Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 41 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 516 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Das Jüdische Echo Nr. 41 marschierte er seinerzeit in Berliin ein. Die Mörder Erzbergers, die wegen Geheimbündelei Verhafteten, gehörten seiner nächsten Umgebung an. Auch er kämpft heftig gegen jüdische Unmoral im Zeichen seines bekannten Ausspruches: von 7—8 breche ich alle Eide, die ich von 6—7 geschworen habe. Herrn Hitler, den großen Münchener, der zu seinen Schwätzerversammlungen Juden nicht zuläßt, damit seine Lügen nicht widerlegt werden können, beschuldigen seine Nürnberger Gesinnungsgenossen aus der deutschvölkischen Partei der Unwahrhaftigkeit und erklären, daß er sich „infolge seiner Eigenart früher oder später selbst erledigen“ müßte. Was für Unsauberkeiten müssen da vorgekommen sein, wenn man im antisemitischen Lager gegen einen prominenten Gesinnungsgenossen derart vorgeht! Die gerichtsnotorischen Erpressungsversuche des antisemitischen Studentenführers und eifrigen Mitarbeiters am Deutschvölkischen Beobachter, Braßler, dem auf so übles Vorgehen hin sein Blatt nur empfahl, sich vorläufig zurückzuhalten, dürften noch in aller Erinnerung sein. — Nicht ganz so übel betrieb es der antisemitische Agitator Veit in Ostpreußen, der, wie Herr Prediger Mannheim in Königsberg berichtet, gegen Vorschuß von Mark 10 000.— ein Buch gegen den Judenhaß zu schreiben bereit war. Auch der Finanzgröße der Deutschvölkischen, der treuen Stütze der deutschvölkischen Bank, des Herrn Wettkonzernschiebers Köhn, sei an dieser Stelle gedacht. Er kann freilich kein so arger Antisemit gewesen sein, denn er nahm von groß und klein, von Jud und Christ und betrog alle. Er tat es wie sein Fachgenosse Klante offenbar zur Förderung des sozialen Programms seiner Partei. Immerhin sind Klante und Köhn, so wenig harmlos ihre Transaktionen auch gewesen sein mögen, ganz harmlose Gesellen gegenüber dem ehemaligen Privatdozenten Rüge aus Heidelberg, der durchaus mit den deutschvölkischen Erzbergermördern Schulz und Tillessen zusammengenannt zu werden verdient. Wir in Süddeutschland kennen Rüge als führenden antisemitischen Agitator; wir wissen auch noch ganz gut, wie sehr er auf seine eigene Sicherheit bedacht war, wie feig er verduftete, wenn er einmal eine gegnerische Mehrheit in einer seiner Versammlungen zu spüren glaubte. Jetzt wird Rüge, der zuletzt in Ober Schlesien „tätig“ war und augenblicklich flüchtig ist, von der Breslauer Staatsanwaltschaft steckbrieflich wegen Geheimbündelei, unerlaubten Waffenbesitzes, Urkundenfälschung und versuchten Mordes verfolgt. Nun noch ein paar WoTte über Herrn Vey, dem Antisemitenhäuptling zu Nürnberg, dem Herausgeber des Hetzblattes „Deutscher Sozialist“, das dem „Völkischen Beobachter“ nur wenig nachsteht. Herr Vey pflegte sich von seiner schweren politischen Arbeit auf kleinen Ruderpartien zu erholen, zu denen er hübsche minderjährige Mädchen einzuladen pflegte. Man hat ihm ein so harmloses Vergnügen nicht vergönnt. Man munkelte allerlei^ das Gericht griff ein und verurteilte den stolzen Vorkämpfer deutscher Reinheit zu sechs Monaten Gefängnis wegen Sittlichkeitsverbrechens. Wieviel besser kam da sein Kollege und Gesinnungsfreund Eck vom „Miesbacher Anzeiger“ fort, der nur 6 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung des früheren Ministers Auer erhielt. Es war ein seltener Fall: bei ähnlichen Prozessen stellte es sich zumeist heraus, daß wenigstens die eine oder die andere der Behauptungen der Wahrheit entsprach. Hier war jedoch alles, aber auch alles erlogen! Wie das im „Miesbacher“ so üblich ist. Wie schön wäre es doch, wenn Herr Vey seine halbjährige Muße zur Abfassung einer grundlegenden Studie über jüdische Unsittlichkeit, Herr Eck seine sechswöchentliche zu einer solchen über die Vergiftung der öffentlichen Meinung durch die Juden benützen würde. Apotheose. Eine hübsche Liste, die wir dem p. t. Publieo zur gefälligen Kenntnisnahme und Verbreitung vorlegen können! Es wäre leicht, sie zu verlängern. und wir werden uns bemühen, unser Verbrecheralbum stets auf der Höhe der Aktualität zu erhalten. Wir sind überzeugt, daß solche Führer die Antisemiten zum Sieg führen müssen im Zeichen des Hakenkreuzes und unter ihrer bewährten Devise: Für Säuberung des öffentlichen und privaten Lebens von jüdischer Unmoral! Ein antisemitischer Schriftleiter. In Danzig erschien seit einiger Zeit eine deutschvölkische Zeitschrift, die „Ostwacht“, in dem sattsam bekannten Stil. Ihr Schriftleiter, Herr Luedeeke, ließ keine Gelegenheit vorübergehen, ohne die Juden zu beschimpfen und sie des Verrates, der Gesinnungslumperei, schmutziger Gewinnsucht und ähnlicher Tugenden zu zeihen. Jetzt stellt es sich heraus, daß Luedeeke, der in rechtsstehenden Kreisen weitreichende Ver- I L. Kielleuthner 1 | kgl. bayer. Hoflieferant | n 43 Maximilianstrasse 43 n Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass I