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Das jüdische Echo · 1922-01-13 · 2 (13.1.1922) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
2 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 23 Zentral verein und Palästina In einem Rückblick auf die Hauptversammlung des „Zentralvereins“ schreibt der Syndikus Dr. Holländer in der Zeitschrift „Im Deutschen Reich“: „Man hat behauptet, der Zentralverein sei der geschworene Feind der öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina. Auch dieses ist falsch. Wir bekämpfen allerdings jeden Nationalismus, jede völkische Überspannung, mag sie im deutsch- oder iim jüdisch-völkischen Sinne ihren Ausdruck finden. Wir im Zentralverein sehen aber die Dinge mit ungetrübtem Blick und fühlen die Last der Verantwortung, die auf uns ruht. Jetzt, wo unsere jüdischen Institute in Deutschland verdorren, unsere Rabbiner in kümmerlichsten Verhältnissen leben, ein großer Teil unserer Lehrer hungert, erscheint es uns nicht an der Zeit, daß Millionen unserer schlechten Mark ins Ausland wandern, die wir im Vaterlande zum Wiederaufbau und zur Erhaltung unserer wichtigsten Einrichtungen notwendig gebrauchen.“ Der Zentralverein stellt also offiziös die Gegnerschaft gegen das Palästinawerk in Abrede. Es kommt nun darauf an, daß demgemäß überall gehandelt wird. — Freilich zeigen die Äußerungen des Herrn Dr. Holländer bei allem Wohlwollen, daß man noch nicht begriffen hat, wie sehr es darauf ankommt, keine Zeit zu verlieren, will man nicht das Ganze gefährden. Immerhin — der Palästinagedanke ist auch im Zentralverein auf dem Marsche. Aus der jüdischen Welt Deutschland „Die Weisen von Zion“. Achad Haam hat gegen die Redaktion des „Völkischen Beobachters“ in München Privatklage wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht München erhoben. Der „Völksiehe Beobachter“ brachte vor einiger Zeit einen Artikel, in dem die verleumderische Behauptung aufgestellt wurde, daß Achad Haam Verfasser der berüchtigten Protokolle sei, die unter dem Titel „Die Weisen von Zion“ erschienen sind. Aus dem gleichen Grunde hat Achad Haam gegen den Grafen Reventlow beim Amtsgericht Berlin-Mitte die Beleidigungsklage eingereicht. Die Werwölfe in Bremen. In der hiesigen Umgegend, bis nach Verden und Hoya, treiben merkwürdige Menschheitsbeglücker ihr Wesen. Es handelt sich um eine neue Errungenschaft der an „originellen“ Werbegedanken so erfinderischen Antisemiten. Äußerlich marschieren die „Werwölfe“, die für einen neuen Krieg Propaganda treiben, unter der Orgeschfahne. Sie bezwecken also die weitere Zerrüttung Deutschlands, indem sie einerseits zum Ungehorsam gegen die Regierung, andererseits zu neuem Kampfe gegen die Entente auffordern. Um das Maß der Torheiten voll zu machen, predigen diese neuen „Apostel“, zu denen ein streitbarer Geistlicher und ein aus dem Baltenland hier gestrandeter Rechtsanwalt gehört, den Kampf gegen die Juden. Um den Leuten, den Bauern, Handwerkern, die nur ihre Ruhe wollen, ihre alten Phrasen schmackhafter zu machen, erzählen sie diesen zum Teil naiven Gemütern Räubergeschichten von dem Werk der russischen „Juden“ Trotzki, Lenin usw. Er verlohnt sich nicht, auf all das ungereimte Zeug einzugehen, was diese „Wahrheitssucher“ ihrem Publikum erzählen. Das ist alles schon hundertmal widerlegt worden: daß die Juden die Revolution gemacht, daß sie Lenin durch Deutschland gelassen, daß sie die Zwangswirtschaft eingeführt hätten. Nur ein Schandmärchen soll hier niedriger gehängt werden, um die Herren „Werwölfe“, die so ernst genommen werden wollen und sich doch nur lächerlich gemacht haben, zu charakterisieren. Nach der Darstellung des Balten ließ Trotzki- Braunstein „45 Mann aus 45 000 Streikenden herausgreifen, um sie durch seine Chinesentruppe zentimeterweise zu Tode peinigen zu lassen. Splitternackt wurden diese 45 ausgezogen und auf nägelbeschlagenen Latten festgebunden. Sodann wurden glühend heiße Tongefäße auf deren nackte Leiber gestellt und unter jedes heiße Tongefäß eine hungrige Ratte gepackt, die sich, wahnsinnig vor Schmerz durch den Leib des Unglücklichen hindurchfraß.“ Die Herren scheinen ja gut zu wissen, was sie von sich selbst zu halten haben, wenn sie sich „Werwölfe“ nennen. Palästina ' Versetzung des Generals Storrs? Jerusalem. (J. C. B.) „Haarez“ zufolge sollen in der Verwaltung Palästinas wichtige Veränderungen bevorstehen. Palästina soll in vier Verwaltuugskreise eingeteilt werden, und zwar: 1. Jerusalem, Jaffa und Umgebung, 2. Sichern (Nablus), 3. Haifa und 4. Tiberias. Durch diese Einteilung werden viele Beamten überflüssig und werden in andere englische Mandatsgebiete abkommandiert werden. General Storrs, der bisherige Gouverneur von Jerusalem, soll in die Verwaltung des Sudan versetzt werden. Verringerung der britischen Garnison. London. (J. C. B.) Wie wir erfahren, wird die englische Garnison in Palästina verkleinert werden. Die Zahl der Truppen soll im Laufe des Jahres 1922 auf ein Drittel des gegenwärtigen Standes herabgesetzt werden. Hingegen soll die DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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