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Das jüdische Echo · 1921-09-30 · 39 (30.9.1921) · p. Seite 490

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
39 (30.9.1921)
Date
1921-09-30
Page
Seite 490 (sequence 8)
Language
German
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490 Das Jüdische Echo Nr. 39 trägt jeden Donnerstag ein wenig Hefe an einige Hausfrauen aus. Was hat er von ihr? Solange noch ihr Vater, er ruhe im Frieden, lebte, und seine Geschäfte gut gingen, hatte man ein Obdach und was zu essen und zu trinken — sogar im Überfluß. Und heute? Auf alle Feinde Zions gesagt! Die Mitgift ist irgendwo verloren gegangen, das Häuschen ist verkauft! Am Morgen gibt es Fischgrütze und Kartoffeln mit Wasser. Abends — ein Süppchen und einen Beugel vom vorigen Tage. So sieht sein Leben auf dieser Welt aus! Seit sieben Jahren hat sie ihm nicht einmal einen Kaftan gemacht! Von Pessach zu Pessach bekommt er von ihr einen Hut, ein Paar Stiefel und sonst nichts. Zum Sabbat gibt sie ihm ein sauberes Hemd. Auch ein Hemd! Spinngewebe ist es und kein Hemd! Wegen dieser Hemden muß sie schon eine Brille tragen: sie bestehen ja nur aus Flicken ... „Herr der Welt,“ denkt sie sich, „wenn man auf jener Welt einen einzigen Buchstaben von seiner Thora nimmt und auf eine Wagschale legt und auf die andere Wagschale alle meine Suppen und Fischgrützen, und meine Augen noch dazu . . . was wird überwiegen?“ Sie weiß zwar, daß, was auf dieser Welt verknüpft ist, auch auf jener Welt verbunden bleiben wird. Daß man Mann und Weib nicht so schnell voneinander trennt. Und würde er es denn auch zulassen? So ein Edelstein, wie er ist! Sieht sie denn nicht, wie er darauf besteht, daß auch sie etwas vom Essen koste? Es ist lächerlich: er wird es ihr doch nicht mit Worten sagen; aber er sagt es mit den Augen! Und wenn sie so tut, als verstünde sie ihn nicht, so brummt er wie während der Sohmojnessre.1 *) Nein, er wird es nicht zulassen, daß man sie von ihm nimmt! Er wird es nicht haben wollen, daß, während er selbst auf dem Vaterstuhl zwischen den Gerechten und Stammvätern sitzt, sie sich irgendwo in der Unterwelt, in wüsten Wäldern herumtreibt . . . Was hilft es ihr aber? Erstens müßte sie sich einfach schämen, den Stammüttern 'in die Augen zu sehen. Sie würde vor Scham verbrennen! Zweitens — hat sie ja keine Kinder, und „Jahre ziehen, Jahre fliehen“ . . . Sieben Jahre leben sie schon zusammen; noch direi unglückselige Jahre, und dann ist die Scheidung gewiß! Während der „Schmojnessre“ darf der Betende nicht sprechen. Muß er aber dennoch etwas sagen, so verständigt er sich mit unartikulierten Lauten. Wird sie dem widersprechet? Eine andere wird sein Fußschemel im Paradiese sein^und sie wird mit Gott weiß wem, mit irgend einem Schneider in der Hölle schmachten . . . Und verdient sie denn auch etwas Besseres! Sie träumte schon mehr als einmal von einem Schneider oder einem Schuster und fuhr dann mit einem lauten Schrei aus dem Schlafe. Er wachte erschrocken auf. Nachts, wenn es finster ist, redet er ja manchmal mit ihr. Er fragt sie; „Was ist?“ Und sie antwortete: „Gar nichts!“ Sie weint und betet zu Gott, daß er seinen Segen in ihre Erbsen und ihre Hefe kommen lasse. Und Chajim-Boruch war doch wirklich ein Edelstein! „Die närrische Frau!“ — denkt er sich: „Was für Sorgen sie hat! Und doch muß ich etwas tun! Vielleicht wird sie dann eher etwas in den Mund nehmen, sich etwas gönnen!“ Er suchte lange in den Büchern. Doch oft kommt es so, daß man das, was man gerade sucht, nicht finden kann. Solche Dinge kommen meistens von selbst und unerwartet! Manchmal kam es ihm vor, daß er auf dem richtigen Wege sei, doch jedesmal verwirrte ihn der Satan, so daß er von neuem zu suchen anfangen mußte. Und er beschloß, darüber mit Ihm, leben soll er, zu sprechen. Das ging aber sehr schwer. Einmal hörte der Rebbe gar nicht zu: so sehr war er in seine Gedanken vertieft; das zweitemal schüttelte er den Kopf, nicht hin und nicht her. Und das drittemal sagte er ihm: „Hm! Es wäre wirklich ganz gut!“ Da kam aber jemand zum Rebben und das Gespräch wurde abgebrochen. Ein anderesmal fuhr er extra deswegen zum Rebben und fragte ihn: „Nu?“ „Nu! Nu!“ antwortete der Rebbe. Und das war alles. Einmal, an einem Freitag, sitzt Chajim-Boruch beim Rebben und seufzt. „Das ist keine Manier!“ schilt ihn der Rebbe. „Meine Chassidim seufzen nicht! Warum sollen sie auch seufzen?“ „Die Hefe!“ erwidert Chajim-Boruch. „ln allen Wohnungen Israels sind schon die Challes1) gebacken,“ sagt der Rebbe. „Am Freitag nach zwölf spricht man nicht mehr wegen Hefe!4" Am Sabbat abend drückt sich Chajiim-Boruch schon deutlicher aus: „Rebbe,“ sagt er, „vielleicht würdet ihr euch der Sache doch etwas annehmen?“ l) Challe — Sabbatbrot. In Deutschland „Barches“ genannt. DAS HAUS KRELl-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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