Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Article
- Original - Ungeschnitten
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 561 in Kürze seinem Beispiel folgen. Kann das Verschwinden der Lehrerbildungsanstalten der deutschen Judenheiit gleichgültig sein? Wohl mag man der Meinung sein, daß die Aufgabe, weiche bisher 5 preußische Seminare erfüllt haben, künftighin auch von 2 preußischen Anstalten gelöst werden kann. Sicher ist aber, daß das einzige in Süddeutschland befindliche Seminar, das bislang die Gemeinden ganz Süddeutschlands und eines großen Teils Mitteldeutschlands mit jüdischen Lehrern versorgt hat, nicht entbehrt werden kann, wenn eben diese Gemeinden fernerhin noch Beamte haben wollen, welche das Judentum lehren und die Jugend dem Väteirglauben zuführen sollen. Das Aufhören der Würzburger Anstalt würde auch um deswillen für das deutsche Judentum eine unausfüllbare Lücke zurücklassen, weil gerade die Würzburger Anstalt bisher die größte Zahl von jüdische Lehrern und Beamten ausgebildet hat. Die Bedeutung Würzburgs als Lehrerbildungs- Stätte ist gerade auch iin den letzten Jahren deutlich in die Erscheinung getreten. Mit Kriegsende schien es fast, als ob der Zugang zum jüdischen Lehrerberufe aufgehört hätte. Die Würzburger Anstalt wies jedoch selbst in der Zeit des größten Tiefstandes im Zugänge zum Lehrerbeiruf eine Frequenz auf, welche nur unwesentlich hinter dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte zuirückblileb. Gegenwärtig zeigt der Zugang in den bayerischen Lehrerbildungsanstalten eiine steigende Tendenz. Insoweit die Frage des Schülermaterials in Betracht kommt, dürfte also für die Zukunft des Würzburger Seminars keinerlei Befürchtung bestehen. Hingegen droht die Finanzlage den Bestand der Anstalt iin Frage zu stellen. Neben den Bedürfnissen für eine zeitgemäße Besoldung der Seminar- Angestellten erheischen namentlich die Zuschüsse zur Verpflegung der Zöglinge im Internat immer höhere Summen. Es ist ja genugsam bekannt, daß der Zugang zum jüdischen Lehrerberufe zu einem guten Teile aus Kreisen rekrutiert, denen die Bestreitung der gesamten Ausbildungskosten aus eigener Tasche namentlich in der gegenwärtigen Zeit nicht leicht fällt oder gar unmöglich ist. Soll die Würzburger Anstalt weiterhin den Gemeinden jüdische Lehrer und Beamte zuführen, so muß die Anstalt auch finanziell in die Lage versetzt werden, daß sie den an sie herantretenden gesteigerten Anforderungen gerecht werden kann. Die jüdischen Gemeinden sind es, für welche die Anstalt arbeitet. Droht aber das von Jahr zu Jahr angewachsene Defizit der Anstalt den Untergang — und der Zeitpunkt des Zusammenbruchs Liegt in greifbarer Nähe, wenn nicht gründlich Wandel geschaffen wird — dann würden die Gemeinden die Folgen in Form eines empfindlichen Lehrermangels sehr rasch am eigenen Leibe verspüren. Daß es dazu nicht komme, liegt im Interesse der jüdischen Gesamtheit. Wem die Zukunft des Judentums in den deutschen Gemeinden am Herzen liegt, der sorge nach Kräften für die Finanzierung der Lehrerbildung. Jüdisches Leben in der Diaspora Jüdische Berufsumschichtung — auch in Südafrika „Ich begrüße aufs wärmste die Bewegung, die sich besonders in Deutschland zeigt: die jungen Leute schon vor ihrer Auswanderung nach Palästina mit der Landwirtschaft vertraut zu machen. Diese Bestrebungen müssen in anderen Ländern nachgeahmt und von den Zionisten dieser Länder als ein wichtiger Teil ihrer Tätigkeit im Galuth gefördert werden.“ Diese Worte sprach Dr. Arthur Ruppin, der Leiter der zionistischen Wirtschaftspolitik, vor dem Plenum des Karlsbader Kongresses, und er berührte mit ihnen ein Problem, von dessen Lösung der Erfolg und die Dauer der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina in nicht geringem Maße abhängt. Gemeint ist die Frage der jüdischen Berufsumschichtung, die neuerdings weite Kreise des Judentums — des zionistischen wie des nichtzionistischen — mit wachsendem Interesse erfüllt. Es braucht hier nur an die Gesellschaft „Ort“ erinnert zu werden, deren letzte Weltkonferenz in Berlin (31. Juli bis 3. August d. J.) gezeigt hat, was eine planmäßig geleistete Arbeit auf diesem Gebiete zu leisten vermag. Auch das „A r b eiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands“ konnte dem Judentum durch Förderung des Umschichitungsgedankens produktive Hilfe von bleibendem Wert schaffen. Beide Körperschaften wirken aber vornehmlich, das Arbeiterfürsorgeamt sogar ausschließlich, auf europäische Juden ein, während in den außereuropäischen Teilen der Diaspora bisher noch keine organisierte Umschichtung zu beobachten war. Jetzt wird aus Südafrika berichtet, daß sich auch dort die gleiche Erscheinung geltend macht, woraus hervorgeht, daß die Umschichtungsbewegung doch nicht auf Europa beschränkt geblieben ist, sondern auch in Ländern Raum gewinnt, deren jüdische Zentren weder durch den Weltkrieg noch durch Pogrome heimgesucht sind. Die erste Siedlung jüdischer Einwanderer in Südafrika war, wie überall zur Zeit des großen jüdischen Wanderstromes, rein städtischer Natur. Die Juden suchten hauptsächlich die Städte auf, widmeten sich dem Handel und den freien Berufen und haben auf beiden Gebieten Bleibendes geschaffen. Seit einigen Jahren — so schreibt ein Korrespondent des „Jewish Guardian“ — DAS HAUS KREII-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN