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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 57)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 583 überfüllt, auch die Presse war vertreten. Man bemerkte u. a. den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde München, Herrn Oberlandesgerichtsrat Neumeyer, den Gemeinderabbiner Herrn Dr. Baerwald, die Mitglieder des Kultusvorstandes. Geheimrat Professor Dr. Frankenburger, Justizrat Beer und Dr. Oestreich. Zum Präsidenten des Gruppenverbandstages wurde Rechtsanwalt Dr. Straus-München, zu Vizepräsidenten Julius Strauß-Bamberg und Jakob Fränkel-München gewählt. Als erster Referent nahm der Sekretär des Gruppenverbandes, Redakteur Glaser-Nürnberg das Wort zu seinem Vortrag über „Der Zionismus in Bayern und Württemberg, seine Arbeit und seine Aufgaben“. Das Referat des Herrn Glaser ist teilweise aus dem Rechenschaftsbericht in Nr. 44 des Jüdischen Echo bekannt. — Redner ging kurz auf die geistige und seelische Struktur des bayerischen Judentums ein und zeigte, wie es auf die drei großen Tatsachen der letzten Jahre, die zionistischen Erfolge, die Einwanderung der Ostjuden und den mit überraschender Heftigkeit hereinbrechenden Antisemitismus reagierte. Das süddeutsche Judentum sei verwirrt und erschüttert. Der Zionismus habe die Aufgabe, sich als „aufbauende Revolution“ zu bewähren. Es käme alles darauf an, die Einfügung der Ostjuden in das süddeutsche Judentum zu bewirken. Daher verlangte Redner den Eintritt der Ostjuden in die allgemeinen jüdischen Organisationen. Besonders wichtig sei die Einwirkung auf die westjüdische und ostjüdische Jugend. Hier ließe sich neuerdings deutlich eine Entwicklung zum nationalen Judentum erkennen. Das Tempo solcher Entwicklung sei natürlich abhängig von der Lage in Palästina, aber Palästina sei auch abhängig von der Lage in der Diaspora. Deshalb müssen wir von Ortsgruppen und einzelnen Zionisten hingehende Arbeit verlangen. Zentralstellen wie das Nürnberger Sekretariat können nur anregen, nirgends die ganze Last der Aufgabe tragen. Aber wenn überall Einige sind, die sich als verantwortliche Mitarbeiter fühlen, so würden Menschen, wie wir sie brauchen, erzogen, die nötigen Mittel aufgebracht werden. Unsere Arbeit unter Nichtzionisten habe Erfolge gehabt. — Zionisten und Nichtzionisten hätten Anspruch darauf, daß der Zionismus an allen gemeinsamen Arbeiten der Judenheit bestimmenden Anteil nimmt. Daher beteiligten wir uns an den Gemeinden; freilich wäre es nicht möglich, in Gemeinden an verantwortlicher Stelle mitzuarbeiten, in denen die Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Arbeit nicht erfüllt seien. — Im Kampfe gegen den Antisemitismus ständen wir an der Seite eines jeden, der diesen Kampf würdig und wirksam durchzuführen bereit ist. Redner verweist auf die positiven Erklärungen des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung auf dem 17. Delegiertentag über unser Verhältnis zum Staat und unsere Anteilnahme am Leben des Staatsvolkes. Aber diese zugegebene Verknüpfung mit dem Staat, in dem wir wohnen, könne das Bewußtsein unserer Besonderheit und der sich daraus ergebenden Verpflichtungen nicht beeinträchtigen. — Palästina werde das Kulturzentrum sein, von dem die Diaspora neues Leben erhalten werde. Ich glaube an die Möglichkeit der Arbeit hier, ich glaube an die Möglichkeit der Arbeit in Palästina, ich glaube an die nationale Entwicklung weiter Kreise der Nichtzionisten — aber ich glaube auch, daß der Sieg von unserer zionistischen Hingabe und Leistung abhängen wird. (Lebhafter Beifall.) Im Anschluß an sein Referat begründet der Redner Anträge des Gesamtverbandsvorstandes. Dr. Straus dankt dem Sekretär für sein Referat und erklärt, daß die Arbeit, die von ihm geleistet worden sei, zur Dankbarkeit verpflichte. Als zweiter Referent nimmt Dr. Nußbaum- Niirnberg das Wort zu seinem Vortrag über den Keren Hajessod. Der Redner ging auf die Geschichte des Keren Hajessod ein, verlas die Beschlüsse der Londoner Jahreskonferenz und behandelt ausführlich die Auseinandersetzungen über das Wesen des Keren Hajessod. Es habe viele Vertreter des Gedankens einer nationalen Anleihe gegeben, aber auch — besonders in Amerika — Befürworter der Ansicht, den Keren Hajessod in einen Spendenfonds und einen Anlagenfonds zu teilen. Jetzt sei der Keren Hajessod ein Mittelding zwischen Spendenfonds und nationaler Anleihe. — Seine Kraft und dauernd! wachsende Wirkung habe er vor allem der Maaßerforderung zu danken, durch die ein uraltes jüdisches Prinzip zu neuem Leben erweckt worden sei. Herr Dr. Nußbaum schilderte nun eingehend die Entwicklung des amerikanischen Konflikts und beleuchtete vor allem die inneren Gründe, die es Männern wie Brandeis unmöglich machten, auf die Dauer als Zionisten zu wirken und Geld zu beschaffen. Er schilderte den Ausgang der Kontroverse, die mit einer Niederlage Brandeis’, der sich weder auf die finanzkräftigen deutschen Juden in Amerika, noch auf die ostjüdischen Massen

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