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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 89)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 615 Aktien zusammen 3 Direktoren. Die zion. Organisation gewährt der Bank ein Darlehen von 30 000 £ sofort, 9000 £ im Laufe des ersten Jahres, weitere 10 000 £ in der nächsten Zeit. Die gesamte Summe als Darlehen. Die zion. Organisation wird stets soviel Aktien kaufen —t vom Darlehen — wie die arbeitenden Menschen ihrerseits aufgebracht haben, sodaß sich das Kapital! dCr Bank stets um so viel verdoppelt, wie von außen her Aktien umgesetzt werden. Es wird dann der Moment kommen, wo das Darlehen sich selbst erledigt hat. Die Vertreter, der Arbeiter-Organisationen im Direktorium sind die Herren E. Blumenfeld, Twerski, Katznelson, Sprinzak. Außerdem entsendet die zion. Organisation einen Direktor — als Generaldirektor —•, 3 Direktoren werden von den Aktionären gewählt Ich habe in meinen Ausführungen kurz dargelegt, wie notwendig es ist, diese Bank zu schaffen und ihr die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Schaffen wir diese Möglichkeit, dann wird sich über ganz Palästina ein Netz von Darlehenskassen und Konsumgenossenschaften ausbreiten, was zur gesunden wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas führen wird. Unsere jungen Freunde und Brüder, die hinaufgehen nach- Palästina, haben durch die Beschaffenheit Palästinas schon genügend Hindernisse zu übersteigen, daß es nicht notwendig ist — kalt und unberührt — auch ihnen noch die materiellen Sorgen schlimmster Art zu überlassen, durch die der Aufbau Palästinas gefährdet wird. An alle Leser wende ich mich nun: Lassen Sie sich durch die schwankende Valuta nicht beeinflussen, geben Sie der Bank die Möglichkeit gesunder wirtschaftlicher Entwicklung, indem Sie Aktien für diese Bank zeichnen. Sie haben die Verantwortung für den Aufbau Palästinas. —» Zionist oder Nichtzionist — Sie können sich dieser Verpflichtung nicht entziehen — zeichnen Sie. Leo Satonower. Um Angaben von Adressen an das Jüdische Echo wird gebeten, damit Besuch erfolgen kann. Nach auswärts würde ich Zeichnungsscheine senden, Landrichter Mendes Von M o r o r Die Judengemeinde von Steinsfeld befand sich in freudiger Erregung. Die Lützelburgische Regierung hatte sich endlich zur Anstellung jüdischer Staatsdienstanwärter entschlossen und Steinsfeld zum Wirkungskreis des ersten jüdischen Landrichters ausersehen. Dabei war neben der Rücksicht auf die Bekämpfung notorischer Mißstände im dortigen Handelswesen der Umstand bestimmend gewesen, daß gegen den bisherigen Landrichter seitens einiger jüdischer Parteien Klagen wegen angeblich ungerechter Behandlung eingelaufen waren. Diese Beschwerden waren, wie die Staatsregierung wußte, unbegründet. Der Landrichter war streng, aber gerecht. Wenn er jüdische Wucherer hart anfaßte, so geschah es, weit sie Wucherer, nicht, weil sie Juden waren. Auch pflegte er ihre zahlreichen christlichen Artgenossen nicht glimpflicher zu behandeln. Im Gegenteil! .Er war, wenn er einen jüdischen Sünder vor sich hatte, eher geneigt, diesem zu gute zu halten, daß hinter den Mauern des Ghettos neben manchem anderen auch der Charakter bei ihnen verkümmert war. Im übrigen konnte Jedermann seine Unbefangenheit schon daraus erkennen, daß er täglich im Cafe Germania mit dem Tierarzt — und dem Rabbiner tarockte. Wenn die Lützelburgiische Staatsregierung trotzdem seine Versetzung verfügte, so geschah es, um sowohl dem loyalen wie dem minder loyalen Teil ihrer jüdischen Untertanen jeden weiteren Vorwand zu Klagen zu entziehen. Die Juden von Steinsfeld erkannten diese gute Absicht denn auch dankbar an und sahen der Ankunft des neuen Landrichters mit freudiger Spannung entgegen. Man wußte von diesem in Steinsfeld zunächst nichts weiter, als daß er Mendes heiße, einer hochangesehenen Kaufmannsfamilie entstamme und den Staatskonkurs mit Auszeichnung bestanden habe. Allein schon der Umstand, daß er als erster den Wall von Vorurteil überwunden hatte, der bisher der Anstellung befähigter Juden im Staatsdienste entgegen gestanden war, hätte ihm die Sympathien der Juden von Steinsfeld gesichert. Der Zeitpunkt seines bevorstehenden Eintreffens war irgendwie in der Stadt bekannt geworden, und so ließen es sich mehrere männliche und weibliche Mitglieder der Gemeinde nicht nehmen, sich am Bahnhof einzufinden, um die Ersten zu sein, die ihn begrüßten. Diese Neugierigen kamen, wie sie gestehen mußten, nicht ganz auf ihre Rechnung. Sie erzählten nachher, der Landrichter Mendes habe mit eisiger Kälte die ihm zugedachte Blumenspende ab gelehnt, und er unterscheide sich von anderen Landrichtern, die nicht Mendes heißen in nichts, als in dem sichtbaren Bestreben, sich in nichts von ihnen zu unterscheiden. So verhielt es sich in der Tat Der Landrichter Mendes war ein mittelgroßer, hagerer Mann mit einer Habichtsnase, der streng und ernst in die

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