Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 40 (7.10.1921)
- Date
- 1921-10-07
- Page
- Seite 501 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 40 7. Oktober 1921 8. Jahrgang Die jüdische Emigrationskonferenz in Prag. Die Vorkonferenz wurde am 25. d. M. von Dr. Leo Mozkin eröffnet. Dr. Kohan Bernstein (Beßarabiien) berichtete über die Tätigkeit der zentralen Hilfskomitees in Beßarabien. Seinen Bericht ergänzte Gellmann mit interessanten Daten aus der Emigrationstätigkeit in Beßarabien. Über die Verhältnisse in Polen berichteten die Herren Dr. Gottlieb (Jüdischer Nationalrat), Perlmann (Zentrales jüdisches ukrainisches Hilfskomitee), Dr. Olschwanger (Emigrationskomitee) und Gomelski (Ukrainischer Verband der Flüchtlinge in Polen). Alle Referenten schilderten das furchtbare Flüchtlingselend in Polen und Rumänien und beleuchteten die einzelnen Seiten der Hilfstätigkeit und der Arbeit für die Regelung der Emigration. Aus allen Berichten geht insbesondere die Forderung nach Erschließung von Immigrationsländern hervor, denn das Verbleiben großer Massen, in1 Polen und Beßarabien sei auf dile Dauer infolge des Widerstandes der staatlichen Faktoren sehr erschwert. Aus den Berichten geht auch hervor, daß die Arbeit in Polen und -auch anderswo durch die Konkurrenz der verschiedenen Gesellschaften beeinträchtigt wird. Einen erschütternden Bericht erstattete der eben aus der Ukraine angekommene Delegierte Hiillels. Er schilderte die fürchterliche Lage der Flüchtlinge, die von den Sowjetbehörden am Überschreiten der Grenze gehindert werden, und den ganzen Leidensweg bis zu dem Zeitpunkt, wo die Sowjetregierung daran ging, diesen Übelständen abzuhelfen. Redner forderte, daß sich das Hilfswerk auch auf die Sowjetukrailne erstrecke und in direkter Form die Hilfe erteile. Edelstein (Bukarest) und Dr. Rosenbaum (Kowno) berichteten über die Arbeit in ihren Ländern. Insbesondere sei es wichtig, daß Aussichten für die Immigration bestehen; Litauen werde als Transitland in Betracht kommen. Den Bericht über das Wiener Hilfskomitee für die ukrainischen jüdischen Pogromopfer erstattete Dr. Krämer, welcher auch über das ukrainische Hilfskomitee in Czernowitz berichtete. Er hob die Bedeutung Wiens als Transitstadt hervor und verlangte die Errichtung einer Abteilung dier künftigen Zentrale in Wien. Weünfeld (Preßburg) berichtete über die Slowakei. Die Zahl der Flüchtlinge, die sich über das Land ergossen, sei innerhalb eines Jahres auf 17 400 angewachsen. •Die erste ordentliche Sitzung der Konferenz leitete Leo Mozkin mit einem Expose über die Ziele der Konferenz ein. Die jüdische Öffentlichkeit, führte e,r aus, muß sich dessen bewußt werden, daß Millionen von Juden in den einzelnen Ländern in der Gefahr sind, ausgerottet zu werden. Di!e Juden dieser Länder setzen sich in Bewegung, irgendwohin auszuwandern, und wenn dies bei den schwierigen Kommunikationsverhältnissen heute erst Hunderttausende versuchen, so wird diese Zahl bei der nächsten Gelegenheit viel größer werden. Wir stehen, vor einer fürchterlichen Katastrophe und die Judenheit hat bisher nicht in der richtigen Weise reagiert. Es haben sich zwar in den letzten Jahren verschiedene jüdische Korporationen große Verdienste erworben, ln den einzelnen Ländern, wie z. B. Kanada, Vereinigten Staaten, Argentinien, England, Frankreich, Tschecho-Slowakei usw. haben sich einzelne Verbände und Komitees mit diesen Fragen befaßt; es haben dies aber nicht alle Faktoren getan, die in Betracht kämen. An diesem Umstand ist viel gescheitert. Unlängst hat eine Konferenz in Brüssel getagt, die von einer großen jüdischen Organisation einberufen war und die sich mit diesen Fragen beschäftigte. Hier trat es zu Tage, daß das Prinzip der Beteiligung aller jüdischen Schichten an dem Hilfswerk nicht eingehalten wurde. Redner glaubt, auf drei! Punkte ein besonderes Gewicht legen zu müssen: 1. Die Möglichkeit, den Bedrohten die Ausreise aus den Pogromländern zu ermöglichen. 2. Die Ausschaltung des Wettbewerbs im Zusammenschluß aller Hilfskörperschaften. 3. Die Erschließung von Immigrationsmöglichkeiten. Im Namen der Hias (Jüdisch-amerikanische Hilfsgesellschaft) begrüßte Held (Amerika) die Konferenz. Die Hias steht auf dem Standpunkt, daß es ihre Pflicht üst, die Immigranten vor Schwindlern und Ausbeutern zu schützen. Auch ist es notwendig, viele gutgemeinte Wohltätigkeitsaktionen in die richtigen Bahnen zu lenken. Unsere Erfahrung lehrt uns, daß die Emigrationsarbeit durch Kooperation gefördert werden kann. Wohltätigkeit ist nötig, jedoch nur für Flüchtlinge und, andere Zwecke. Für Immigranten brauchen wir eine gut funktionierende Zentrale, die zur gesunden Selbsthilfe für die Eiinwanderer führen soll. Dr. Sulam (Venedig) überbrachte die Grüße des italienischen Hilfskomitees und des italienischjüdischen Gemeindebundes. Die italienische Organisation besteht seit Januar und hat die italienischen Hilfskomitees unter Beteiligung der Gemeinden organisiert. Redner sei ermächtigt, der Konferenz die Grüße der italienischen Regierung zu übermitteln, die den Juden gegenüber wirklich freundlich gesinnt ist, und die bereit ist, den jüdischen Emigranten ihre moralische und politische Unterstützung zuteil werden zu lassen. Nachdem Hr. Maas (Argentinien) über die Tätigkeit der dortigen Hilfsorganisationen berichtet hatte, die sich bereit erklärten, alles mögliche im Interesse der Emigranten zu tun, wurde die Sitzung auf kurze Zeit unterbrochen, um eine Besprechung für die Wahl ins Präsidium und in die Kommissionen zu ermöglichen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurden die Wahlen vorgenommen, wobei ins Präsidium die Herren Dr. Leo Mozkin, Held, Dr. Klee (Berlin), Kreinin (Ukraine), Jocheimann, zu Schriftführern die Herren Dr. Krämer (Czernowitz), Grünberg (Paris) und Czernowitz (Ukraine) bestimmt wurden. Sodann erstattete Herr Schelwin (New-York) den Bericht über die Tätigkeit der Hias. Das Einwandererverbot habe seine Ursache in der langjährigen Agitation gegen die Einwanderer, anderer-