Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 39 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- Seite 487 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.?Q Das Jüdische Echo 487 Ajun (bibl. Jjoni) und die Quellflüsse Hasbani und Dan des Jordans, zurückgegeben, läßt aber immer noch Land, das zum historischen Palästina gehört, jenseits der Grenzlinie liegen. Die neue Absteckung der Grenze schafft für die britische Regierung in Palästina eine ernste Lage. Die Gegend um Metulla herum gehört bekanntlich zu den unsichersten und durch die Räuberbanden aus dem nahen Ostjordannien am meisten gefährdeten Landstrichen. Eine Abteilung der neuen Gendarmerie muß daher dort ihren Standort haben, ebenso eine indische Reiterschwadron. Die beste Art, Metulla und Umgebung wirksam zu schützen und zugleich die Erschließung der fruchtbaren Landschaft des Ajun zu beschleunigen, wird die sein, möglichst schnell eine Bahnlinie zwischen dieser Kolonie und Nazareth-Tiberias zu bauen, wie sie schon unter den Türken projektiert war. Eine solche dem Jordan parallel laufende Bahn würde auch die Ausnutzung seiner Wasserkräfte in rationeller Weise ermöglichen. (N. Züricher Ztg.) Seidenindustrie in Palästina. Über die Entwicklung und Aussichten der Seidenindustrie in Palästina berichtet unter anderem der „Haarez“: Die Seidenindustrie bildet in Palästina kein neues Unternehmen. Baron Edmond Rothschild ergriff seinerzeit die Initiative hiezu in Metullah. Infolge des Krieges wurde dieses Experiment vernachlässigt. Mit dem Eintritt normaler Bedingungen begann dieser Industriezweig die zionistischen Führer wieder zu beschäftigen und Dr. Weizmann hat sich durch Ernennung von R. Zwi zum Experten für dieses neue Unternehmen eingesetzt. Zwi interessierte sich besonders für die Rizinuspflanze, eine indische Pflanze mit reproduktiven Qualitäten. Der Rizinuswurm ergibt sechs Generationen, gegenüber nur einer Generation beim Maulbeerwurm, und die Rizinuspflanze ist den verschiedenen Einflüssen weniger ausgesetzt und kann sich, dem Klima gut anpassen. Die Seide, die aus den Kokons dieses Wurmes gesponnen wird, ist stärker als die des Maulibeerwurmes und kann für alle Kleiderarten Verwendung finden. Die Rizinuspflanze wächst rasch sowohl in sandigen wie feuchten Regionen. Weizmann vermochte Minister Sir Alfred Mond für diesen Industriezweig zu interessieren und die Bereitstellung der nötigen Mittel für Versuche auf diesem Gebiet zu erlangen. Nach kaum einem Jahre zeigten sich Erfolge, die über alles Erwarten waren. Der Wnrm hat sich an die klimatischen Verhältnisse angepaßt, erreichte die erwartete Zahl! von Generationen und jetzt können die Kokons an die verschiedenen Seidenerzeuger übergeben werden. Unglücklicherweise fehlen die für diese Industrie nötigen Maschinen. Die Seidenindustrie dürfte laut Ansicht der Experten dlie Quelle von einträglichen Einkünften für die Kleinpächter bilden, die ihre freie Zeit erwähnter Industrie widmen wollen. Zwi begab sich nach Europa, um die nötigen Maschinen für die Industrie zu erwerben. Bericht über den Gesundheits* zustand ukrainischer Waisenkinder. Wir werden um Abdlruck folgender Zeilen gebeten: Dank des liebenswürdigen Entgegenkommens des Herrn Oberstabsarztes Dr. Chajes in Wien konnte der Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Agudas Isroel durch Herrn Dr. Buttenwieser 50 ukrainische Waisen, die vor kurzem nach Witen gebracht worden waren, ärztlich untersuchen lassen. Abgesehen von erheblicher Unterernährung ist der Gesundheitszustand der Kinder iim allgemeinen gut. Entgegen der in manchen Laienkreisen geäußerten Befürchtung über eine Zunahme venerischer Erkrankungen auch bei jüdischen Kindern in Polen und der Ukraine während des Krieges, ergab die Blutuntersuchung, die bei allen vorgenommen wurde, daß sämtliche Kinder, auch in dieser Beziehung gesund sind» Die Blutuntersuchung wurde im Serotherapeutischen Institut in Wien ausgeführt. Dr. Buttenwieser beabsichtigt im November 1. J. nach Polen und den polnisch besetzten Gebieten der Ukraine zu fahren, um die gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen. Nach allen Informationen besteht leider kein Zweifel, daß die Zahl der ukrainischen Waisen viele Tausende beträgt. Da der Transport dieser Kinder aus Polen mit Schwierigkeiten verbunden ist, bitten wir die Familien, dile in hochherziger Weiise sich bereit erklärt haben, für diese Waisen zu sorgen, sich noch einige Wochen zu gedulden, bis ihre Wünsche erfüllt werden können. Hingegen ist es dringend erwünscht, daß in der Zwischenzeit in allen Ländern, Städten und Dörfern, wo jüdische Gemeinden sich befinden, fleißig Geldmittel, Wäsche, Kleider usw. gesammelt werden, damit der Kriegswaisenfonds beim Eintreffen der Kinder der großen Aufgabe, die er sich gestellt hat, gewachsen ist. Auch bitten wir weiterhin um Angabe an die Adressen des Kriegswaisenfonds der Agudas Isroel Halberstadt und Agudas Isroel Wien II, Malzgasse 12a, welche Familien bereit sind, durch Adoption oder Bestreitung der Erziehungsunkosten in Familien oder Waisenhäusern diesen unglücklichen Kindern eine Lebensmöglichkeit zu gewähren. Für die Ernährung der ukrainischen Flüchtlinge und Waisenkinder wurde vorübergehend durch den Joint gesorgt, dessen weitere Fürsorge aber bekanntlich in Frage gestellt ist. Tagung des Rates und des ständigen Ausschusses des Gemeindeverbandes in Bayern. Von Dr. J. Bamberger. Im Sitzungssaal der Kultusgemeinde fand heute eine gemeinschaftliche Sitzung des Rates und des ständigen Ausschusses des Gemeindeverbandes in Bayern unter dem Vorsitze der Präsidenten O.-L.- G.-R. Dr. Neumeyer und O.-L.-G.-R. Prof. Dr. Silberschmidt statt. In herzlichen Worten der Begrüßung hieß O.-L.-G.-R. Dr. Neumeyer als Präsident und als Hausherr die fast vollzählig erschienenen Vertreter willkommen und stellte eine Führung durch die eben unter der trefflichen Leitung von Dr. E. Straus vollendete Coßmann- Wernersche Gemeindebibliothek in Aussicht. Dentist H. ULLMANN München, Baaderplatz 1/1, Tel. 25S04 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik