Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Article
- Original - Ungeschnitten
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
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Nr 46 Das Jüdische Echo 585 Am Schluß der Vormittagsitzung gab der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eine Erklärung zu Ludendorffs neuem Buch „Kriegführung und Politik“ ab, in dem der Vorwurf erhoben wurde, der Zionismus habe die Stellung des deutschen Volkes im Krieg untergraben und sich schon im Frieden mit England zwecks Erwerbung Palästinas verbunden. Rechtsanwalt Rosenblüth bezeichnete diese Behauptung als Verleumdung; es werde General Ludendorf! schwer fallen, auch nur den Schatten eines Beweises dafür zu erbringen. Die zionistische Politik sei vor und im Kriege stets vom Standpunkt absoluter Neutralität und in voller Loyalität und Öffentlichkeit geführt worden; die Kabinette beider Parteien hätten von unseren Verhandlungen gewußt. Das einzige Ziel der zionistischen Politik sei gewesen, Palästina zur Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen, gleichgültig wer als Sieger aus dem Weltkrieg hervorgehen würde. Tatsächlich sei dieses Kriegsziel als einziges bisher unbestritten gebLieben. — Es müsse auf die Erklärungen des deutschen Unterstaatssekretärs von der Bussehe-Haddenhausen während des Krieges und auf das Bestehen des Pro Palästina- Komitees hilngewiesen werden, dem Politiker von Westarp bis Ledebour angehörten und das noch nach dem Kriege eine Entschließung zu Gunsten des jüdischen Palästina veröffentlicht habe. Schluß der Vormittagsitzung 1 Uhr. Die Nachmittagsitzung. Als erster Redner zur Generaldebatte sprach Rabbiner Dr. Schlesinger-Buchau. Er wendet sich gegen falschen Radikalismus. Wer ein guter Zionist sein wolle, müsse erst ein guter Mensch und ein guter Jude sein. Heut bekämpfe man Binjan Haarez — mit dem er sich übrigens nicht identifiziere — weil er für den Beitritt zur Organisation nichts fordere als Anerkennung des Basler Programms. Zugleich gingen leitende Zionisten Mischehen ein oder zeigten nicht genug Interesse für die hebräische Bewegung, um selbst hebräisch zu lernen. Er, Redner, sei wie die Referenten für energische Durchführung des Keren Hajessod; man dürfe aber nicht in falscher Großzügigkeit auf kleinere Spenden verzichten. Für die verstreut wohnenden Zionisten müsse gesargt werden. Ob, wie es ein Antrag des Vorstandes verlange, ihre Zuzählung zur nächsten Ortsgruppe zu empfehlen sei, müsse dahingestellt bleiben; man solle es ihnen überlassen, ob sie sich nicht lieber dem Gruppenverband selbst unterstellen und an diesen zahlen wollen. Zu ihrer zionistischen Ausbildung seinen alljährlich 3—5tägige Kurse zu empfehlen, die an den Hauptorten des Gruppenverbandes stattfinden sollten. Man solle sich mehr um Württemberg kümmern, wo die Arbeit freilich sehr schwer sei. (Beifall.) Lichtenauer-München : Die jüdische Erziehung in den Ortsgruppen sei mangelhaft. Man solle die Einrichtung hebräischer Kurse von den Gemeinden verlangen. Die Absicht des Sekretariats, ein Palästinahandbuch 'herauszugeben, sei ein Eingriff in Aufgaben der J.V.f.D. Man müsse eine stärkere Berücksichtigung Münchens sowohl von Berlin als auch von Nürnberg fordern. Der Sekretär müsse viel öfter in München sein. Auch sollten mehr als bisher führende Persönlichkeiten des Weltzionismus den Gruppenverband besuchen. Etien ne B a s ch - M ii n c h e n verliest namens der zionistischen Jugend die bereits veröffentlichte Erklärung; Paul Grünbaum-München: Die Arbeit in München sei unbefriedigend. Schuld daran seien die Mitglieder der Münchener Ortsgruppe, nicht der Sekretär, ohne den überhaupt nichts geleistet worden wäre. Redner schildert die von ihm gegründete Chaluzimfürsorge in München. Es sei ihm gelungen, Geld dafür aus allen Kreisen, auch von der Gemeinde zu erhalten. Es handle sich hier um eine Arbeit, die unmittelbar zionisierend wirke. Herr Grünbaum weist auf die trostlose Lage der in Ingolstadt internierten Ostjuden hin. um deren Befreiung sich außer ihm niemand kümmere, verlangt für jüdische Landarbeiter in der Umgebung Münchens geistige und materielle Hilfe und schildert die s. E. ungenügende Arbeit des Berliner Palästinaamts. Er verpflichte sich, persönlich der Münchener Ortsgruppe unter den Ostjuden zahlreiche Mitglieder zu werben, wenn nur eine befriedigende zionistische Tätigkeit garantiert werden könne. Dr. Gutmann-München : Ortsgruppenarbeit sei nicht nur auf Ortsgruppenversammlungen, sondern am besten in kleinen Zirkeln von 5—6 Leuten zu leisten, zu dienen man auch Nichtzionisten zuziehen könne. Redner schildert seine Erfahrungen auf diesem Gebiet. Natzler-Regensbuirg schildert die unerquicklichen Zustände in seiner Gruppe. Glaser-Nürnberg: Die Arbeit im Gruppenverband sei trotz der Klagen des Herrn Natzler im letzten Jahr wesentlich fortgeschritten. Wo sie schlecht stände, hätten die ortsansässigen Zionisten schuld, die sich weder am Keren Hajessod beispielgebend beteiligten, noch zu anderer Arbeit bereit seien. Redner wendet sich gegen die Hoffnung auf zionistische „Kanonen“. Wo es keine Zionisten gäbe, die von Tag zu Tag. von Stunde zu Stunde arbeiten, könnten auch sie nicht helfen. Er dankt den Zionisten, die, wie Herr Lion und andere jederzeit zur Verfügung standen. Dr. Weiß-München geht auf die Chaluzimfürsorge und die Arbeit des Blau-Weiß und anderer Jugendorganisationen ein. Justizrat Dr. Fränkel - Misrachi weist auf die Leistungen der Münchener Ortsgruppe vor allem beim Wahlkampf hin. Man solle nicht zu bescheiden sein. Er vertraue auf die Kraft unserer Sache. Zionismus seil eine beneidenswerte Weltanschauung. Der Antisemitismus könne den Zionisten nichts anhaben. R. - A. Felix Rosenbliith-Berlin: Der Gruppenverbandstag sei über Erwarten gut verlaufen. — Jetzt gelte es in der Diaspora und Palästina weiterzuarbeiten. Möglichkeiten seien vorhanden. Die Amerikaner hätten die Aussichten in Amerika sehr günstig beurteilt. Gelänge dort die Aktion, so gäbe es kein finanzielles Problem mehr. Der schwerste Schlag, der den deutschen Zionismus getroffen habe, sei, daß man noch immer keinen genügenden Kontakt mit Palästina habe. Daran trügen die außerordentlich ungünstigen Valutaverhältnisse teilweise die Schuld. Heute sei Arbeitsfähigkeit und Ausbildung das wesentlichste Kapital, das deutsche Zionisten nach Palästina hinüberbringen könnten. Der Wert in Deutschland gut ausgebildeter Jugend für Palästina sei, wie Dr. Ruppin erklärt, sehr beträchtlich. Vielleicht werde es in einigen Jahren auch für Familien möglich sein, nach Palästina zu gehen und dort zu existieren. —