Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 41 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 514 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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514 Das Jüdische Echo Nr. 41 Taten der Regierung Lerchenfeld! — Inzwischen werden wir uns bemühen, dafür zu sorgen, daß man Sinn und Art der antisemitischen Hetze erkennen lernt. Zu deutlich ist es ja, daß der Judenhaß seinen Schürern nur Mittel zum Zweck ist. Man glaubt selbst so wenig an die Gefahr der 500 000 Juden für ein 60 Milhonenvolk, daß man die Zahl der Gehaßten in seiner Presse auf 2 Millionen hinauflügen zu müssen meint. Nein, mit den Juden will man die Republik kompromittieren. auf den Leichen der „Pogromierten“ „an jenem Tage“ den Sieg über die neue Entwicklung feilern, die man haßt, weil man sich durch sie wirtschaftlich und sozial geschädigt fühlt. Dazu soll jeder helfen, auch der Arbeiter, der am meisten darunter leiden müßte. Und so vereinigt man Dumme und Verbrecher, Deklassierte und ein paar hemmungslose Fanatiker im lügenbesudelten Zeichen des Hakenkreuzes iin jenen nationalsozialistischen und deutschvölkischen Vereinen, die als Aushängeschild mit sozialer Gesinnung paradieren, und offenbar aus Adelsschlössern, Industriellenkassen, ja, wie man munkelt, sogar aus dem Ausland finanziert werden. Wir empfinden keinen Haß gegen die armen Verführten. Wie widerwärtig aber sind ihre Verführer! Wir denken gar nicht an den gerichtsnotorischen Erpresser Braßler, diese Hauptzierde der Redaktion des „Völkischen Beobachters“ und der antisemitischen Münchener Studentenschaft, nicht an die Erzbergermörder Schulz und Tillessen, die bekanntlich dem Schutz- und Trutzbund angehören. nicht an den Wettkonzernschileber Köhn, der ein wertvolles Mitglied der antisemitischen Bewegung ist. Aber es muß doch erlaubt seih, auf die moralische Disqualifikation von großen Führern und Schutzheiligen der Bewegung, wie Houston Stuart Chamberlain, Hitler-München und Kunze-Berlin hinzuweisen, die sich gerade in letzter Zeit arg kompromittiert haben und deren teilweise recht üblen Verfehlungen wir in einem besonderen Aufsatze beleuchten wollen. Was ist das für eine Bewegung, die einen Hitler, einen Kunze an ihrer Spitze, die Verbrecher in ihren Reihen duldet! Oder ist eben diese Bewegung nur dadurch möglich, daß hier Verbrecher politische Partei spielen, daß man alles, was nichts zu verlieren hat, aber bei Umsturz und Plünderung zu gewinnen hofft, zu frischer Tat, zu Gewalt und Vernichtung zusammenfaßte? Soll hier von Verbrechern ein aussichtsreiches Ding größten Stiils gedreht werden, und ist die Betreibung der Judenhetze, ist selbst der Kampf gegen die Republik. ihre Richtung und ihre Einrichtungen nur ein Vorwand für einen Bund katilinariischer Existenzen bestechlicher Deklassierten und gesinnungsloser Spitzbuben, um in dem erstrebten Durcheinander sich zu bereichern und — wenn auch nur für kurze Zeit — an die Macht zu kommen? Denkt man weniger an jüdische Schuld als an eigene Schulden? Geht es weniger um die jüdische Rasse als um die jüdische Kasse? Man sollte es fast glauben, wenn man liest, daß der bekannte Antisemitenführer Veit sich bereit erklärte, gegen Überweisung von 10 000 Mk. ein Buch — gegen den Judenhaß zu verfassen! — Weite Kreise des anständigen Bürgertums haben sich von diesen gewerbsmäßigen Antisemiten betören und ins Schlepptau nehmen lassen. Man hat mit Schaudern in seinem Leibblatt, ja sogar in evangelischen Sonntagsblättern von den „Weisen von Zion“ gelesen, die laut ihren, Gottlob aufgedeckten Protokollen die Unterwerfung der Welt unter jüdische Herrschaft erstreben und zu diesem Zweck den Weltkrieg angezettelt und bis zur Niederwerfung Deutschlands durchgeführt haben. Daß die „Times“, die seinerzeit gutgläubig diese „Protokolle“ veröffentlichten, inzwischen die grobe Fälschung erkannten und feststellten, daß sie eine nur wenig veränderte Abschrift eines Pamphlets auf Napoleon III. ist. wird verschwiegen. Wird verschwiegen auch von der ernsthaft politischen deutschnatiiomalen Presse, die sich nicht scheut, aus jenem Sumpf von Verbrechertum und Lüge Argumente zu fischen! Wir möchten immer wieder feststellen, daß sich das „Jüdische Echo“ mit deutscher Politik nicht zu befassen wünscht und lediglich jüdischen Interessen dient. Wir müssen nun immer wieder sehen, daß es überall im deutschen Volke, von den Deutschnationalen bis zu den Kommunisten, Menschen gibt, die urteilslos oder gemein genug sind, die „Hochziele“ „völkischer“ Verbrecher verwirklichen zu helfen. Es gibt freilich sehr Viele — auch auf der Rechten — die das Törichte, Gefährliche und Widerwärtige daran erkennen und ihre gute Sache nicht durch Berührung mit einer so schlechten verdecken lassen wollen. Und es gibt Verständige, die einsehen. daß Pogrome in einem Lande ohne Ghetto nicht bei den Juden Halt machen, sondern auch irgendwie mißliebige Nichtjuden gefährden und1 schließlich zum Bürgerkrieg führen müßten. Wir freilich vermögen nur zu beobachten, zu erkennen und zu warnen; wir sind zu schwach^ um die Verhältnisse zu ändern und wohl auch nicht befugt dazu. Das deutsche Volk muß mit seinen Krankheiten selbst fertig werden. Es wird sich nicht zur Judenliebe zwingen können; aber es vermag dem Judenhaß seine gefährlichsten und widerlichsten Auswüchse zu nehmen. Wir aber gehen an unsere jüdische Arbeit in dem Glauben, daß jüdische Leistung nicht nur uns, sondern der Menschheit zugute kommt, und daß die Nation eines Moses, eines David und Jeremias, daß das Volk Jehuda Halevis Spinozas, Theodor Herzls und Einsteins die Pflicht hat, zum Heil der Welt seine Existenz allen Anfeindungen zum Trotz zu sichern, um sich seiner Zukunft: und neuem Schaffen zu erhalten. Karl Glaser. Äntisemitenspiegel. Das Symbol. Indien ist das Land der Geheimbünde. Wer Gelegenheit hat, indische Zeitungen aus den Jahren 1840—1860 zu duirchblättern, wird darin immer wieder Mitteilungen über das unheimliche Treiben verborgener Mordorganiisationen finden, deren religiösem Fanatismus und unbändigem Fremdenhaß zahllose Verbrechen zur Last fielen. Die Mitglieder der bekanntesten dieser Vereinigungen, die Thugs, pflegten ihre Opfer zu erdrosseln, während nach ihrer Unterdrückung ihre Nachfolger, die Dacoits, mehr dem Giftmord zu- Uod6 ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise *. Brauns Cie,, Wiinchen Meuhauseratr. 154,gegan- Dfcer der alten Akademie Sport