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Das jüdische Echo · 1921-10-07 · 40 (7.10.1921) · p. Seite 502

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
40 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 502 (sequence 4)
Language
German
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502 Das Jüdische Echo Nr. 40 seits in den reaktionären Nacherscheinungen des Krieges. Dazu tritt noch die große Angst vor dem Bolschewismus, dessen mit Vorliebe besonders die jüdischen Immigranten beschuldigt werden. Die Gesellschaft Hias will alle Mittel anwenden, daß die Neuanwendung des Einwanderungsverbotes gemildert werde. Angesichts der Schwierigkeiten, welche für die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten und nach Kanada bestehen, hat die Hias die Aufgabe, andere Unterkunftsländer zugänglich zu machen. Es wurde zur Prüfung der dortigen Verhältnisse eine dreigliedrige Kommission nach Mexiko entsendet, die jedoch feststellen mußte, daß dieses Land für jüdische Einwanderung in wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht nicht geeignet ist. Gegenwärtig werden ähnliche Versuche auf der Insel Kuba unternommen, wo es bessere Bedingungen sowohl in wirtschaftlicher als auch in klimatischer Beziehung gibt. Redner besprach zum Schluß die eigentliche Tätigkeit der Hias, die sich nunmehr auch auf Europa erstreckt, und betonte den Umstand, daß die Hias von dem Standpunkt ausgehe, daß die Hilfsbedürftigen gesucht werden müssen, und daß die Tätigkeit auf diesem Gebiet nicht in eine Bettelei ausarten dürfte. Nachdem Maas (Zentralvolkshilfskomitee für Argentinien) über die Organisation der Einwanderung nach Argentinien und über die Tätigkeit der dortigen Hilfsorganisationen Bericht erstattet hatte, ergriff unter allgemeiner Spannung Herr Kreinin das Wort, um über die Lage der Juden in Sowjetrußland zu berichten. Die Lage der Juden in Rußland erscheint in einem für das Judentum umso trostloseren Lichte, als ein großer Teil der Schuld das jüdische kommunistische Sekretariat in Rußland trifft, das scheinbar, jede seelische Beziehung zum jüdischen Volke verloren habe. Aber auch die Delegationen aus Amerika und Kanada haben das Hilfswerk nicht richtig eingeleitet. Höchstens die Hälfte der gesamten Hilfsmittel sei an diejenigen gelangt, für die sie bestimmt waren. Die jüdischen gesellschaftlichen Organisationen sind aus dem gesellschaftlichen Komitee, das die Sowjets für die Hilfsarbeit eingesetzt haben, ausgetreten, da sie für diese Art der Arbeit keine Verantwortung tragen können. Man müsse jetzt Verhandlungen führen, um eine gedeihliche Hilfsarbeit einzuleiten. Dr. Brutzkus (Petersburg) ergänzte diesen Bericht und schilderte die Wirksamkeit der zionistischen Organisation auf dem Gebiete der Hilfs- und Emiigrationsarbeit. Herr Latzki überbrachte die Erklärung eines maßgebenden Vertreters der Sowjetregierung, die bereit sei, das gesellschaftliche Komitee auf eine weitere Basis zu stellen und unter gewissen Bedingungen über die Möglichkeiten der Emigration für gewisse Kategorien von Juden zu verhandeln. Über diese Mitteilung entspann sich eine Diskussion, nach welcher der Vorsitzende konstatierte, daß es wünschenswert wäre, diese Verhandlungen zu Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise 1. Brasil i Cie, Manchen N«uh«uaer»tr. I5/|, gsgenöi»r der alten Akademie führen und nach Möglichkeit zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen. Die Beratungen, welche von einer gründlichen Sachlichkeit und von hohem Ernst getragen wurden, wurden durch ein Referat Efroikins (Pariser Welthilfszentrale) über die Vorbereitung der Emigration für Immigrationsländer eingeleitet. Er bezeichnet die jüdische Emigration als ein Problem der Arbeit. Sie ist kompromittiert und muß rehabelitiert werden. Die Zentrale muß den Informationsdienst über die Lebensbedingungen in den Immigrationsländern aufnehmen. Die Emigranten müssen für produktive Berufe vorbereitet werden. Er schlägt die folgende Resolution vor: Mit Rücksicht darauf, daß die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung in eine Reihe von Ländern selbst unter den jetzigen Verhältnissen erweitert werden können, dadurch, daß man die arbeitenden Elemente unter den jüdischen Emigranten vermehrt, besonders diejenigen, welche bereit sind, in ihrer neuen Heimat sich der Landwirtschaft zu widmen, ist die Konferenz der Ansicht, daß die jüdischen gesellschaftlichen Organisationen, welche unter den wandernden und heimlosen jüdischen Massen tätig sind, bei ihrer Arbeit besondere Aufmerksamkeit der Arbeitshilfe widmen müssen, wobei die ökonomischen Bedingungen der Einwanderungsländer in Betracht zu ziehen sind. Insbesondere sind zu diesem Zwecke Gruppen von landwirtschaftlichen Arbeitern zu bilden, ferner kurzfristige professionelle Kurse u. dgl. einzurichten. Damit die Vorbereitung der jüdischen Emigranten für die ökonomischen Bedingungen der Einwanderungsländer zielgemäß vor sich gehen kann, ist ein genauer und zentralisierter Informationsdienst bezüglich der ökonomischen Lage und der Arbeitsnachfrage in den verschiedenen Professionen und Berufszweigen dieser Länder notwendig. Diese Aufgabe hat das Zentralorgan für jüdische Emigration, welches die Konferenz wählen wird, zu übernehmen. In allen Ländern, in denen eine mehr oder weniger zahlreiche jüdische Einwanderung möglich ist, haben die dortigen jüdischen Organisationen spezielle Arbeitsversorgungsstellen zu gründen, welche ihre Tätigkeit im Einklang mit den professionellen Arbeiterorganisationen des betreffenden Landes (wie Gewerkschaften, Syndikate, Arbeiterbörsen u. dgl.) zu führen haben. In der Debatte betonte Berger (Berlin), daß die Erfahrungen des Arbeiterfürsorgeamtes in Deutschland die Forderungen des Referenten bekräftigen. Es habe sich gezeigt, daß man auch in Deutschland Verständnis dafür gefunden hat, daß der jüdische Heimlose kein Schnorrer sein muß, sondern auch in wichtigen Produktionszweigen voll und ganz seinen Mann stelle. Es kam auch der Wunsch zum Ausdruck, daß die Emigratüonsländer Einrichtungen zwecks Ausbildung der Emigranten schaffen. Auch in den Transitemigrationsländern sei dies möglich, wie es sich in Frankreich gezeigt habe. Mozkin konstatiert, daß es bei guter Organisation möglich sein dürfte, im nächsten Jahre 50 000 Menschen nach Palästina, 100 000 nach Amerika zu bringen. Man dürfe keine Politik führen, die zur Zerstreuung der jüdischen Auswanderermasseii führe. Es kämen noch Kanada, Argentinien und Brasilien in Betracht, doch wären hier noch viele Vorbedingungen zu schaffen. Am ehesten können landwirtschaftlich Ausgebildete hingelangen. Aber auch Handwerker. Auch für Südafrika bestünden

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