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Das jüdische Echo · 1921-12-30 · 52 (30.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
52 (30.12.1921)
Article
Original - Ungeschnitten
Date
1921-12-30
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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560 Nr. 44 Das Jüdische Echo die besonders in Bayern in einem wichtigen Stadium ihrer Entwicklung steht. — Noch mancherlei wäre zu erwähnen, so die wesentliche Unterstützung, die uns das Keren Hajessodbüro durch die Reisen Blumenfelds in unserem Bezirk angedeihen ließ. — Wir glauben aber, Im Großen und Ganzen hiermit einen Überblick über unsere Arbeit und unsere Lage gegeben zu haben. — Eine Verbesserung ist möglich; sie erfordert freilich angespannte Mitarbeit aller. — Mögen wir daran denken, daß wir auch im Kleinen für Zion arbeiten. Karl Glaser Die Wahlen zum Gruppenverbandstag Die Wahlen zum Gruppenverbandstag fanden in der Ortsgruppe München am Samstag, den 29. Oktober, statt und ergaben folgendes Resultat. Delegierte; 1. Etienne Basch, 2. Justin Lichtenauer, 3. Dr. J. Schäler, 4. Jos. Schachno, 5. Paul Grünbaum, 6. Jakob Fraenkel, 7. Dr. B. Weiß. Ersatz delegierte : 1. Dr. Gutmann, 2.Theo Harburger, 3. Dr. J. Siegel, 4. Dr. Adler, 5. Ludwig Wind, 6. Arth. Rosenbaum, 7. Rieh,. Hotrowitz. Ferner wurden gewählt: Vom Misrachi: Justizrat Dr. Fraenkel. Vom Blau-Weiß: Fritz Bloch (mit Sitz ohne Stimme). Von Verbindung im K.J.V. Jordania: Herr Dipl.- Ingenieur Fritz Löwy (mit Sitz ohne Stimme). Vom Jüd. Turnverein Bar Kochba: Gustav Meyerstein. Aus Würzburg: Dr. Nürnberg. Aus Bamberg: Julius Strauß. Aus Buchau: Rabbiner Dr. Schlesinger (Sitz ohne Stimme). Aus Floß: Fritz Bloch (Sitz ohne Stimme). Chaluzimfürsorge in München Während der Zeit der Einreisesperre in Palästina sammelten sich größere Gruppen von Chaluzim in den Palästinaämtern Europas, in Warschau, Riga, Wien, Triest, Berlin, Konstantinopel an, die auf die Aufhebung der Sperre und die Musterung durch die Herren General Moris und Mindel warteten. Dem überwiegenden Teile der Gruppen wurde, wie bekannt, die Einreise genehmigt und das Visum erteilt. Da München Durchfahrtsort nach Triest für Palästinawanderer aus Rußland, Polen, Litauen, Finnland und Deutschland ist, sahen wir uns veranlaßt, eine Chaluzimfürsorgestelle zu schaffen, die den fast wöchentlich durchkommenden größeren Gruppen beim Umsteiigen behilflich ist, ihnen Plätze reserviert und Erfrischungen darreichen läßt. Es ist uns gelungen, für unsere Tätigkeit jüdische Kreise aller Richtungen zu interessieren und die Erkenntnis zu verbreiten, daß es sich hier um allgemein jüdische und menschliche und nicht nur um zionistische Pflichterfüllung handelt. Mit großer Opferwilligkeilt wird am Bahnhof Hilfe geleistet. Ein gut organisiertes Frauenkomitee aus allen Kreisen der Münchener Judenheit führt die Verpflegung musterhaft durch. Spenden laufen von Ost- und Westjuden ein. Auch die Israelitische Kultus gemeinde hat unserer Fürsorge einen größeren Betrag zur Durchführung der Hilfeleistung zur Verfügung gestellt und schickt des öfteren Vertreter zum Empfange der Chaluzim an die Bahn. Selbst wenn, was wir sehr hoffen, die PalästinaWanderung in stärkerem Maße als bisher 'einsetzen sollte, glauben wir unsere Aufgabe bewältigen zu können. Wir nehmen an. bei dem allgemeinen Verständnis, das man uns entgegenbringt, bald in der Lage zu sein, durch stets neu zuströmende Kräfte unser Fürsorgewesen noch weiter auszubauen, um allen Anforderungen Genüge tun zu können. Wie wir hören, bestehen in Salzburg und Triest ähnliche Organisationen, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, unseren Pionieren den Abschied von Europa freundlich zu gestalten. Die Dankbriefe, die wir aus Palästina erhalten, zeigen deutlich, mit welcher Dankbarkeit unsere Arbeit aufgenomimen wird. Es wäre wünschenswert, daß in. allen größeren Orten, die Palästinawanderer passieren, ähnliche Organisationen geschaffen würden, um den solange und mit Schwierigkeiten Reisenden einige Erfrischung bieten zu können. Man werfe nicht ein, es seien zu wenige da, die helfen können. Eine Angelegenheit wie diese muß jedes Juden, gleich welcher Richtung, Ehrenpflicht sein. Paul Grünbaum Lehrblldungsanstalten und Lehrermangel Die wirtschaftlichen Nöte der Zeit haben alle Anstalten, welche auf öffentliche Wohltätigkeit aufgebaut sind, in eine schwierige Lage gebracht. Am greifbarsten ist die Folge dieses Notstandes bei den jüdischen Lehirerseminarien in Deutschland in die Erscheinung getreten: Das Seminar in Kassel hat vor Jahresfrist seine Tore geschlossen, weitere preußische Schwesternanstalten werden 8 8 L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 8 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass Nr. 44 Das Jüdische Echo 561 in Kürze seinem Beispiel folgen. Kann das Verschwinden der Lehrerbildungsanstalten der deutschen Judenheiit gleichgültig sein? Wohl mag man der Meinung sein, daß die Aufgabe, weiche bisher 5 preußische Seminare erfüllt haben, künftighin auch von 2 preußischen Anstalten gelöst werden kann. Sicher ist aber, daß das einzige in Süddeutschland befindliche Seminar, das bislang die Gemeinden ganz Süddeutschlands und eines großen Teils Mitteldeutschlands mit jüdischen Lehrern versorgt hat, nicht entbehrt werden kann, wenn eben diese Gemeinden fernerhin noch Beamte haben wollen, welche das Judentum lehren und die Jugend dem Väteirglauben zuführen sollen. Das Aufhören der Würzburger Anstalt würde auch um deswillen für das deutsche Judentum eine unausfüllbare Lücke zurücklassen, weil gerade die Würzburger Anstalt bisher die größte Zahl von jüdische Lehrern und Beamten ausgebildet hat. Die Bedeutung Würzburgs als Lehrerbildungsstätte ist gerade auch in den letzten Jahren deutlich in diie Erscheinung getreten. Mit Kriegsende schien es fast, als ob der Zugang zum jüdischen Lehrerberufe aufgehört hätte. Die Würzburger Anstalt wies jedoch selbst in der Zeit des größten Tiefstandes im Zugänge zum Lehrerbeiruf eine Frequenz auf, welche nur unwesentlich hinter dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte zurückbliieb. Gegenwärtig zeigt der Zugang in den bayerischen Lehrerbildungsanstalten eine steigende Tendenz. Insoweit die Frage des Schülermaterials in Betracht kommt, dürfte also für die Zukunft des Würzburger Seminars keinerlei Befürchtung bestehen. Hingegen droht die Finanzlage den Bestand der Anstalt iln Frage zu stellen. Neben den Bedürfnissen für eine zeitgemäße Besoldung der Seminar- Angestellten erheischen namentlich die Zuschüsse zur Verpflegung der Zöglinge im Internat immer höhere Summen. Es ist ja genugsam bekannt, daß der Zugang zum jüdischen Lehrerberufe zu einem guten Teile aus Kreisen rekrutiert, denen die Bestreitung der gesamten Ausbildungskosten aus eigener Tasche namentlich in der gegenwärtigen Zeit nicht leicht fällt oder gar unmöglich ist. Soll die Würzburger Anstalt weiterhin den Gemeinden jüdische Lehrer und Beamte zuführen, so muß die Anstalt auch finanziell in die Lage versetzt werden, daß sie den an sie herantretenden gesteigerten Anforderungen gerecht werden kann. Die jüdischen Gemeinden sind es, für welche die Anstalt arbeitet. Droht aber das von Jahr zu Jahr angewachsene Defizit der Anstalt den Untergang — und der Zeitpunkt des Zusammenbruchs liegt in greifbarer Nähe, wenn nicht gründlich Wandel geschaffen wird — dann würden die Gemeinden die Folgen in Form eines empfindlichen Lehrermangels sehr rasch am eigenen Leibe verspüren. Daß es dazu nicht komme, liegt im Interesse der jüdischen Gesamtheit. Wem die Zukunft des Judentums in den deutschen Gemeinden am Herzen liegt, der sorge nach Kräften für die Finanzierung der Lehrerbildung. Jüdisches Leben in der Diaspora Jüdische Berufsumschichtung — auch in Südafrika „Ich begrüße aufs wärmste die Bewegung, die sich besonders in Deutschland zeigt: die jungen Leute schon vor ihrer Auswanderung nach Palästina mit der Landwirtschaft vertraut zu machen. Diese Bestrebungen müssen in anderen Ländern nachgeahmt und von den Zionisten dieser Länder als ein wichtiger Teil ihrer Tätigkeit im Galutli gefördert werden.“ Diese Worte sprach Dr. Arthur Ruppin, der Leiter der zionistischen Wirtschaftspolitik, vor dem Plenum des Karlsbader Kongresses, und er berührte mit ihnen ein Problem, von dessen Lösung der Erfolg und die Dauer der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina in nicht geringem Maße abhängt. Gemeint ist die Frage der jüdischen Berufsumschichtung, die neuerdings weite Kreise des Judentums — des zionistischen wie des nichtzionistischen — mit wachsendem Interesse erfüllt. Es braucht hier nur an die Gesellschaft „Ort“ erinnert zu werden, deren letzte Weltkonferenz in Berlin (31. Juli bis 3. August d. J.) gezeigt hat, was eine planmäßig geleistete Arbeit auf diesem Gebiete zu leisten vermag. Auch das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands“ konnte dem Judentum durch Förderung des Urmschichitungsgedankens produktive Hilfe von bleibendem Wert schaffen. Beide Körperschaften wirken aber vornehmlich, das Arbeiterfürsorgeamt sogar ausschließlich, auf europäische Juden ein, während in den außereuropäischen Teilen der Diaspora bisher noch keine organisierte Umschichtung zu beobachten war. Jetzt wird aus Südafrika berichtet, daß sich auch dort die gleiche Erscheinung geltend macht, woraus hervorgeht, daß die Umschichtungsbewegung doch nicht auf Europa beschränkt geblieben ist, sondern auch in Ländern Raum gewinnt, deren jüdische Zentren weder durch den Weltkrieg noch durch Pogrome heimgesucht sind. Die erste Siedlung jüdischer Einwanderer in Südafrika war, wie überall zur Zeit des großen jüdischen Wanderstromes, rein städtischer Natur. Die Juden suchten hauptsächlich die Städte auf, widmeten sich dem Handel und den freien Berufen und haben auf beiden Gebieten Bleibendes geschaffen. Seit einigen Jahren — so schreibt ein Korrespondent des „Jewish Guardian“ — KRELLUCKO DAS HAU SI%IVMbh~ WT*^^THEATINERSTR.16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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