Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 41 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 515 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 515 neigten. Angehörige dieser Bünde waren lediglich Hindus, also Arier; Juden dürften sich nicht darunter befunden haben. Zu den Symbolen der Mördergesellschaften gehörte bekanntlich das Hakenkreuz. Sollten die heute in Deutschland in ähnlichen Bünden vereinigten Jünger dieses Mordzeichens durch seine Wahl haben andeuten wollen, daß sie die ehrenvolle Tradition der Thugs fortzusetzen bereit seien? Ku-Klux-Klan. Eine fast ebenso liebenswürdige Organisation wie die der Thugs bestand nach dem Bürgerkrieg in den Südstaaten Nordamerikas. Es war der Geheimbund Ku-Klux-Klan, der seinen merkwürdigen Namen von dem typischen Geräusch des Spannens und Zuschnappens eines Gewehrschlosses herleitete. Ku-Klux-Klan betrieb den politischen Terror im Großen; sein Haß traf vor allem die eben befreiten Neger, die man durch Mord, Lynchjustiz, Folter und Prügel vor der Ausübung ihrer Bürgerrechte abzuschrecken suchte; er traf schließlich jeden, der für die armen Verfolgten einzutreten wagte oder sonst politisch mißliebig war. Vor den Schüssen der von Ku-Klux-Klan gesandten Mörder gab es keine Sicherheit; sie trafen den Gegner in der Kirche, in seinem Arbeitszimmer oder auf der Tribüne des Parlamentes. Erst das Aufgebot von Bundesmilitär konnte, wie die „Frankfurter Zeitung“ erzählt, dem Unwesen ein Ende machen. Unsere liebliche Zeit hat den Ku-Klux-Klan zu neuem Leben erweckt. Aber er hat sein Programm erweitert. Er bekämpft heute Katholiken, Juden, Neger und Einwanderer (lies Deutsche). Ob er Morde begeht wie sein Namenspatron ist bisher nicht bekannt geworden. Aber den Terror hat er gut heraus: es genügt z. B. die Benutzung der deutschen Sprache, um der Fehme des Bundes zu verfallen und „geteert und gefedert“ zu werden, eiine angenehme Prozedur, deren wir uns aus Indianerbüchern und Sensationsfilms erinnern. Hier also gehören die Deutschen mit zu den Vogelfreien. Sie werden von Leuten verfolgt, die ihrer ganzen Richtung nach die volle Sympathie unserer Deutschvölkischen genießen müßten und in München gewiß der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehören würden. Mordzentrale. Der Erzbergermord hat zu polizeilichen Nachforschungen geführt, die nach Mitteilungen des Reichskanzlers und des badischen Staatspräsidenten das Bestehen geheimer Organisationen in München erwiesen haben. Die Mörder Erzbergers gehörten ihnen an, und es ist zu vermuten, daß die Mörder des Abgeordneten Gareis, daß die Burschen, die den Abgeordneten Sa eng er verprügelten, Dr. Magnus Hirschfeld mißhandelten, Rabbiner Baerwald angriffen, Synagogen und Häuser mit Hakenkreuzen und anderen Unflätigkeiten beschmieren und vor allen Dingen die Wände verschwiegener Orte mit ihren Papierchen verunstalten, ihnen nicht fern stehen. Es scheint erwiesen zu sein, daß zwischen ihnen und dem deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund und seinen Ablegern zumeist Personalunion besteht. Wenn Herr Hitler,f der „Nationalsozialist“, die Mitglieder seiner „Stoßtrupps“ zu geheimer Versammlung einlädt, so fordert er sie auf, neben dem' Ausweife ihre Kn. (lies Gummiknüppel) mitzubringen. — Wenn irgendwo ein mißliebiger Politiker ermordet wird, so richtet sich der Verdacht ganz sicher gegen gewisse Münchener Kreise, und. wie es scheint, nicht mit Unrecht. Selbst zu der Zeit, da Herr Polizeipräsident Pöhner über ihre Sicherheit wachte, konnte man es den Juden dahier nicht verübeln, wenn sie sich solchen Gegnern gegenüber etwas beunruhigt fühlten. Sie sind schließlich eine kleine Minderheit der Bevölkerung. Der einsame Europäer in den Dschungeln der Thugs, der für Menschenrechte kämpfende Politiker in den Jagdgefilden des Ku-Klux-Klan wird hier und da auch einige Besorgnis verspürt haben. — Und wir Juden haben schließlich den Probepogrom in Memmingen schon hinter uns. Der geistige Führer. Der Edelgerrmane Houston Stuart Chambetrlain ist mit seinen „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“ der Begründer des pseudowissenschaftlichen Antisemitismus geworden. Während des Krieges hat dieser geborene Engländer und Wahldeutsche in Wort und Schrift sein altes Vaterland schlimmer geschmäht als irgendwer sonst. In heiligem Zorn hat er sich von England ganz losgesagt, sich in Deutschland naturalisieren und seine edle Brust für so viel Gesinnungstüchtigkeit mit dem eisernem Kreuz (am Heimatband) schmücken lassen. Aber Houston Stuart bezog eine Rente von einem englischen Onkel, die nun natürlich in Fortfall kam. Solange er auf einen Sieg Deutschlands rechnete, durfte er hoffen, daß der Friedensvertrag ihm zum Weiterbezug der schönen Summe verhelfen würde. Nach der Niederlage mußte er einsehen, daß er auf das falsche Pferd gesetzt habe und daß sein Geld hin sei. Da begann er plötzlich Anhänglichkeit an England (und die englischen Pfunde) zu spüren und er beauftragte seinen Anwalt, seine Naturalisation anzufechten und seine Wiederaufnahme in den englischen Staatsverband zu erreichen. Soviel schönes Geld und eine so gute Valuta waren schon einen neuen Verrat wert! Aber er hatte kein Glück und muß nun in Bayreuth sitzen bleiben mit seinem deutschen Bürgerrecht und ohne englische Rente. Die politischen Vorkämpfer. Der Oberführer in Berlin ist Herr Kunze, genannt Knüppelkunze. Seine Spezialität während und nach dem Kriege war der Kampf gegen die jüdische Drückebergerei. In Drückebergerei soll Herr Kunze, wie das „Berliner Tageblatt“ berichtet, sämtliche Spezialkenntnisse besitzen. Seine Kriegsbetätigung als Dolmetscher und nationalistischer Agitator in Gardelegen gab ihm genug Gelegenheilt. Und es ist nicht zu verwundern, daß Herr Kunze seinen Gram, über die Gefahren und das Elend der anderen und die Not des Vaterlandes durch üppige Sektgelage und Konsum reichlich gehamsterter Lebensmittel zu mildern sucht. Herr Kunze hat zwar das B. T. dieser Behauptungen wegen vor längerer Zeit verklagt, aber das Blatt erklärt, erdrückendes Material zu besitzen und der Kläger, der eigentlich alles daran setzen müßte, seiner politischen Arbeit so hinderliche Beschuldigungen zu widerlegen, läßt den Prozeß von Termin zu Termin vertagen. Der steckbrieflich verfolgte ehemalige Kapitän Ehrhardt ist einer der militärischen Matadoren des Judenhasses. Unter der Hakenkreuzflagge