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Das jüdische Echo · 1921-10-14 · 41 (14.10.1921) · p. Seite 521

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
41 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 521 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 521 erzeugt. Der Gegensatz der Nationen äußert sich vornehmlich als Randspannungsgefühl. Die nationalen Zentren bleilben unberührt. Die Nationen verstehen und würdigen sich in der Fülle ihrer Leistung. Sie hassen sich an der Peripherie ihrer Territorien. Auch der Antisemitismus ist nichts anderes als ein höchst intensives Randspannungsgefühl. Überall bilden die Juden Grenzen, überall berühren sie sich mit den anderen, nirgends gibt es einen Ort, wo jüdisches Leben in unberührter Kraft sich entwickelt, wo die Fülle der Leistungen entsteht, die auch von Fremdesten gewürdigt werden kann. Deshalb ist der Antisemitismus so allgemein und so stark und so schmerzlich für uns. Furchtbar und unerträglich wird im Antisemitismus für uns nicht der Haß, sondern die Verachtung, die unzweifelhaft in ihm liegt. Daß wir allzu fremdartig sind, daß wir dem Orient entstammen, und durch ihn zu einer mit keiner europäischen zu vergleichenden religiös-nationalen Kultur gebildet worden sind, hat ferner mit dazu beigetragen, daß das antijüdische Randspannungsgefühl sich mit Verachtung mischte. Für den europäischen Antisemitismus ist es charakteristisch, daß jede unangenehme Erscheinung des öffentlichen Lebens auf das Konto der Juden gesetzt wird. Die antisemitische Stimmung ist in allen Ländern der Welt gleich. Nur der Ausdruck dieser Stimmung ist verschieden. Die Stärke des Antisemitismus ist zunächst von der Zahl der Juden in einem Lande abhängig. Je mehr Juden vorhanden sind, desto deutlicher ist er. In dem einen Lande schlägt man uns tot. in einem andern kränkt man uns an der Ehre. In einem versagt man uns die formelle Gleichberechtigung oder schließt uns tatsächlich von zahlreichen Berufen aus, in einem anderen, wo Juden jede Staatsstellung erreichen können, sind sie gesellschaftlich boykottiert. Ob man den Antisemitismus spürt, ist immer nur eine Frage des Feingefühls der Juden. Nicht auf die Äußerungen des Antisemitismus kommt es an, sondern auf die innere Stimmung der Umgebung. Der nicht „geradezu lebensgefährliche“, taktvoll verborgene Antisemitismus, den wir nur zu gut kennen, ist nicht weniger schlimm, als der laut lärmende, uns körperlich vernichtende. Nie ist ein Kampf mit schlechteren Mitteln geführt worden, als der sogenannte Kampf gegen den Antisemitismus. Er ist in Wahrheit nichts anderes, als ein Kampf gegen den Semitismus, gegen die jüdische Eigenart der Juden selbst. Man unterschied berechtigten oder unberechtigten Antisemitismus. Berechtigt schien der Antisemitismus gegen die schlechten jüdischen Eigenschaften, und man hielt, in Übereinstimmung mit den Antisemiten, jüdisches Wesen überhaupt für eine schlechte Eigenschaft. Durch dauernde Kapitulation vor dem Antisemitismus suchte man ihn zu besiegen. Feige Mimikry war die erprobteste Waffe in diesem Kampfe. Daß die geistigen Führer des deutschen Volkes größtenteils judenfeindlich empfunden haben, wurde äußerlich bestritten. Der Antisemitismus mußte als eine Seuche dargestellt werden, von der nur anrüchige Elemente befallen werden können. Dennoch aber durfte man sich auch den „vorurteilslosen“ Nichtjuden gegenüber, mit denen man zusammenkam, nicht in prononzierter Weise zu erkennen geben. Auch den Namen Jude legte man ab und empfand es als einen Beweis von Respekt, wenn man schonend als ein Mitbürger mosaischer Konfession bezeichnet wurde. Die Wirklichkeit unserer jüdischen Sonderart ist der wahre Grund des Antisemitismus. Der Antisemitismus ist ein Zeichen dafür, daß wir noch immer eine wirkende Gemeinschaft sind. Unsere Sonderart wird von den anderen empfunden. Somit gibt es auch nur eine Form des Kampfes gegen den Antisemitismus: Uns denen, die uns hassen und verachten, mit unserer jüdischen Eigenart entgegenstellen. Bitte um Schonung wird uns noch verächtlicher machen. Die Garantie, daß man uns in unserer Würde nicht antastet, können nur wir uns durch leidenschaftliches Betonen unserer jüdischen Persönlichkeit schaffen. Auch im Kampfe gegen den Antisemitismus haben wir die große Lehre des Krieges zu beherzigen, daß es nur darauf ankommt, sich durchzusetzen. Das siegende Deutschland wird von niemand in Zukunft ein Barbarenland genannt werden. Das beste Argument gegen alle Verleumdungen sind die aus innerer unbesiegbarer Kraft geborenen Erfolge. Also gibt es gegen den Antisemitismus nur eine Waffe, das Judentum selbst. In dieser Waffe müssen wir Meister werden, mit ihr bewehrt, vermessen wir uns, sogar des jüdischen Antisemitismus Herr zu werden. TSauThallmaier j München S CByii&äanjQ.

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