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Das jüdische Echo · 1922-01-13 · 2 (13.1.1922) · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
2 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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20 Das Jüdische Echo Nr. 2 in Worten der Unzufriedenheit über die Erfolge seiner Arbeit, während er für den Geist und die Methoden der zionistischen Siedlungen in Ausdrücken des Lobes und der Zuversicht sprach. Er führte etwa folgendes aus: Obzwar seine Arbeit für Palästina schon vierzig Jahre dauere, seien in dieser Zeit die Bauern in den Kolonien noch immer nicht selbständig geworden, und übersenden ihre Gesuche um Tilgung der Defizite, um Darlehen für verschiedene Zwecke und um Zuwendungen aller Art. Die Kolonisten müßten wirkliche Bauern sein und ihre Söhne an die Scholle fesseln, das sei die hauptsächliche Vorbedingung wirtschaftlichen' Gedeihens. Wenn die neuen Ghaluzim mit 20 bis 30 Grosh täglich auskommen können, sollten dies die bereits Akklimatisierten erst recht können, fuhr der Baron mit immer stärkerer Erregung fort. „Keinen Heller mehr an die alten Kolonien. Den neiren wende ich mich hilfreich zu, den Galuthfliichtlingen, die in Palästina Asyl suchen, die kein Brot und keine Kleidung haben. Was ich für Rischon le Zion und Sichron Jakob vor 40 Jahren getan habe, werde ich auch für cre neuen Kolonien tun, unter der Bedingung, daß sie im Boden verwurzeln und ein Geschlecht von richtigen Bauern im vollsten Sinne des Wortes heranziehen.“ Zum Schluß kam der Baron auch auf die Araberfrage zu sprechen und betonte, daß es stets sein Hauptziel war, Eintracht zwischen Arabern und Juden herzustellen. Seine Beamten hätten diesbezügliche Weisung erhalten, weshalb auch die Araber bei verschiedenen Arbeiten beschäftigt werden sollten, ln diesem Sinne stimme er auch der Politik des High Commissioner vollkommen bei. Am Schluß erklärte noch der Baron, daß sein Alter von 76 Jahren ihm kaum noch das Reisen gestatte, jedoch sei es nicht ausgeschlossen, daß er trotzdem noch zu Beginn des kommenden Jahres Palästina besuchen werde. Immerhin sei sein Sohn fähig, seine Arbeit mit verdoppelter Energie fortzusetzen. Freunde und Gegner des jüdischen Palästina in England Professor Patrik Geddes über „Jerusalem im neuen Palästina“ ln dem berühmten Marshall College bei! Aberdeen (Schottland) hielt neuerdings Professor Patrik Geddes von der Universität Bombay einen ausführlichen Vortrag über „Jerusalem im neuen Palästina“. Geddes war bekanntlich in dem letzten Jahren damit beschäftigt, Pläne für den Aufbau palästinensischer Städte auszuarbeiten. Sein Vortrag war außerordentlich stark besucht und der Rektor des College, Sir George Adam Smith, erklärte in seiner Begrüßungsansprache, daß das auf diese Weise bekundete Interesse der schottischen Öffentlichkeit die aufrichtige Sympathie des Landes für den Wiederaufbau Palästinas bekunde. Prof. Geddes stellt die Befreiung Palästinas von der türkischen Herrschaft als eine Mission dar, deren hauptsächliche Bedeutung in der Wiedercrschließung des Landes für das Volk Jsraels liege. Die gegenwärtige Aufbauarbeit verlange allerdings die Hingebung eines ganzen Volkes; aber wenn man nur die bisherigen Ergebnisse im Lande selbst betrachte, werde man zuversichtlich in die Zukunft schauen. Wo im letzten Jahrhundert kleine jüdische Ackerbaukolonien gestanden seien, befänden, sich gegenwärtig blühende Dörfer und Farmen, besonders in der Meeresebene und am Fuße des Karmel. Diese Arbeit habe die europäische Meinung von der ausschließlich kaufmännischen Eignung des Juden vollends ad absurdum geführt. Die jüdischen Kolonisten in Palästina führten schon heute bedeutende Erträgnisse ihrer Wein-, Oliven-, Mandel- und Orangenplantagem nach Ägypten aus. Geddes besprach dann einzelne Unternehmungen der neuen Einwanderer. Besondere Bedeutung legte er dem bekannten Projekt bei, das die Schaffung elektrischer Kraftanlagen in verschiedenen Teilen des Landes vorsieht und von den britischen Zentralbehörden bereits genehmigt ist. Die unmittelbar bevorstehende Verwirklichung dieser Pläne sei von doppelter Bedeutung. Einmal schaffe sie breiten Spielraum für gewinnbringende jüdische Unternehmungen, dann aber trage sie wesentlich zur friedlichen Durchdringung des Landes bei, weil sie den arabischen wie den jüdischen Bewohnern wachsenden Wohlstand verheiße. Der Vortragende erläuterte dann die Baupläne für Jaffa und Haifa, die beiden Hauptseehäfen Palästinas, und für Tiberias, wo die berühmten Bäder des Hemdes einer völligen Erneuerung entgegengehen. Die Unstimmigkeiten in Palästina. Ein Gegner des „National home“ über den Konflikt zwischen der englischen Administration und der jüdischen Bevölkerung in Erez Jsrael. Eine hochgestellte Persönlichkeit der britischen Regierung, die offenbar den Kreisen des antisemitischen Generals Storr in Jerusalem und; gewissen arabisch-ägyptischen Zirkeln nahesteht, gab einem Vertreter der J. P. Z. die folgenden Erklärungen ab, die — da sie aus dieser Quelle stammen — sehr kennzeichnend sind für die Stärkung der jüdischen Stellung in Palästina. — Dennoch ist die Frage der britischen Administration eine schwierige. Ihre für uns günstige Lösung hängt wie alles andere vom Ausmaß und Tempo unserer Leistung ab. „Für die Verwaltung in Palästina wurden größtenteils mit dem Osten vertraute britische Beamte ausgewählt, die mit Arabern gearbeitet haben und eine mehr oder weniger größere Kenntnis der Araber und ihrer Sprache besaßen. Der Zionismus hingegen ist ein verhältnismäßig neues und einzigartiges Experiment. Die Mehrzahl der britischen Beamtenschaft begreift diese Konzeption noch nicht und kann sich nur allmählich an diese Bewegung gewöhnen. In dem Bestreben, die Wünsche seiner Regierung zu erfüllen, mußte mancher Beamte eine große Zahl seiner arabischen Freunde, die die Balfour-Deklaratiion ablehnten, aufgeben. Nachdem die britischen Beamten auf diese oder jene Weise große Opfer in Palästina brachten, hätte man erwartet, daß sie jedwede mögliche Unterstützung seitens der zionistischen Autoritäten und von den Zionisten inner- und außerhalb Palästinas erhalten würden. Dies ist jedoch durchaus nicht der Fall. Für die extremen Zionisten, die allgemein vom russischen Flügel geleitet werden, genügt das Dazwischenkommen irgend einer Krisis, um über die Beamten, die noch tags zuvor von den Arabern als projüdisch kritisiert wurden, herzufallen. Die jüdischen Zeitungen läuten Sturm in jeder Art von Denunziation und Verleumdung. Diese Angriffe werden von der arabischen Presse übernommen und so wird das Gefühl der Unsicherheit und Unzufriedenheit verlängert, als dessen Resultat der Handel stillsteht und die Touristen und Pilger verscheucht werden. Die Zionisten sollten sicherlich wissen, daß jede Art Propaganda, die zu einem solchen Stand der

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