner Weise erwogen worden ist. Die deutsche Judenheit lehnt in ihrer übergroßen Mehrheit die politische Bevormundung durbh den Zionismus mit aller Entschiedenheit ab; sie erblickt in Herrn Weizmann einen sicherlich sehr talentierten und ideal gesinnten Stammesgenossen, aber in keiner Weise ihren politischen Führer, noch viel weniger ihren religiösen. Wenn die Berliner jüdische Großgemeinde trotzdem, zum Erstaunen aller denkenden orthodoxen und liberalen jüdischen Kreise im Lande, Herrn Weizmann ebenfalls einen offiziellen Empfang bereitet und damit den Zionisten vorzügliches Material zu ihrer Stimmungsmache geliefert hat, so sind wir sicher, daß hier lediglich die sprichwörtliche politische Naivität einiger Berliner Vorstandsmitglieder liberaler Richtung vor der überlegenen Rührigkeit der zionisischen Kollegen den kürzeren gezogen hat. Wären sich die Berliner Gemeindeführer nicht zionistischer Gesinnung der Konsequenzen ihrer Handlungen auch nur im entferntesten bewußt, so hätten sie sich sagen müssen, daß sie mit ihrem Verhalten der antisemitischen Theorie und den „deutschvölkischen“ Juden um Naumann die glänzendsten Argumente in die Hände spielen. Aber diese sogenannten „Führer“ sagen sich überhaupt nichts. Sie sind imstande, vormittags um 11 Uhr den „Souverän“ des jüdischen Volkes, Herrn Chaim Weizmann, huldigend zu begrüßen und nachmittags um 3 Uhr mit der gleichen Unschuld zu erklären, es existiere gar kein jüdisches Volk, sondern nur eine mosaische Konfession.“ Was für Tiraden über zionistische List und nichtzioniistische Dummheit! Welche Fürsorge für die armen Liberalen, die nicht wissen, was sie tun! Welche Identifizierung mit Anschauungen, die der „Israelit“ sonst als unjüdisch zu verdammen pflegt! — Hat nicht Tartuffe, wenn’s opportun erschien, die Fahne der nationalen Idee hoch genug flattern lassen? Hat er nicht den Volksged'anken betont wie ein Zionist, wenn’s der Ehrlichkeit fordernden Agudahjugend gegenüber nicht zu vermeiden war? Hat er nicht oft und oft miit dem Begriff des „Gottesvolkes“ die Einzigartigkeit und Auserwähltheit Israels unter den Nationen zu erweisen, die Kluft zwischen Juden und Nichtjuden zu vergrößern gesucht? Wenn’s auch Tartuffe vergessen will, wir wissen es noch. Er sollte sich bescheiden. Um den jüdischen Liberalismus hat er sich nicht so verdient gemacht, daß er ihm Ratschläge und Anweisungen erteilen dürfte. Er haßt und fürchtet die Zionisten; er haßt und verachtet die Liberalen. Bis zu welchem Grade, zeigt der' Aufsatz des „Israelit“, wenn weiter darin gesagt wird: „In. Berlin galt es für Weizmann nicht weiniger als drei Gruppen der jüdischen Bevölkerung zu erobern: das Gemüt der „neutralen“ Jugend, der als Surrogat für das mangelnde positiv-religiöse Ideal das nationale manchmal willkommenen Ersatz bietet, ferner das intellektuelle Interesse der durch den Antisemitismus verärgerten jüdischen Professoren für die hebräische Universität und endlich das Geld der philanthropischen Assimilanten für den Keren Hajessod.“ Assimilanten — auch für den „Israelit“ ein Schimpfwort — sind für Tartuffe Geheimrat Stern und Professor Kalischer, Geheimrat Timendorfer und Rabbiner Baeck, Oskar Wassermann und Generalkonsul Landau. Verärgerte Professoren: Albert Einstein, Eugen Mittwoch, Adolf Goldschmidt. Religionslose Jugend: Alfred Apfel, Cora Berliner und all die jungen Menschen hinter ihnen. Wer, als Nichtzionist, den Keren Hajessodaufruf unterschreibt, ist, nach Ansicht des „Israelit“, ein unzurechnungsfähiger Depp; unfähige Dummköpfe leiten nach seiner Meinung den deutsch-israelitischen Gemeindebund, die U.O.B.B.- Logen, den Rabbinerverband, die Jugendvereine, all die Kultusgemeinden, deren Vorstände sich für den Palästinaaufbau einsetzen; schnell überredete Schwächlinge sind — der „Israelit“ deutet es an

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