Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 38 (23.9.1921)
- Date
- 1921-09-23
- Page
- Seite 475 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9145338--04336-9077161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 38 Das Jüdische Echo 475 zeigen. Das eine glaube ich, versprechen zu dürfen: Wir werden unser Bestes tun. Ob das Beste ausreichen wird, weiß ich nicht. Morgen werden Sie Rückschau halten, was dieser Kongreß, der zwölfte der Zahl nach, aber vielleicht der erste an Bedeutung in dieser neuen Epoche, geleistet hat. Das eine Resultat ist schon da: Er hat die Organisation wieder aus Trümmern auf gebaut, zu etwas Ganzem geschmiedet. Er hat unsere Finanzinstitute und das Hauptfinanzinstitut, den Keren Hajessod, weiter gebracht in der Organisierung. Er stand unter dem Zeichen des Bewußtseins, daß wir jetzt den Aufbauaufgaben den Vorrang geben miisseff. Er hat einen wirtschaftlichen Rat geschaffen, der eine Wirtschaft in Palästina zu begründen hat. Das sind vielleicht die hervorstechendsten Züge dieses Kongresses. Es waren schwere Stunden, Stunden des Kampfes, des Ringens und des Tastens nach einem Wege, der noch nicht ganz klar vor unseren Augen liegt. Der Aufstieg ist sehr schwer, aber wenn wir uns dieser Schwierigkeiten bewußt sind', so werden wir vielleicht keine Desillusionen erleben. Wir sind uns bewußt, daß wir einen schweren Weg zu gehen haben, wir sind uns aber auch bewußt, daß hinter uns der unzerstörbare Wille des Judenvolkes steht, und ich glaube, daß der starke, strenge und gerechte Gott Israels auf seine Söhne herunterschaut in ihrer schweren Prüfung und daß aus dieser schweren Prüfung eine bessere Generation ersteht, die den richtigen und den geraden Weg nach Zion finden wird. Präs, Sokolow: Es ist mir eine angenehme Pflicht, der Regierung dieses Landes den Dank des XII. Zionistenkongresses auszusprechen. Die Regierung dieses Landes ist auch aus einem Nationalitätenkampf hervorgegangen und hat tiefes Verständnis für unser Ideal. Wir wollen *auch der Stadt Karlsbad unseren Dank abstatten, deren Bevölkerung uns auf Schritt und Tritt Sympathie und Verständnis zeigte. Ich möchte auch unserer eigenen Jugend, unseren freiwilligen Ordnern, danken und unseren Turnern, die uns einen hohen Genuß und eine nationale Genugtuung gewährt haben. Ich möchte dem Kongreßbüro danken, das schwere Pflichten hatte und sich ihrer in gewissenhafter Weise entledigt hat. Ich möchte meine eigenen Eindrücke in die Worte fassen: es war ein schwerer Kongreß, aber es war ein guter Kongreß. Vielleicht war dieser Kongreß der letzte im Galuth. Ich hoffe, daß der nächste Kongreß in Jerusalem stattfinden wird. Wir haben uns hier ausgesprochen und haben nichts verhehlt. Dieser Kongreß war ein Spiegelbild des jüdischen Volkes mit seinen Hoffnungen, mit seinen Streitigkeiten, mit seinen Parteien, mit seinen Unzulänglichkeiten. Aber unsere Streitigkeiten waren keine unfruchtbaren Kämpfe, sondern ein schöpferischer Kampf. Nun werden Sie hinausgehen und dem Volke die Botschaft bringen. Man sagt oft, wir sollten uns an die jüdischen Organisationen wenden. Ich möchte sagen, wir sollen uns an den Juden wenden, an den Durchschnittsjuden in der jüdischen Gasse. Und diesen Juden werden wir finden. Das Leitmotiv des Kongresses hätte eine Tatsache sein sollen, die nicht genügend betont wurde: wir sind uns noch nicht bewußt, daß wir schon angefangen haben, das jüdische nationale Heim zu bauen. Diejenigen unter uns, die aus Erez-Israel gekommen sind, sind aus dem jüdischen Nationalheim gekommen. Das jüdische Nationalheim — gut oder schlecht — es wird gebaut. Man baut schon Straßen und Häuser, und was man baut, scheint toter Stein und ist doch das organischste und lebendigste. Wir sind schon in diesem Prozeß begriffen, und das jüdische Volk ist auf Leben und Tod in diesen Kampf eingetreten. Es handelt sich jetzt, und das muß jedem Juden gesagt werden, um Ehre und Existenz des jüdischen Volkes. Es sind hier Worte der Begeisterung gesprochen worden, und wir alle sind den Rednern dankbar, die uns darauf hingewiesen haben, daß Zionismus noch etwas anderes bedeutet als eine ökonomische Frage. Gewiß werden wir die Tiefe der zionistischen Idee wahren, aber zugleich müssen wir uns an jeden einzelnen im Volke wenden. Man hat von Liebe gesprochen. Wir waren es nicht, die das Wort Liebe prägten, unsere Losung war Gerechtigkeit. Und wir haben ein ganz anderes Kriterium aufgestellt: die Tat, das Opfer. Und dieses Opfer heißt: Maasser. Wir haben oft Maasser gezahlt und nicht nur einmal — den Fremden, den Feinden; uns selbst, unserer eigenen Sache, unserem1 Ideal werden wir jetzt den Maasser entrichten. Was hat der Kongreß geleistet? Wir haben eine legale Basis für unsere Arbeit geschaffen. Von nun ab können wir ganz anders arbeiten als bisher. Wir werden von nun ab im Namen des XII. Kongresses sprechen, und unsere Arbeit wird, wie ich hoffe, zu größeren Resultaten führen. Wir haben die acht Jahre der Zerrissenheit überwunden und sind wieder zu einem Kongreß zusammenge- PORZELL4N-NIEDEBL1GE MÜNCHEN THEATINER STRASSE 33 gegenüber der FeldherrnhaUe GRÖSSTE AUSWAHL, IN «EBRillCHSrOBZELLlN TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG