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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 56)
Language
German
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582 Das Jüdische Echo Nr. 46 handelt? Enthielt nicht das Buch Theodor Herzis vom Judenstaat in seiner Auflage von 1918 ein Vorwort Otto Warbnrgs, das in späteren Auflagen — hin, hm! — fehlt! Daß spätere Auflagen nicht erschienen, was das Vorwort enthielt, sagt der Herr General nicht! Hat nicht der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im Jahre 1921 den Beschluß gefaßt, daß „der Sitz der Exekutive entsprechend den gegenwärtigen politischen, organisatorischen und finanziellen Ergebnissen London sein solle?“ Gab es nicht Juden in Deutschland, die sich der Baflourdekiaration schon während des Krieges freuten? Und beweisen nicht Aussprüche Lloyd Georges, Balfours, vor allem aber die, zwar von gegnerischer Seite angezweifeiten „Weisen von Zion“, daß.... Kurz und gut: Verrat, finsterer, tückischer Verrat! Aber nirgends, nein nirgends ein Wort klaren Beweises für unerhörte Vorwürfe! Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, Bemerkungen, entstellt, und verdächtig gemacht — aber nie Tatsachen, nie auch nur der Versuch einer Nachprüfung! Kein Wort davon, daß die zionistische Organisation während des Krieges eine Politik völliger Öffentlichkeit, absoluter Loyalität der Neutralität nach allen Seiten führte. Die Zionisten bluteten in den Heeren ihrer Staaten; die Leiter der Bewegung verhandelten mit den Leitern ihrer Länder um ein, nur ein Kriegsziel, das wir den Zufälligkeiten des Krieges und Sieges zu entziehen trachteten, um die jüdische Heimstätte in Palästina, die unser Volk brauchte, um nicht vollends unterzugehen. Das mußten Sie wissen und sagen, Herr General, Sie wissen, daß deutsche Staatsmänner unser Verhalten billigten und wir erinnern Sie an die Erklärung des deutschen Unterstaatssekretärs von der Bussche—Haddenhausen für die jüdische Heimstätte. Sie mußten wissen, daß im Kriege und nach dem Kriege ein deutsches Pro Palästina- Komitee bestand, dem Politiker von Westarp bis Ledebour angehörten, und das noch 1919 für unser einziges Kriegsziel eintrat.... Sie wollen das alles nicht wissen, Herr General. Die Juden haben Sie um den sicheren Sieg gebracht. Die Juden haben die Niederlage verschuldet, nicht Sie. Ein Held sind Sie, ein Siegfried, den tückische Hinterlist fällte. Und der, UriglücK und Schande überwindend, das verratene Volk allein wieder zu Freiheit und Glück zurückführen kann. Sie wollen herrschen. Was kommt es Ihnen, um dies Ziel zu erreichen, auf Glück, Ehre, Leben von ein paar hunderttausend Menschen an? Sie wußten doch wohl auch von den Armeniermetzeleien? Sie gaben doch wohl Ihre Zustimmung zur Fahrt Lenins nach Rußland? Sie wollen herrschen. Was stört Sie eine Lüge mehr oder minder? Wir haben Ihre Bulletins, die den Geist des Volkes betören sollten und ihn schließlich zersetzten, noch nicht vergessen! — Wären wir die Raubtiere, als die Sie uns schildern, hätten wir nur einen 'Feil der Macht, die Sie ode ff. Herrenschneiderci Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise V. Brann&Cie., MOneben Mduhaut&rttr. 15/1, gegen- Ober der alten Akadsmla Sport uns andichten, auch nur ein wenig des Willens, zur Macht — Sie und Ihre Freunde vom Miesbacher Anzeiger und Völkischen Beobachter, Ihre ganze Lumpengarde dürfte so nicht sprechen! Und nicht verfaulten die Leichen Hunderttausender von Juden auf dem blutigen Boden der Ukraine. Wir wollen nicht herrschen. Wir wollen in Frieden unser Land erbauen, nicht zuletzt als Zufluchtsstätte vor Ihnen und Ihresgleichen. — Nur Sie wollen herrschen, einst über die Welt, jetzt über das arme deutsche Volk, dessen Verzweiflung Ihnen für Ihre Agitation gerade recht ist. Wir wissen nicht welche Regierungsform der Augenblick erfordert, Monarchie oder Republik, Demokratie oder Diktatur. Aber Diktatoren müssen, soll nicht ewiger Fluch sie treffen, Männer reinen Wüllens, heldenhafter Größe sein. Sie aber lügen, Herr General. Beweisen Sie Ihre Behauptungen oder wundern Sie sich nicht, wenn man Sie, aller Soldatenehre bar, für einen Verbrecher hält, der mit eigener Schuld Unschuldige belastet. Karl Glaser Der Zionistenfag in München Die Versammlung Die öffentliche Tagung am Abend des 5. November war sehr gut besucht. — R.-A. Dr. Straus, Vorsitzender der zionistischen Ortsgruppe München, begrüßte die Erschienenen, vor allem den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, R.-A. Rosenblüth-Berlin, und den Vorsitzenden des Grupp enverbandes, Dr. Meinhold Nußbaum- Nürnberg, gab bekannt, daß die israelitische Kultusgemeinde München den Verhandlungen guten Erfolg wünsche und erteilte nach einigen Worten des Herrn Dr. Nußbaum Herrn R.-A. Rosenblüth das Wort zu seinem Referat: „Der Aufbau Palästinas und das Weltjudentum.“ Ausgehend von den großen politischen Erfolgen des Zionimus gab der Redner eine Darstellung der gegenwärtigen Lage der Bewegung. Die Zustände in Palästina seien unbefriedigend. Gelänge es, stabile Verhältnisse zu schaffen, so würde auch das Araberproblem viel von seiner Gefährlichkeit verlieren. — Auf neue San Remos dürfe man nicht hoffen. Nicht durch Hilfe von außen, nur durch unsere Kraft könne Palästina aufgebaut werden. Der Kongreß habe ein Budget aufgestellt, dessen Durchführung gesichert werden müsse. An der Aufbringung der Mittel hätten sich alle Juden zu beteiligen. Die Unterstützung des Keren Hajessod liege nicht nur in zionistischem Interesse. Wie solle man die Aufnahme ostjüdischer Massen in irgendein Land verlangen, wenn man diese Gelegenheit zur Kolonisation vorüber lasse? — Amgabe der Zionisten sei es, in der Hingabe von Mitteln vorbildlich zu sein und die Jugend zu stellen, die Palästina durch ihre Arbeit aufbauen werde. (Lebhafter Beifall.) Nach einer mit starkem Beifall aufgenommenen Rede des Sekretärs des Gruppenverbandes, Herrn Redakteur Glaser, schloß die Versammlung, die der zionistischen Ortsgruppe einige neue Mitglieder zu geführt hatte. Die Verhandlungen Am Sonntag, den 6. November, vormitt 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Gruppenverbandes, Herr Dr. Nußbaum-Nürnberg, die eigentlichen Verhandlungen. Aus München, Nürnberg, Bamberg, Würzburg, Regensburg, Buchau, Floß, Fischach und Augsburg waren Delegierte erschienen. Der Zuhörerraum war während des ganzen Tages Nr. 46 Das Jüdische Echo 583 überfüllt auch die Presse war vertreten. Man bemerkte u. a. den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde München, Herrn Oberlandesgerichtsrat Neumeyer, den Gemeinderabbiner Herrn Dr. Baerwald, die Mitglieder des Kultusvorstandes, Geheimrat Professor Dr. Frankenburger, Justizrat Beer und Dr. Oestreich. Zum Präsidenten des Gruppenverbandstages wurde Rechtsanwalt Dr. Straus-München, zu Vizepräsidenten Julius Strauß-Bamberg und Jakob Fränkel-München gewählt. Als erster Referent nahm der Sekretär des Gruppenverbandes, Redakteur Glaser-Nürnberg das Wort zu seinem Vortrag über „Der Zionismus in Bayern und Württemberg, seine Arbeit und seine Aufgaben“. Das Referat des Herrn Glaser ist teilweise aus dem Rechenschaftsbericht in Nr. 44 des Jüdischen Echo bekannt. — Redner ging kurz auf die geistige und seelische Struktur des bayerischen Judentums ein und zeigte, wie es auf die drei großen Tatsachen der letzten Jahre, die zionistischen Erfolge, die Einwanderung der Ostjuden und den mit überraschender Heftigkeit hereinbrechenden Antisemitismus reagierte. Das süddeutsche Judentum sei verwirrt und erschüttert. Der Zionismus habe die Aufgabe, sich als „aufbauende Revolution“ zu bewähren. Es käme alles darauf an, die Einfügung der Ostjuden in das süddeutsche Judentum zu bewirken. Daher verlangte Redner den Eintritt der Ostjuden in die allgemeinen jüdischen Organisationen. Besonders wichtig sei, die Einwirkung auf die westjüdische und ostjüdische Jugend. Hier ließe sich neuerdings deutlich eine Entwicklung zum nationalen Judentum erkennen. Das Tempo solcher Entwicklung sei natürlich abhängig von der Lage in Palästina, aber Palästina sei auch abhängig von der Lage in der Diaspora. Deshalb müssen wir von Ortsgruppen und einzelnen Zionisten hingebende Arbeit verlangen. Zentralstellen wie das Nürnberger Sekretariat können nur anregen, nirgends die ganze Last der Aufgabe tragen. Aber wenn überall Einige sind, die sich als verantwortliche Mitarbeiter fühlen, so würden Menschen, wie wir sie brauchen, erzogen, die nötigen Mittel aufgebracht werden. Unsere Arbeit unter Nichtzionisten habe Erfolge gehabt. — Zionisten und Nichtzionisten hätten Anspruch darauf, daß der Zionismus an allen gemeinsamen Arbeiten der Judenheit bestimmenden Anteil nimmt. Daher beteiligten wir uns an den Gemeinden; freilich wäre es nicht möglich, in Gemeinden an verantwortlicher Stelle mitzuarbeiten, in denen die Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Arbeit nicht erfüllt seien. — Im Kampfe gegen den Antisemitismus ständen wir an der Seite eines jeden, der diesen Kampf würdig und wirksam durchzuführen bereit ist. Redner verweist auf die positiven Erklärungen des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung auf dem 17. Delegiertentag über unser Verhältnis zum Staat und unsere Anteilnahme am Leben des Staatsvolkes. Aber diese zugegebene Verknüpfung mit dem Staat, in dem wir wohnen, könne das Bewußtsein unserer Besonderheit und der sich daraus ergebenden Verpflichtungen nicht beeinträchtigen. — Palästina werde das Kulturzentrum sein, von dem die Diaspora neues Leben erhalten werde. Ich glaube an die Möglichkeit der Arbeit hier, ich glaube an die Möglichkeit der Arbeit in Palästina, ich glaube an die nationale Entwicklung weiter Kreise der Nichtzionisten — aber ich glaube auch, daß der Sieg von unserer zionistischen Hingabe und Leistung abhängen wird. (Lebhafter Beifall.) Im Anschluß an sein Referat begründet der Redner Anträge des Gesamtverbandsvorstandes. Dr. Straus dankt dem Sekretär für sein Referat und erklärt, daß die Arbeit, die von ihm geleistet worden sei, zur Dankbarkeit verpflichte. Als zweiter Referent nimmt Dr. Nuß bäum- Nürnberg das Wort zu seinem Vortrag über den Keren Hajessod. Der Redner ging auf die Geschichte des Keren Hajessod ein, verlas die Beschlüsse der Londoner Jahreskonferenz und behandelt ausführlich die Auseinandersetzungen über das Wesen des Keren Hajessod. Es habe viele Vertreter des Gedankens einer nationalen Anleihe gegeben, aber auch — besonders in Amerika — Befürworter der Ansicht, den Keren Hajessod in einen Spendenfonds und einen Anlagenfonds zu teilen. Jetzt sei der Keren Hajessod ein Mittelding zwischen Spendenfonds und nationaler Anleihe. — Seine Kraft und dauernd! wachsende Wirkung habe er vor allem der Maaßerforderung zu danken, durch die ein uraltes jüdisches Prinzip zu neuem Leben erweckt worden sei. Herr Dr. Nußbaum schilderte nun eingehend die Entwicklung des amerikanischen Konflikts und beleuchtete vor allem die inneren Gründe, die es Männern wie Brandeis unmöglich machten, auf die Dauer als Zionisten zu wirken und Geld, zu beschaffen. Er schilderte den Ausgang der Kontroverse, die mit einer Niederlage Br and ei.s\ der sich weder auf die finanzkräftigen deutschen Juden in Amerika, noch auf die ostjüdischen Massen ZeMfmamskj erren -J/ccler? if./ivr/stiy//afyjij!/7adefjv\ ^Jieruraffrcißre

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