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Das jüdische Echo · 1921-10-14 · 41 (14.10.1921) · p. Seite 520

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
41 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
Seite 520 (sequence 10)
Language
German
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520 Das Jüdische Echo Nr. 41 lieh albernen Fälschung. Na, jetzt sehen Sie es wohl ein: Gegen die Juden dürfen die antisemitischen Blätter ganz ohne Sorge schreiben, was sie wollen. Es schadet ihnen nichts. Ich meine, es schadet den antisemitischem Blättern nicht. In Frankreich mag die Lächerlichkeit töten. Bei! uns gedeiht man dabei ganz herrlich. Der neue Mitarbeiter: Ich ... ich möchte denken, die Priester, die den Brief ans dem Jahre 1489 mit der Aufschrift „Geliebte Brüder in Mose!“ unbekümmert lasen, beruhigten ihr Gewissen damit, daß dies doch eitne alte Geschichte sei, dile keinerlei Wirkung auf die Verhältnisse der Gegenwart haben kann. Sie hielten daher eine Warnung ... Chefredakteur (mit stolzem Selbstbewußtsein): Oho, mein Lieber! Wenn ich etwas behaupte, so lasse ich mich nicht so leicht widerlegen. Das „Deutsche Volksblatt“ fügte der Versicherung seines Glaubens an die Echtheit dieses Rabbinerbriefes buchstäblich folgende Bemerkung hinzu: „Worauf wollte man überhaupt seine Zweifel stützen? Stellt doch der Brief die jüdische Politik vortrefflich dar, und hält man heute Umschau, so wird man gewahr, daß Jsrael die Regeln gründlichst befolgt hat und befolgt. ,Die Weisen von Zion‘ sind in allen Jahrhunderten aufzuspüren und heute ist mehr denn je ein kräftiger Arm mit einem derben Besen nötig, um die ganze Sippschaft hinauszufegen.“ Aha, jetzt schweigen Sie? Ich wiederhole Ihnen, mein Lieber, und merken Sie sich das, wenn Sie bei uns Karriere machen wollen: Es ist heilige Pflicht eines Christen, wie wir ihn verstehen, gegen die nur von Lug und Trug lebenden Juden, die die Weltherrschaft anstreben, mit allen Mitteln zu kämpfen, die wir aus dem idealen Quell unserer reinen, nur der Wahrheit dienenden Gesinnung schöpfen. Der neue Mitarbeiter: Und was tun die Juden, was können die Juden gegen diese Art ihrer Bekämpfung tun? Chefredakteur: Gottseidank nichts. Die Blätter, in denen sie schreiben, daß man gegen sie Lügen und Fälschungen verbreitet, die lesen die Christen nicht und auch nicht die Antisemiten. Der neue Mitarbeiter (nachdenklich): Jetzt kenne ich mich schon aus: Man darf also, gestützt zum Beispiel auf die „Weisen von Zion“ und den Konstantinopler Rabbiner von 1489, jedem Juden ruhig sagen, daß er ein verworfenes, gefährliches, verbrecherisches Individuum ist, das ... Chefredakteur (unterbrechend): Nein, von jedem darf man das — leider — bei unserer gegenwärtig noch herrschenden veralteten Rechtsordnung nicht sagen und schreiben, das darf man nur von der Gesamtheit der Juden! Der neue Mitarbeiter: Ich verstehe, ich verstehe ... Aber Sie verzeihen ... Herr Chefredakteur ... Sie selbst... glauben Sie ... das heißt... haben Sie geglaubt, was in unserem Blatte von den „Weisen von Zion“ gesagt wurde? Chefredakteur (aufbrausend): Herr, halten Sie mich für einen Trottel? Ich bin Chefredakteur eines antisemitischen Blattes, aber nicht der — „Leser“ eines solchen. (Verkürzte Wiedergabe aus der „Wiener Morgenzeitung“.) Äntisemitismus. Die nachfolgenden Zeilen sind einem vor einigen Jahren in einem von der K. J. V.-Verbindung Maccabaea herausgegebenen Schriftchen Blumenfelds entnommen. Die in ihm vertretenen Ansichten sind so einleuchtend und erklären das Wesen des Antisemitismus in so grundlegender Weise, daß wir es für richtig hielten, sie wenigstens auszugsweise hier noch einmal zum Abdruck zu bringen. Die Ausführungen Blumenfelds werden zeigen, daß jede noch so wirksame Bekämpfung des Antisemitismus nur zur Abwehr dringender Gefahr und zur Beseitigung übler Symptome des Judenhasses führen kann, daß aber die Wurzeln dieses Hasses viel tiefer liegen und daß zu seiner Überwindung nur Maßnahmen führen können, die auf eine Lösung der Judenfrage oder doch auf eine sehr wesentliche Änderung der Gesamtlage der Judenheit hinzielen. Die Schriftleitg. .Was hat es nur in Wahrheit mit diesem Antisemitismus für eine Bewandtnis? Beruht er wirklich auf Gründen und ist er demnach durch Gründe zu widerlegen, ist. er nur eine vorübergehende Welle? Wird er durch die fortschreitende Kultur und Gesittung beseitigt, ist er vielleicht nur eine spezifische Erscheinung gewisser europäischer Länder, während andere von ihm frei sind? Zunächst sei wiederum daran erinnert, daß der Antisemitismus uralt ist, so alt, wie das jüdische Volk. Seine Gründe waren zu allen Zeiten andere. Anders wurde die Judenfeindschaft im Altertum, anders im 19. Jahrhundert begründet. Die Christen meinten, man müsse an den Juden den Tod des Stifters des Christentums rächen, die Juden erklärten, daß diese Gründe der Berechtigung entbehren, und führten Beweise, daß sie an jenem Tode unschuldig seien. Aber ehe es ein Christentum gab, regte sich aus verschiedenen Gründen im römischen Imperium die Judenfeindschaft. Heute suchen die jüdischen Assimilanten die Gründe des Antisemitismus in kulturellen und vornehmlich in wirtschaftlichen Erscheinungen und bieten alles auf, die neu erkannten Gründe zu entkräften. Sie reden von der Entstehung des Antisemitismus, von seinem Schwächer werden, und sind davon überzeugt, daß einmal eine Zeit kommen wird, wo die Grundlosigkeit der Abneigung gegen die Juden allgemein erkannt sein wird; denn alle Gründe der Antisemiten beruhen auf Böswilligkeit oder Unwissenheit. Keiner der Gründe für den Äntisemitismus, nicht einmal alle denkbaren Gründe zusammengenommen, machen aber sein Wesen aus. Niemals hassen Menschen aus Gründen, Die instinktive Abneigung ist das Primäre, und alle Begründungen stellen sich je nach den Umständen ein. Der überzeugende Nachweis von der Grundlosigkeit des Judenhasses bewiese nur, daß der Haß echt ist. In allen Zeiten starker religiöser Erregung gibt es religiösen Antisemitismus, in Zeiten wirtschaftlicher Spannung wirtschaftlichen Antisemitismus und so fort. Es ist aber immer dasselbe Gefühl, das nur eine andere Ausdrucksform gewinnt. Woher kommt nun diese Abneigung gegen die Juden? Ist wirklich das Entsetzliche wahr, daß es sich hier um eine Erscheinung handelt, die ihresgleichen in der Geschichte der Menschheit nicht findet daß nur die Juden von diesem ewigen unerträglichen Haß verfolgt werden? Das ist gewiß nicht der Fall. Zwischen Menschen verschiedener Art gibt es überall in der Welt Spannungen: zwischen allen Völkern herrscht ein Fremdheitsgefühl, das unter gewissen Bedingungen zur Abneigung wird. In normalen Zeiten wird die Spannung zwischen den Nationen deutlich nur an den nationalen Grenzen empfunden, wo die dauernde menschliche Berührung verschiedener Volkselemente den nationalen Kampf immer aufs neue

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