Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 41 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 517 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 517 bindungen hatte, nichts war als ein Spion und Ententespitzel. Während des Krieges hatte er sich in zw eieinhalbjähriger Tätigkeit als englischer Agent die volle Zufriedenheit seiner Auftraggeber erworben. Jetzt leitet er — neben der „Ostwacht“ — eine weitverzweigte Organisation zur Bespitzelung rechtsstehender Politiker; eine Anzahl Dokumente, die ihm als Mitglied des Deutschvölkiischen Schutz- und Trutzbundes und der Deutschnationalen Partei natürlich zahlreich zur Verfügung standen, befinden sich nach seinem eigenen Geständnis bereits — in Paris. Herr Luedecke äußerte sich in diesen Anklagen des bekannten Leiters des Danziger Heimatdienstes. Dr. Wagner, folgendermaßen: „Die „Ostwacht“ war ein Narrenseill. Solch rohes Geplärr, wie ich es in der „Ostwacht“ abdrucken ließ, konnte nur dem wenig wählerischen Geschmack der Alldeutschen wohltun. Und es tat ihnen wohl . . . Als ich das . . . Gedicht zur Verherrlichung der Ermordung Erzbergers vom Stapel ließ, glaubte ich, die Saite überspannt zu haben; aber nein ... ich erhielt nicht weniger als 32 Glückwünsche und Lobesschreiben aus den Kreisen Danzigs und auch des gesamten Deutschen Reichs.“ Wir bringen weiter unten einen hübschen „Dialog ih der Redaktion eines antisemischen Blattes“. Die Sache wird hier von der Wirklichkeit übertroffen. Haben wir so sehr unrecht von einem Bund von Verbrechern zu sprechen, der auf uns losgelassen ist? Und haben wir kein Recht, auf die mit Fingern zu weisen, die sich solcher Verbrecher zu ihren Zwecken bedienen? Das Duftigste aus dem „Miesbacher Änzeiger“ So überschreibt der „Miesbacher Anzeiger“ selbst eine Broschüre, die nach seinem Verbot erschienen ist, um seinen Lesern die lügenlose, die schreckliche Zeit doch ein wenig zu erleichtern. Inzwischen ist ja das liebe Blatt unter Vorzensur gestellt worden, sodaß die Ankündigung, es werde ab 1. Oktober 1921 wieder in „alter Frische“ erscheinen, vorläufig wohl nicht in Erfüllung gehen dürfte. Wer die Judenhetzer sind, haben wir oben geschildert. Daß sile den ihrer Eigenart gemäßen Kaschemmenton trefflich beherrschen, mag der „Miesbacher“ selbst erweisen, Die angeführten Zitate sind verschiedenen, etwa innerhalb des letzten halben Jahres veröffentlichten Aufsätzen entnommen. So enthält ein „Funkspruch an alle Sau- und Regierungsjuden an der Panke, Dahme, Biese, Dosse, an der Havel und an der dreckigen Spree“ u. a. folgende Kraftstellen: „... Ihr könnt bei uns Schwätzer und schlechte Kerle aufhetzen; wir haben Gesindel und Lumpenhunde im Land, denen Eure Paragraphen recht nett anstehen werden, aber unser Gesamtvolk verachtet Euch und Eure Gesetze ... Es soll nur so ein galilzischer Prikes-Jud kommen und uns entwaffnen wollen — den schlagen wir, daß er in keinen Sarg mehr hineinpaßt.“ Der Aufsatz „Unter der Schabbesflagge“ läßt sich folgendermaßen an: „Der Dess-, der Liss-, der Warsch-, der Pissauer halten die Wacht vor der schwarz-gelb- Toten Fahne, die ihnen voran flattert in der Börs, im Gewühl der Schieber-Schlachten. „Die Schabbes- Flagge schwarz-gelb-rot...“ Ihr haben sie Treie geschworen, im Sinken und Steigen der Preise, beim Kettenhandel, in furchtbaren Kriiegsgesellschaftskämpfen, beim Zischen und Krachen der Dividenden. Die Devise kann sinken,, aber die schwarz-rot-gelbe Schabbes- Flagge sinkt nicht. „Ran an den Profit!“ ruft der Liss- und der Pissauer. — „Durch!“ ruft der Teiteles und dringt über die Grenze vor mit verschobenen Waggonen. Ergreifend tönt der Gesang aus der Frankfurter Zeiil: „Mer sennen treu bis in den Tod — der Schabbes-Fahne schwarz-gelb-rot.“ Der bekannte Theaterkritiker Siegfried Jakobsohn wird folgendermaßen geschildert: „Siegfried Jakobsohn ist der Sprößling eines galiziischen Kleiderladens in der Jakobstraße und ist wegen seines Diebstahls von geistigem Eigentum in den Kreisen der Berliner Weh-Juden bekannt geworden. Bei Kriegsausbruch wußte er sich durch Bettnässen vom Militärdienste zu befreien, wurde aber brotlos, da die übrigen Theaterreporter nichts lieferten, was er hätte abschreiben können. Der bruchleidende junge Mann begrüßte, wie alle Mitglieder seiner Familile, die Morgenröte der Revolution, ohne sich jedoch gefährlichen Unternehmungen auszusetzen. Er folgte dem Beispiele der Übrigen vom Stamme Jakob und Judas und feuerte nur von hinten die Zuhälter-Kompagnien Berlins zur Tätigkeit an. Auf diese Weise gelang es ihm, wie ja auch der Levi, Levin, Toller, Cohn und Schweinehund seine Existenz zu erhalten. Von ihr macht er zur Zeit reichlichen Gebrauch, ist aber bereit, sile für den Fall des Schießens, Hauens und Stechens in den Kanalröhren Berlins unterzubringen.“ Und der feige Überfall auf den bekannten Sexualpsychologen Dr. Magnus Hirschfeld wird folgendermaßen gebilligt: „Die Erfahrungen, die seiner Zeit der Doktor Magnus Spinatfeld in München gesammelt und nur langsam ausgeheilt hat, erregten in Jakobsohn jene Zweifel an der daitschen Gesinnung des bayerischen Volkes, denen er jetzt Ausdruck verleiht. Ein paar Maulschellen würden ihn sicherlich wieder zur Ruhe und zum Bettnässen bringen, ohne daß es langer diplomatischer Verhandlungen dazu bedürfte... „...Wir planen, in Schwabing Nacktbälle zu arrangieren, zu denen wir die Mischpoche von Berlin-Weh einladen werden. Es ist ziemlich sicher anzunehmen, daß der Siegfried dazu erscheinen wird und dann kurieren wir ihn, wie seinerzeit den Magnus Spinatfeld.“ Daß ein solches Blatt die furchbaren Pogrome in Rußland, Polen, Ungarn und der Ukraine freudig begrüßt und sie in Bayern nachgeahmt zu sehen wünscht, mögen folgende Zeilen zeigen, die im Verlauf einer widerlichen und bewußt ungerechten Schilderung jüdischen Lebens im Osten auftreten: „Der letzte Mann in der Kompagnie verstand, daß die Russen die einzigen waren, die es verstanden, miit diesem Gesindel umzugehen. Hier hilft kein Zureden, hier hilft bloß die Knute.“ Zum Schluß noch eine Würdigung der Else- Lasker-Schüler. Nachdem ein gefälschter oder nichtgefälschter Brief der Dichterin teilweise abgedruckt wurde, fährt der Miesbacher Zeilenschinder fort: „Die erste Dichterin Deutschlands scheint zu besitzen nichts von der Sprache Deutsch. Wir haben es abgedruckt wörtlich, um es zu zeigen deutlich, daß mauscheln so die Kladerjüdinnen. die was kommen auf eine Postkarte hin sofort.