Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 38 (23.9.1921)
- Date
- 1921-09-23
- Page
- Seite 473 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 473 Rechten: Berlin, Hermann Struck, Rabbiner Fishman, Epstein und Abgeordneter Farbstein. In den Wirtschaftsrat wurden gewählt: Neiditsch, Dr. Berthold Feiwel, Dr. Georg Halpern (Wien), Schocken (Zwickau), Schweizer (New-York). Als Vertreter der Linken: Kaplansky; als Vertreter der Rechten: Barth. Drei dieser Herren haben das Recht, bei der Beratung wirtschaftlicher Angelegenheiten an der Sitzung der Exekutive mit Sitz und Stimme teilzunehmen. Wahl des Präsidiums: Am Tage nach Kongreßschluß trat das neugewählte A.-C. zur konstituierenden Sitzung zusammen und wählte folgendes Präsidium: Präsident: Oberrabbiner I) r. Chajes-Wien, Vizepräsidenten : Berlin (Misraehi) Hantke und Stricker. Äus der Schlußsitzung. Die Rede Bialiks. Hoher Kongreß! Gott wollte es nicht, daß unsere heutige Freude vollkommen sei. Der Tag, den wir seit Jahrtausenden erwarten, der Tag der Verkündung des Anfanges der Erlösung, den wir in Feuertränen und Höllenqualen herbeisehnten, ist ehdlich gekommen. Der erste Klang, das erste Echo der Erlösung ist an uns gelangt; aber in dieser Stunde, in der wir hofften, alle Juden aus allen Ländern und aus allen Himmelsrichtungen versammelt zu sehen, sehen wir leider nur die Boten eines kleinen Teiles. Ein großer Teil derer, die sich darauf vorbereiteten, zu uns hierher zu kommen, um den ersten Ruf zu vernehmen, mußte leider fern von uns bleiben. Ich denke an die 500 Delegierten, die aus Rußland hätten kommen können und die von uns durch eine eiserne Wand getrennt sind. Wer weiß, ob auch nur ein schwacher Abklang dieses Rufes an sie gelangen wird, ja, ob wir es überhaupt noch erleben werden, sie zu sehen. Richten wir unsere Herzen nach dem Osten und entsenden wir ihnen unseren Segen und unsere Wünsche, wenn nicht einer vollkommenen Erlösung, so doch wenigstens der Rettung aus einer fürchterlichen Hölle, wo sie sich in Asche und Blut wälzen. Wer weiß, ob die nächste Zukunft ihnen diese Erlösung bringen wird und ob ihr Blut nicht vergebens für uns geflossen ist. Denken wir immer an diese unglücklichen Brüder und vergessen wir ihrer nicht, bis sie wieder sich aus dieser Asche und aus diesem Blute erhoben haben. Einen kleinen Trost wollen wir darin sehen, daß unser Volk aus dieser fürchterlichen Lage eine Lehre ziehen wird. Vor ungefähr vier Jahren, noch vor der russischen Revolution, als das russische Judentum sich in glänzenden materiellen Verhältnissen befand, hofften alle nach dem Friedensschluß ihr Vermögen nach Palästina zu retten. Und als gerade dann die Balfour-Deklaration verkündet wurde, ergriff das ganze russische Judentum eine unbeschreibliche Freude, sie sahen darin das langerwartete Wunder. Wir sehen nun, was aus all diesen Hoffnungen geworden ist. Möge das jüdische Volk jetzt sich endlich einmal überlegen, daß es in einem fremden Lande für uns keine Hoffnungen geben kann. In einer Minute wird alles zugrunde gerichtet, nicht nur leicht verdiente Kapitalien, sondern altererbte und schwer erworbene Reiehtümer werden restlos vernichtet. Mögen Sie all das bedenken und Ihre Vermögen dahin bringen, wo sie für ewig dem jüdischen Volk gesichert bleiben. Die Stunde der Tat hat geschlagen. Wir sind überdrüssig der Träume, der Phantasien und Pläne, und wollen Taten sehen. In der Arbeit werden sich die Gegensätze ausgleichen. Die ewigen Streitigkeiten und theoretischen Auseinandersetzungen zermürben unseren Willen und zerbröckeln uns in einzelne Staubkörnchen, die sich nicht zu einem massiven Klumpen zusammentun können. Unter der Oberfläche der Tat werden sich aber unsere einzelnen Wurzeln zusammenfinden, sie werden zusammem.wachsen zu einem starken Stamm und die einzelnen Bäume werden einen großen Wald bilden. Laßt uns nur durch die Arbeit in unserem Boden Wurzel schlagen, und kein noch so heftiger Sturm wird uns je mehr entwurzeln können. Hier sitzen Linke, Rechte und Zentrum. Alle streiten miteinander in der Welt der Ideen, der Phantasien und Pläne. Wenn Sie an die Tat gehen, merken Sie erst, wieviel unnützes Gerede und leere Worte in diesem Streit vorhanden sind. Werfet die Worte in den Schmelztiegel der Tat und das reine Gold wird von selbst als ein starker Barren ausscheiden. In der Arbeit kommt man stillschweigend, ohne Worte, zu einer Einigung. Gerade die Rechte muß es wissen, daß die größte Tat, die wir jetzt erleben, durch die Linke vollbracht wird. Nicht nur in Palästina, sondern in Rußland, in den fürchterlichsten Zuständen, in denen sich das Judentum befindet, sind wir Zeugen einer der prachtvollsten Erscheinungen unseres Zeitalters in der jüdischen Welt. Zehntausende jüdischer junger Leute, Kinder und Enkel von Krämern, die nie produktive Arbeit kannten, stehlen sich über gefahrvolle Stege und Grenzen und strömen in das gelobte Land, um dort die schwersten Arbeiten monate- und jahrelang zu verrichten, um produktive Arbeit zu leisten und von ihrer Hände Arbeit zu leben. Wo in aller Welt haben DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN