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Das jüdische Echo · 1921-09-30 · 39 (30.9.1921) · p. Seite 491

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
39 (30.9.1921)
Date
1921-09-30
Page
Seite 491 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 491 „Und du?“ erwidert der Rebbe, „bist 4u krank, es selbst zu tun? Ist der Himmel für dein Gebet, Gott behüte, verschlossen?“ Als Chajim-Boruch das „Gott behüte“ hörte, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Und doch vergingen noch ein paar Monate — und nichts änderte sich. Zu Rosch-Haschono kam er wieder. Am Feiertags-Ausgang klopfte ihn der Rebbe plötzlich vor der ganzen Gemeinde auf die Schulter und fragte: „Chajim-Boruch, was fehlt dir?“ Er wurde verlegen und antwortete: „Gar nichts!“ „Es ist nicht wahr!“ sagte der Rebbe. „Dir fehlt etwas!“ „Was?“ fragte Chajim-Boruch zitternd. Auf der Zunge lagen ihm schon die Worte: „Der Segen in den Erbsen und in der Hefe . . Der Rebbe ließ ihn aber nicht zu Worte kommen und zählte ihm folgende Worte wie Perlen ab: „Dir — Chajim-Boruch, — fehlt — eine — lange Pfeife! Die Leute wurden starr. „Du rauchst,“ sagte der Rebbe, „wie ein Fuhrmann aus einer kurzen Pfeife.“ Chajim-Boruch fiel die Pfeife aus dem Munde und er stotterte: „Ich will es Sore-Riwke sagen . . .“ „Sag es ihr nur, sag!“ sprach der Rebbe. „Soll sie dir eine lange Pfeife kaufen ... Nimm meine Feiertagspfeife als Maß mit: genau so lang soll die deinige sein.“ Und er gab ihm sein Pfeifenrohr. Das war alles! Noch bevor Chajim-Boruch nach Hause gekommen war, wußte man schon im Städtchen, daß er des Rebbens Feiertagspfeife mit sich führte ... „Warum? Wozu?“ fragte man sich in allen Gassen und in allen Häusern. „Wozu?“ zappelten alle jüdischen Seelen. „Wozu?“ Und sie gaben sich selbst Antwort auf diese Frage: „Wahrscheinlich, damit er Kinderbekomme!“ Chajim-Boruch leidet doch nur an dem, woran alle gelehrten Leute leiden; wahrscheinlich wird der Rauch aus des Rebbens Feiertagspfeife dagegen helfen. Und dann noch etwas: Sore-Riwke leidet doch an den Augen! Mit ihren zweiund^ zwanzig Jahren trägt sie schon eine Brille. Der Rebbe hat sicherlich an sie gedacht. Es ist doch keine Kleinigkeit: Chajüm-Boruchs Weib! Und überhaupt: Wozu hilft so ein Pfeifenrohr nicht? Und dazu noch von einer Feiertagspfeife?!! Bevor noch Chajim-Boruch vom Wagen gestiegen war, baten ihn schon hundert Menschen, er möchte ihnen das Pfeifenrohr leihen: für einen Monat, eine Woche, einen Tag, eihe Stunde, eine Minute, einen Augenblick ... Man versprach ihm dafür goldene Berge! Doch er antwortete allen: „Was weiß ich? Fragt Sore-Riwke...“ Es war eine Weissagung, was über seine Lippen kam. Sore-Riwke macht ein gutes Geschäft... Achtzehn große Zehner für einen Zug aus der Pfeife. Achtzehn Zehner und keinen Heller weniger! Und die Pfeife hilft! Die Leute zahlen. Und Sore-Riwke hat schon ein eigenes Häuschen, einen schönen Laden, viel Hefe und noch manche andere Ware im Laden. Sie selbst ist voller geworden, gesünder und rundlicher. Sie hat dem Mann neue Wäsche nähen lassen «und die Brille abgelegt... Vor einigen Wochen kam man sogar vom Gutsherrn das Pfeifenrohr zu leihen. Drei silberne Rubel legte man ihr dafür hin. Wie denn auch anders? Ob sie Kinder hat, wollt ihr wissen? Gewiß! Drei oder vier... Auch er ist ein ganzer Mensch geworden ... * * Im Beß-Hamidrosch gibt es einen ewigen Streit. Die einen sagen, daß Sore-Riwke dem Rebben das Pfeifenrohr niemals zurückgeben will und wird. Und andere sagen, sie hätte es ihm schon längst zurückgegeben; ihr jetziges Pfeifenrohr sei gar nicht mehr des Rebbens Pfeifenrohr. Doch Chajim-Boruch selbst schweigt. Was machts? Wenn es nur hilft! Gemeinden-u.Vereins-Echo Bar Kochba München. Leichtathletik- Abteilung. Die ordentliche Generalversammlung der Leichtathletik-Abteilung findet Donnerstag, den 6. Oktober abends punkt 8 Uhr im Nebenzimmer des Restaurants Domhof, Kaufingerstraße, statt. Außer den Neuwahlen stehen noch so wichtige Punkte auf der Tagesordnung, daß das Erscheinen sämtlicher aktiven und passiven Mitglieder unbedingt notwendig ist. Die H a n d b a 11 w e 11 s p i e 1 e beginnen bereits am 15. Oktober. Wir melden hiiezu eine Hauptmannschaft und zwei Jugendmannschaften. Das Training und die Aufstellung der Mannschaften findet Sonntag vorm. 10 Uhr auf dem Sportplatz Pliinganserstr. 84, statt. Eine weitere Verständigung der Spieler erfolgt nicht. Jubiläum der Berliner Gemeinde. Mitte September feierte die Berliner Judengemeinde den Gedenktag ihres 250jährigen Bestandes. Nachdem im Jahre 1573 die Juden aus der Mark Brandenburg aufgewiesen worden waren, waren die Judengemeinden vernichtet. Erst im Jahre 1671 nahm Friedrich Wilhelm II. die aus den österreichischen Erbländern vertriebenen Juden in die Mark auf; seither besteht die Judengemeinde Berlin, die heute etwa 120 000 Seelen zählt. Tagung des Zionistischen Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg. Am Dienstag, 27. September, waren der Vorsitzende des zionistischen Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg, Herr Dr. Nußbaum-Nürnberg, und der Parteisekretär, Herr Karl Glaser-Nürnberg, in München, um in eingehender Aussprache mit dem Vorstände der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe Termin und Ort der diesjährigen Tagung des Gruppenverbandes festzulegen. Es wurde beschlossen, den Gruppenverbandstag in München am Sonntag, den 6. November stattfinden zu lassen. Zur Eröffnung des Gruppenverbandes soll am Abend des 5. November eine große öffentliche Sitzung stattfinden, auf der prominente zionistische Persönlichkeiten, voraussichtlich auch der Vorsitzende der Z.V.f.D., Herr R.-A. Rosenblüth- Berlin, sprechen wird. Diese Eröffnungssitzung soll sich mit der allgemeinen jüdischen Situation, der Lage des Zionismus und seinen nächsten Aufgaben befassen. Es dürfte nach dem XII. Zionistenkongreß, dessen bedeutsame Beshliisse allgemeines Interesse in der jüdischen und nicht jüdischen Welt gefunden haben, Zionisten und Nichtzionisten erwünscht sein, über die wesentlichen Fragen von

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