Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 40 (7.10.1921)
- Date
- 1921-10-07
- Page
- Seite 505 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 505 i ernsthaft die Frage, ob die bisherige Methode der Bekämpfung des Antisemitismus beibehalten werden kann. Der Prüfung dieser Frage werde der Jugendverband einen Hauptteil seiner diesjährigen Winterarbeiit widmen müssen; der Verband sei gerne bereit, diese Prüfung gemeinsam mit anderen Organisationen vorzunehmen. In nachdrücklichen Worten warnte der Verbandsvorsitzen.de die immer mehr um sich greifende mystische Schwärmerei der Jugend zu fördern, obschon diese als erklärliche Reaktion der Nachkriegszeit zu verstehen sek Aufgeregtheit sei aber kein Programm. Unter Hinweis auf Max Brod verlangt er, daß das Judentum sich mehr als bisher um die Dinge des Tages kümmere. Der Neutralitätsgedanke bedeute keineswegs Blutleere. Der Jugendverband solle auch weiterhin ein gewichtiger Faktor im politischen Leben des deutschen Judentums bleiben. Für seine Stellungnahme seien insbesondere maßgebend das Treuebekenntnis zum Vaterland, das in der ersten Delegiertenversammlung nach dem Kriege abgelegt worden sei und die Palästinaresolution der Kasseler Führertagung. Die Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas bleibe nach wie vor eine wesentliche Verbandsaufgabe. Der Karlsbader Zionistenkongreß habe gezeigt, daß das Judentum Führer größten Formats habe. Möchten doch auch dem deutschen Judentum wahre Führer entstehen. Kurt Neu. Der Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz und der Aufbau Palästinas. Am Sonntag, den 25. September, fand in Neustadt a. d. H. eine Tagung des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz statt, auf der auch die Frage der Beteiligung der pfälzischen Juden am Keren Hajessod erörtert wurde. Auf Antrag des Verbandsvorsitzenden, Herrn Albert Joseph, Landau, der mit warmen Worten für die Mitarbeit der Pfälzer Juden am Aufbau Palästinas eintrat, wurde ohne jeden Widerspruch folgender Beschluß gefaßt: „Der Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz erkennt den Aufbau Palästinas als Aufgabe der gesamten Judenbeit an und fordert daher die Mitglieder der angeschlossenen Gemeinden auf, die dieser Aufgabe dienenden Institutionen weitgehendst zu unterstützen.“ Es wurde ferner in Aussicht genommen, daß nicht nur Einzelpersönlichkeiten, sondern auch die Gemeinden selbst sich durch Zeichnungen am Palästinawerke beteiligen sollen. Wir begrüßen diesen von einer großen Gruppe von Gemeinden ohne Widerspruch gefaßten Beschluß aufs wärmste und sind überzeugt, daß diese positive Stellungnahme zum Problem des jüdischen Palästina beispielgebend auch in anderen Bezirken Deutschlands wirken wird. Aus der Jüdischen Welt Die Auslegung der Einwanderungsbestimmungen. Jerusalem. (J. C. B.) Der High Commissioner Sir Herbert Samuel ist soeben von seiner Reise nach Galiläa hieher zurückgekehrt und empfing itn Audienz den Vertreter der Zionist Commission Dr. Thon, der über die ungemein strenge Interpretierung der Einwanderungsbestimmungen Beschwerde führte, welche die angemessene Ausnützung der guten Beschäftigungsaussichten im Lande unmöglich macht. Dr. Thon legte besonderen Nachdruck darauf, daß Palästina Arbeiter brauche und daß es eine kurzsichtige Politik sei, gerade diese Leute vom Lande fernzuhalten, welche für seinen Wohlstand überaus wichtig seien. Er behauptete, es gebe jetzt in Palästina genügend Arbeitsgelegenheiten. Sir Herbert Samuel nahm die Ausführungen Dr. Thons mit größter Aufmerksamkeit auf und versprach, die Lage genauest zu untersuchen und demgemäß neue Verfügungen zu treffen. Abkommen zwischen der palästinensischen Regierung und der Regierung des Ostjordanlandes. (J.C. B.) „Amulkatam“ zufolge ist in der vergangenen Woche zwischen dem High Commissioner und dem Ministerpräsidenten des Ostjordanlandes, Assalon, ein Abkommen getroffen worden, welches die Rechte des britischen Vertreters in Ammand umschreibt. Diesem Abkommen gemäß hat der britische Gesandte nicht das Recht, sich in Angelegenheiten der Verwaltung des Ostjordanlandes einzumischen, er hat nur das Recht, der Regierung Ratschläge zu geben. Das Heer steht vollständig zur Verfügung des Emir Abdallah und der militärische Kommandant hat nur die technische Seite der Bewaffnung zu beaufsichtigen. In einigen Tagen wird auf Grundlage dieser Bestimmungen ein formeller Vertrag abgeschlossen werden. Bodenankäufe der rumänischen Achusa in Palästina. Die Delegierten der rumänischen Gesellschaft Achusa haben mit Dr. Brünn aus Chedera in Karlsbad einen Vertrag über den Kauf von 5000 Dunam Ackerbodens zwecks Kolonisation in Palästina abgeschlossen. Die Kolonisation soll stufenweise erfolgen. Bis zum 1. Januar 1923 sollen dort 50 Familienhäuser erbaut werden. Die Achusa soll sich den Kauf von weiteren 3000 Dtmam für 1200 Familien gesichert haben. (J. C. B.) literarisches Echo Von Jakob Klatzkins „Hermann Cohen“ erscheint soeben im Jüdischen Verlag eine zweite verbesserte Auflage, die allen empfohlen sei, die den Erwerb der ersten Auflage verabsäumt haben, die aber auch den Besitzern der ersten Auflage wegen ihrer wertvollen Ergänzungen höchst willkommen sein wird. Man wird sich erinnern. wieviel Beachtung das Werk damals im jüdischen Publikum aller Richtungen gefunden hat, begeisterte Zustimmung und lebhaften Widerspruch, aber einen Widerspruch, der bewies, daß es sich hier um eine geistige Auseinandersetzung von prinzipieller Bedeutung handelt. Je mehr Hermann Cohen als Repräsentant einer bestimmten Epoche der jüdischen Geistesgeschichte erscheint, umsomehr verlohnt es sich für jeden einzelnen, zu diesem Buche über ihn Stellung zu nehmen. (Preis br. Mk. 16.—, geb, Mk. 21.—.) Zur jüdischen Literatur. Jeder, der den Versuch macht, zu den Geistesschätzen des Judentums vorzudringen, gerät bald in die größten Schwierigkeiten aus Mangel an geeigneter Anleitung. Zumal für den, der die Sprache der Originale nicht beherrscht, ist es fast unmöglich, sich zurechtzufinden. Der Jüdische Verlag hat es übernommen, mit zwei Neuerscheinungen hier zuverlässige Wegweiser zu schaffen. Von Simon B e r n f e 1 d , einem der besten Kenner des jüdischen Schrifttums, erschien eine Einführung in „Diejüdische Literatur“ (zunächst Teill Bibel, Apokryphen und jüdisch-hellenistisches Schrifttum), das dieses Gebiet zum ersten Male unter modernen und zu-