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Das jüdische Echo · 1921-09-16 · 37 (16.9.1921) · p. Seite 461

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
37 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
Seite 461 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 461 sehe Form der Kolonisation ist nicht nur die billigste, sondern auch diejenige, die am besten von außen her Gelder heranziehen wird. Von großer Bedeutung wird eine richtige Bodenpolitik sein. Damit kann man sehr schnell Tausende von neuen Ansiedlern heranziehen, wenn erst ein tüchtiger Anfang vorliegt. Die richtige Bodenpreispolitik schafft auch die Basis für einen gesunden Kredit. Die Summe von 25 Millionen Pfd. reicht nach der Ansicht Soskins für die Ansiedlung von 400 000, nach meiner Annahme der Ansiedlungskosten mit 200 000 Pfd. für etwa 600 000 Seelen. Wir erweitern so den Kreis der für die Ansiedlung in Betracht kommenden Juden, erweitern die 'Möglichkeit des nationalen Hilifswerkes, retten die Zionistische Organisation. Und nun, geehrter Kongreß: Machen Sie aus dem Großen Neuen, das in dieser Intensivierung, Beschleunigung und Vergrößerung unseres Ansiedlungswesens liegt, keine kleine, kleinliche, mutlose, halbe Sache. Schwächen Sie nicht, sondern stärken Sie Weizmann und seine Mitarbeiter in der Richtung, die zu den Resolutionen in London führte, und die bezüglich der Gartenstadt sagt: „Die Exekutive ist der Ansicht, daß die Gartenstadt eine der wichtigsten Formen unserer Arbeit in Palästina sein wird. Sie errichtet für diese Ansiedlungsform ein besonderes Ressort, dem die Ausführung der von der Zionistischen Organisation unternommenen gartenstädtischen Siedlungen sowie die Beratung und Förderung der Privatinitiative auf diesem Gebiete obliegt.“ Levin-Epstein (Amerika): Die palästinensischen Arbeiter sind gewiß eines der besten Elemente des jüdischen Volkes, ohne Zweifel idealistisch und opferwillig, aber Irrtümern unterworfen, wie wir alle. Mit der Ansiedlung von Arbeitern auf Nationalfondsboden wurde schon 1905 begonnen. Es war eine Stockung eingetreten und man wollte der Kolonisation neues Blut zuführen. Daß man das tat, war lobenswert, obzwar ich glaube, daß der Nationalfonds nicht zu Kolonisationszwecken, sondern ausschließlich für Bodenankauf geschaffen wurde. Wenn Kolonisation also damals notwendig war, so hätte man mit ihr aufhören müssen, als man ihre geringen Erfolge sah. Es waren Defizite da und um sie zu decken, hat man jeweils am Jahresende in der Bilanz den Preis des Landes erhöht. Dieser Vorgang war nicht richtig. Ich habe das voriges Jahr auf der Jahreskonferenz de Lieme gesagt, er antwortete, daß es nicht mehr geschehe. Die Kolonisation wurde fortgesetzt. Als ich 1912 dagegen auftrat, wurde mir gesagt, daß jetzt eine Liquidation vorbereitet werde und dann eine Rationalisierung in Aussicht genommen sei. Inzwischen kam der Krieg. Unsere Positionen mußten erhalten. die Arbeiter beschäftigt werden und so setzten wir die alte Politik fort. Aber als die Zionist Commission 1918 nach Palästina kam und eine neue Epoche begann, hätte es aufgegeben werden müssen. Wasf die Siedlungsgjenossenhabe eine Zahnprajcis eröffnet München, Baaderplatz 1/i Telefon 25904 / Eingang Kohlstrasse H. ULLMRMM, DEMTIST frOher Mürnberg / Spez. Laboratorium für feine Zahntechnik fachmännische, individuelle persönliche Behandlung schaft betrifft, so war es mir von Anfang an zweifelhaft, ob dieser Plan in Palästina ausführbar sei, wenn er schon in Deutschland mit dem dortigen besseren und disziplinierten Material mißlungen war. Und was ist aus Merchawiah geworden? Außer dem Boden und den Häusern ist nichts da. Ich weiß, daß das Ideal eine große Rolle im menschlichen Leben spielt. Ideale verwirklichen manchmal unmöglich scheinende Dinge, aber sie halten meistens nur kurze Zeit, nicht für die Ewigkeit. Es gibt keine Liebe zum Boden, wenn der Mensch nicht weiß, daß es sein Boden ist und daß ihn sein Sohn bearbeiten wird. Ich sage nicht, daß die Kooperative unmöglich ist. Sie ist gut, wenn sie mit eigenen Kräften geschaffen «st, wenn jedes Mi&li'ed eigenes Geld hineingesteckt und etwas zu riskieren hat, aber nicht mit fremden Geld. Unsere Kooperativen sind nicht von eigenem Geld geschaffen und besitzen daher nicht genug eigenes Verantwortungsgefühl, um zu wissen, daß man Verluste aus eigener Tasche decken muß. Die Arbeiterführer wollten die Organisation zwingen, die landwirtschaftlichen Kooperativen weiter fortzusetzen, und so haben sie auf künstlichem Wege Beschäftigungslose in Palästina geschaffen. Man hat die Meinung verbreitet, ein Jude müsse unabhängig sein und hat fast einen Boykott gegen die jüdischen Kolonisten arrangiert. Ich habe mich bemüht, eine positive Lösung der Frage zu finden, wie man den jüdischen Arbeitern einen Lohn zahlen kann, ohne den Kolonisten so zu belasten, daß er nicht existieren kann. Einer der Kolonisten erklärte, er sei bereit, 25 Prozent mehr zu zahlen, als den Arabern. Das war zu wenig. Da habe ich den Vorschlag gemacht, die Zionistische Organisation solle in jeder Kolonie Küchen bauen und für die medizinische Hilfe aufkommen. Die Arbeiter haben das nicht akzeptiert und haben mir vorgeworfen, daß ich dafür sorge, daß der Kolonist billiger arbeiten könne. Was die städtische Ansiedlung betrifft, so ist der Hauptfehler, daß wir keine Gewerbeschulen haben. Wir erziehen wohl Professoren, Ärzte, Ingenieure, die nicht in Palästina bleiben, aber keine Handwerker, und es ist bezeichnend, daß die Kinder der besten Kolonisten doch wieder studieren und die Landarbeit der älteren Generation überlassen. Ich schlage also vor, daß wir 1. in den Plänen des Hapoel-Hazair fortschreiten, daß man Moschwe-Owdim errichtet und aus den besten Arbeitern rekrutiert, die lange in Palästina gearbeitet haben. 2. Man soll Arbeiter in denjenigen Kolonien, wo sie gute Arbeit finden, so kolonisieren, daß man ihnen etwas Boden, einen Stall, Vieh usw. gibt, damit sie sich weiter entwickeln können. Da könnte man vielleicht Soskins System annehmen. Man muß 3. für die Stadtbevölkerung Gewerbeschulen in Palästina errichten und gute Fachleute ins Land bringen. Dr. .1. Bodenheimer: Alles was der Nationalfonds bisher getan hat, ist in größter Öffentlichkeit geschehen. Der Kongreß hat uns das Absolutorium erteilt. Man kann also nicht nach vielen Jahren kommen und Vorwürfe erheben, wie sie Herr Epstein erhoben hat. Weder mir, noch Ruppin. ist es bekannt, daß die Verteuerung des Bodens zur Verschleierung von Defiziten benützt wurde. Herrn Epstein muß ich sodann noch erwidern, daß ich nie und nimmer

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